Flugzeugentführer nach 34 Jahren geschnappt

War auf Kreuzfahrt

Flugzeugentführer nach 34 Jahren geschnappt

Athen/Berlin. Auf einen deutschen Haftbefehl hin ist in Griechenland ein Libanese wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an einer Flugzeugentführung in den 1980er Jahren festgenommen worden. Der 65-jährige Mann sei am Donnerstag auf der Insel Mykonos festgenommen worden, teilte die griechische Polizei am Samstag mit.

Der Verdächtige soll griechischen Medienberichten zufolge bei einer Passkontrolle eines Kreuzfahrtschiffes erkannt worden sein. Der Mann solle nun nach Deutschland ausgeliefert werden, wo er auch wegen einer Entführung 1987 gesucht werde. Der Generalbundesanwalt wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.
 
Der Libanese soll an der Entführung des TWA-Flugs 847 im Juni 1985 beteiligt gewesen sein, wie griechische Medien berichteten. Während der Entführung wurde auch ein US-Bürger getötet. Die in Kairo gestartete Maschine war auf dem Weg nach Rom und nach einer Zwischenlandung in Athen kurz nach dem Start entführt worden. 17 Tage hielten die Entführer die 153 Passagiere sowie Besatzungsmitglieder in ihrer Gewalt und wechselten dabei mehrfach im Mittelmeerraum ihren Standort - von Beirut nach Algier und wieder zurück.
 
Bereits einen Tag nach der Entführung hatten die Entführer einen 23-jährigen US-Marine-Taucher geschlagen und kaltblütig erschossen. Seine Leiche warfen die Entführer damals auf das Rollfeld in Beirut.
 

Geiselnahme und andere Delikte

Einer der Entführer, der Libanese Mohammed Ali Hamadi, war 1987 in Frankfurt am Main festgenommen und dort wegen Mordes, Geiselnahme und anderer Delikte zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Libanese, Mitglied der pro-iranischen Hisbollah-Miliz, kam im Dezember 2005 nach 19 Jahren Haft frei und kehrte in seine Heimat zurück.
 
Die USA äußerten sich damals enttäuscht über die Freilassung, verlangten seine Auslieferung und setzten später ein Millionen-Kopfgeld auf seine Ergreifung aus. Deutschland wies eine Verbindung zwischen der Freilassung Hamadis und der deutschen Geisel Susanne Osthoff im Irak zurück.
 
Hamadis Bruder, Abbas Hamadi, war in Deutschland zu 13 Jahren Gefängnis wegen seiner Beteiligung an der Entführung des Hoechst-Managers Rudolf Cordes und des Siemens-Technikers Alfred Schmidt sowie anderer terroristischer Delikte verurteilt worden. In einem Saarbrücker Gefängnis saß er nach seiner Verurteilung im April 1988 gut fünf Jahre seiner Strafe ab. 1993 kam er vorzeitig frei. Zuvor waren die beiden deutschen Geiseln im Libanon, Thomas Kemptner und Heinrich Strübig, freigelassen worden.
 
Mit der Haftentlassung von Abbas Hamadi endete ein Kapitel versuchter Erpressungen deutscher Behörden durch den Hamadi-Clan. Ein Jahr nach der Verurteilung von Abbas brachte die schiitische Familie die Mitglieder einer umstrittenen privaten deutschen Hilfsorganisation - Kemptner und Strübig - in ihre Gewalt. Erst nach drei Jahren intensiver Bemühungen der deutschen Bundesregierung, die auch den Iran und Syrien einschaltete, kamen die beiden Deutschen im Juni vergangenen Jahres wieder frei. Trotz wiederholter Dementis hielten sich hartnäckig Gerüchte über deutsche Gegenleistungen.
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