Höhlen-Drama: NÖ-Arzt erreichte Opfer
Höhlen-Drama: NÖ-Arzt erreichte Opfer

Berchtesgaden

Höhlen-Drama: NÖ-Arzt erreichte Opfer

Die Bergung des Forschers wird zum Krimi: Erstmals schaffte es ein Arzt bis zum Verunglückten.

Mittwochabend hegten sie Hoffnung: Erstmals seit dem Unglück am Sonntag schaffte es ein Arzt, zum schwer verletzten deutschen Höhlenforscher Johann Westhauser (52) in der Riesending-Schachthöhle vorzudringen.

Rettungsteam wird vom Österreicher angeführt

Der österreichische Mediziner Martin Göksu aus Niederösterreich, 30 Jahre jung, Höhlenretter, Taucher und laut Kollegen „einer der Besten“, führte das vierköpfige Team an, das um 17.25 Uhr den Unglücksort in 950 Meter Tiefe erreichte. Göksu und die drei Italiener kämpften sich 24 Stunden durch das eng verwinkelte, kalte und nasse Schachtsystem, mussten zwischenzeitlich stundenlange Pausen in den fünf Biwaks machen, um Erschöpfung vorzubeugen. Ein Nervenkrimi Hunderte Meter unter der Erde.

Die Retter fanden einen schwer verletzten Mann vor: „Durch einen Steinschlag erlitt er ein Schädel-Hirn-Trauma ohne äußere Verletzungen“, erklärte der Rettungsarzt Michael Petermeyer. Es ist eine Verletzung wie jene von Formel-1-Legende Michael Schumacher – in schwächerer Form. Westhauser ist bei Bewusstsein und ansprechbar, sein Zustand wird als stabil beschrieben. „Es ist so, wie wenn ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegt“, so Petermeyer.

Der Österreicher Göksu soll feststellen, wie schwer die Verletzungen des Verunglückten sind und ob und vor allem wie er geborgen werden könnte. Zudem wird Infrastruktur für den Transport in die Höhle gebracht.

Bergung nur möglich, wenn der Patient mithilft
Das Problem: Es gibt in der Höhle eine Engstelle, die nur passierbar ist, wenn der Verletzte den Kopf neigt und den Bauch einzieht – der Patient muss also mithelfen. Eine Bergung könnte mindestens sechs Tage dauern, der Weg zwischen zwei Biwaks beansprucht je einen Tag.

Wie gefährlich die Höhle tatsächlich ist, schildert der österreichische Arzt Wolfgang Farkas (42): „Es ist die extremste Höhle der Welt. Ich hatte Angst, dass ich mich selbst verletze“, so Farkas, der am Tag vorher umdrehen musste, zu ÖSTERREICH.

Neben der komplizierten Bergung machen den Rettern die prognostizierten Gewitter Sorgen. Teile der Höhle könnte überfluten. Offiziell heißt es, dass Rückzugsräume vorhanden seien.

Arzt Farkas: "Extremste Höhle auf der Welt"

Arzt Wolfgang Farkas wagte sich in die Höhle und drehte um – was er dort erlebte:

ÖSTERREICH: Was empfanden Sie bei Ihrem Einsatz?
Wolfgang Farkas: Ich stieg mit einem Viererteam hinunter, sollte zum Patienten. Aber was ich erlebte, überstieg alles, was ich bisher sah.

ÖSTERREICH: Wie kann man sich diese Höhle vorstellen?
Farkas: Es ist eine Forscherhöhle, dunkel, kalt und nass. Es ist unmöglich, aufrecht zu gehen. Ständig droht Steinschlag. Vor Biwak zwei ist die Schlüsselstelle, ein Wasserfall.

ÖSTERREICH: Sie mussten umdrehen. Warum?
Farkas: Ich war 26 Stunden wach und am Ende meiner Kräfte. Ich hatte Angst, dass ich selbst verletzt werde, und entschied, umzudrehen. Ich habe viel gesehen, aber das ist die extremste Schachthöhle der Welt. Es war eine große psychische Belastung. Nur einer, der die Höhle kennt, kann den Patienten retten.

ÖSTERREICH: Was gab Ihnen Kraft?
Farkas: Der Hauptantrieb, dass ich die Kraft zum Aufsteigen hatte, war meine Familie.

J. Prüller
 

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