Genua: Mafia-Deals als tödliche Gefahr

Brücken-Katatstrophe

Genua: Mafia-Deals als tödliche Gefahr

Fragwürdige Deals, Schmiergeld, billiges Material: Italien ist einsturzgefährdet.

Genua. Die Katastrophe von Genua, bei der mindestens 38 Menschen in den Trümmern starben, ist kein Einzelfall. Allein in den letzten fünf Jahren krachten neun italienische Brücken in die Tiefe – und viele haben den Schuldigen schon gefunden: die Mafia.

© Twitter
Die desolate Brücke.

Die Verstrickungen der Politik mit dem organisierten Verbrechen sind legendär. Satte Schmiergelder im Gegenzug für öffentliche Aufträge waren lange nur ein offenes Geheimnis. Im Palermo der 50er- und 60er-Jahre ging etwa rund ein Drittel aller Bauaufträge an nur drei Mafia-Familien.

Eine Folge davon ist auch: Baumaterialien werden gestreckt und damit billiger, die Profite explodieren. Hunderte Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser und eben Brücken sollen deshalb landesweit vom Einsturz bedroht sein.

Brückenbetreiber Autostrade gerät zusehends unter Druck. 150 Millionen Strafe sollen fällig, die Lizenz zum Betrieb entzogen werden. Mit 30 Prozent größter Aktionär ist der Atlantia-Konzern der Familie Benetton. Im Vorjahr gab es 1,17 Milliarden Gewinn.

 

Untersuchung gegen Betreiber beginnt

Die italienische Regierung hat nach dem Brückeneinsturz in Genua eine Überprüfung des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia gestartet. Das Unternehmen habe 15 Tage Zeit, um nachzuweisen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der ordnungsgemäßen Funktion der Brücke und der Vermeidung von Unfällen erfüllt habe, erklärte das Verkehrsministerium am Donnerstag.
 
Sollten die Auskünfte als unzureichend eingestuft werden, wäre dies ein Bruch der Konzessionsbedingungen. Die Muttergesellschaft Atlantia wurde aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für den Wiederaufbau der unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen.
 
Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert. Das Unternehmen besitzt 88 Prozent am größten Betreiber mautpflichtiger Straßen in Italien. Bei dem Einsturz der Brücke waren am Dienstag mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen.
 

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