'Hallo Bruder': Terror-Opfer als Held gefeiert

Neonazi attackiert Moschee in Neuseeland

'Hallo Bruder': Terror-Opfer als Held gefeiert

Bei einem mutmaßlichen Terrorangriff auf zwei Moscheen in Neuseeland sind am Freitag mindestens 49 Menschen getötet worden. Mehrere Dutzend muslimische Gläubige mussten in der Stadt Christchurch mit teils schweren Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Als mutmaßlicher Haupttäter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen. Er soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Zudem gab es zwei weitere Festnahmen. Der genaue Ablauf der Tat war auch nach vielen Stunden noch nicht geklärt. Die Bluttat löste weltweit Entsetzen aus.

Der Terrorist streamte seine Tat live auf Facebook. Darin soll zu sehen sein, wie der Neonazi in die Moschee stürmt. Der erste Gläubige, der ihm begegnete, begrüßte den Attentäter noch nichtsahnend und freundlich mit "Hallo Bruder". Daraufhin drückt der Australier ab und erschießt ihn und 48 weitere.

Im Netz wird der Muslim als Held gefeiert, weil er die Freundlichkeit des Islams auch in seinen letzten Worten wiederspiegelte.

 



 

 

Schock in Neuseeland und der ganzen Welt

Viele Menschen in Neuseeland reagierten geschockt. Premierministerin Jacinda Ardern stufte die Attacken als Terrorismus ein. Sie sprach von einem "terroristischen Angriff" und einem der "dunkelsten Tage" in der Geschichte des Landes. Aus Sorge vor weiteren Angriffen wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor anderen Moscheen verschärft. Mit etwa 50.000 Gläubigen sind Muslime im 4,8-Millionen-Einwohner-Land Neuseeland eine kleine Minderheit. Viele sind Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum.

Der Angriff begann gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ) in der Al-Noor-Moschee, die in der Innenstadt liegt. Zur Zeit des Freitagsgebets drang ein bewaffneter Mann in die Moschee ein und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. In dem Gebäude hielten sich nach Augenzeugenberichten etwa 300 Menschen auf. Auf seinem Kopf trug der Mann eine Helmkamera. Die Bilder, die er übertrug, waren dann auch längere Zeit im Internet zu sehen. Die Polizei fand in dem Gotteshaus und davor insgesamt 41 Leichen.

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Der 28-jährige Australier streamte seinen Anschlag live auf Facebook.

Sieben Tote bei Anschlag auf zweite Moschee

Einige Zeit später fielen dann auch in einer anderen Moschee Schüsse, etwa sechs Kilometer entfernt, ebenfalls in Christchurch. Dabei gab es nach Angaben der Polizei mindestens sieben Tote. Ein Verletzter starb später im Krankenhaus. Die Polizei wollte sich nicht näher dazu äußern, ob die Tat in der zweiten Moschee ebenfalls auf das Konto des Australiers geht oder andere dahinter stehen.

Der mutmaßliche Haupttäter wurde später von Beamten in seinem Auto gestoppt. Zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls im Besitz von Schusswaffen waren, wurden festgenommen. Eine vierte Person kam wieder auf freien Fuß. Nach Polizeiangaben wurden an Autos auch Sprengsätze entdeckt.

 

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Seine Waffen waren übersährt mit Nazi-Symbolen.

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Schulen und andere Gebäude verriegelt

Aus Angst vor weiteren Angriffen blieben Schulen und andere öffentliche Gebäude in der Stadt stundenlang verriegelt. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung - insbesondere an Muslime -, zu Hause zu bleiben. Ein Sprecher sagte: "Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen." Erst am Abend (Ortszeit) entspannte sich die Lage wieder.

Der australische Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier ist. Er sprach von einem "rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen". Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges "Manifest", das von dem mutmaßlichen Täter stammen soll. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, ob sie es für echt hält.

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens.

Bürgermeisterin: "Hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann"

Die Stadt Christchurch hat mehr als 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifik-Staats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann."

Sowohl das Live-Video als auch ein kurz zuvor ebenfalls im Internet veröffentlichtes, 73-seitiges Hass-Manifest des mutmaßlichen Attentäters sind nach Analyse der Nachrichtenagentur AFP echt. Das auf Facebook veröffentlichte Live-Video zeigt einen kurzhaarigen weißen Mann, der zur Al-Noor-Moschee fährt und dann das Feuer eröffnet, während er das Gotteshaus betritt. Die Aufnahmen davon, wie er aus nächster Nähe seine Opfer erschießt, sind extrem brutal. Die Polizei rief alle Internetnutzer auf, das Video nicht weiterzuverbreiten. Die Aufnahmen wurden von den Websites entfernt, das Twitter-Konto mit dem Manifest wurde gesperrt.

In dem Manifest beschreibt sich der Täter als 28-jähriger gebürtiger Australier aus einer einkommensschwachen Arbeiterfamilie. Als Gründe für seine Radikalisierung nennt er die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 sowie den Tod der elfjährigen Ebba Akerlund bei einem islamistischen Lastwagenanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone im selben Jahr. Überschrieben ist das Hass-Manifest mit "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei. Auf dem Twitter-Konto tauchen unter dem Datum 13. März auch Bilder der Waffen des mutmaßlichen Angreifers auf, die in dem Live-Video zu sehen sind. Sie tragen auf Englisch und in osteuropäischen Sprachen handgeschriebene Namen von mehreren historischen Militärvertretern - darunter von Europäern, die sich im 15. und 16. Jahrhundert an den Kämpfen gegen die Osmanen oder - noch früher - an den christlichen Kreuzzügen beteiligt hatten.

In einer ersten Reaktion verurteilte die Mutter von Ebba Akerlund den Anschlag auf die Moscheen in Christchurch scharf. Die Tat widerspreche allem, für das ihre Tochter stand, sagte Jeannete Akerlund dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender STV. Ebba sei den Menschen zugewandt gewesen, sagte ihre Mutter. "Sie strahlte Liebe aus, keinen Hass." Sie leide mit allen Familien, die von dem Anschlag in Neuseeland betroffen seien, fügte Akerlund hinzu. Der Tod der Elfjährigen bei dem Anschlag am 7. April 2017 hatte die Menschen in Schweden erschüttert. Ebba wollte sich nach der Schule mit ihrer Mutter im Zentrum von Stockholm treffen, als ein Lastwagen in voller Fahrt durch eine Einkaufsstraße raste und sie und vier weitere Menschen tötete. Der Täter, ein abgewiesener Asylsuchender aus Usbekistan, wurde im Juni 2018 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Kurz vor der Tat hatte er der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) Treue geschworen.
 

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