Irrer Baby-Protest gegen Trump

In London

Irrer Baby-Protest gegen Trump

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner harten Kritik an der britischen Premierministerin Theresa May für erboste Reaktionen in London gesorgt. "Wo sind Ihre Manieren, Herr Präsident?", schrieb Hochschulminister Sam Gyimah am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Aber auch auf den Straßen herrscht explosive Stimmung: Mehr als 100.000 haben sich bei der "Stop Trump"-Demo versammelt - über ihnen schwebt ein Baby-Trump in Windeln.
 

Londons Bürgermeister Khan verteidigt Protest mit Trump-Baby

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat am Freitag die Genehmigung eines satirischen Protest gegen US-Präsident Donald Trump verteidigt. Aktivisten ließen in der Früh einen etwa sechs Meter hohen Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Parliament Square aufsteigen. Kritiker hatten den Ballon als beleidigend gegenüber Trump empfunden und gefordert, die Aktion zu unterbinden.
 
"Ehrlich gesagt, ist die Idee, dass wir das Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, weil sich ein ausländischer Politiker auf den Schlips getreten fühlen könnte, ein Gang am Abgrund", sagte Khan dem BBC-Radio am Freitag. Trump hatte Khan zuvor in einem Interview mit der "Sun" heftig angegriffen und indirekt für Terroranschläge und Kriminalität in der britischen Hauptstadt verantwortlich gemacht. "Ich denke, dass er einen sehr schlechten Job beim Terrorismus gemacht hat, einen sehr schlechten Job bei der Kriminalität", sagte Trump.
 
 

Heftige Kritik von Trump

Trump hatte zu Beginn seines Besuchs in Großbritannien den Brexit-Plan der britischen Regierungschefin in einem Interview scharf kritisiert. Sollte dieser umgesetzt werden, würde das ein Abkommen zwischen den USA und Großbritannien "wahrscheinlich töten", sagte Trump der Boulevardzeitung "The Sun".
 
Die britische Regierung gab zunächst keine offizielle Stellungnahme zu den Äußerungen ab. Außenstaatssekretär Alan Duncan sagte, Trump löse nun einmal gerne Kontroversen aus. "Das ist sein Stil", sagte Duncan in der BBC.
 
Die konservative Abgeordnete Sarah Woollaston kritisierte dagegen, Trump habe sich offenbar vorgenommen, "unsere Premierministerin zu beleidigen". Wenn der Preis für ein Abkommen mit den USA sei, sich auch Trumps "Weltbild" anschließen zu müssen, sei es das nicht wert, fügte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Parlament hinzu.
 

Unhöfliches Geschäft

Die Sprecherin der Labour-Partei, Emily Thornberry, die Mays Brexit-Plan selbst kritisiert hatte, verurteilte Trumps Verhalten als unhöflich. "Sie ist seine Gastgeberin", sagte Thornberry im Fernsehen. "Was hat seine Mutter ihm beigebracht? So benimmt man sich nicht."
 
Die Labour-Abgeordnete Yvette Cooper sagte, sie empfinde angesichts des "erschütternden Verhaltens" von Trump Mitgefühl für May. Sie kritisierte zugleich, dass May mit ihrer Einladung an Trump vorgeprescht sei, ihm nun wegen eines "schlechten Handelsabkommens" hinterherlaufe, und sich mit Kritik, etwa an seiner harten Einwanderungspolitik, bisher zurückhalte. "Um Himmels willen, Theresa, biete ihm heute die Stirn", forderte Cooper.
 
Der ehemalige Labour-Chef Ed Miliband hatte sogar eine Empfehlung für Mays Reaktion bei ihrem Treffen mit Trump auf dem Landsitz Chequers parat: May könne sagen, dass "er und ich bei einigen Dingen anderer Meinung sind: Babys ihren Eltern zu entreißen, seine rassistischen Attacken auf den Londoner Bürgermeister, seine Lügen, seine Bewunderung für Diktatoren - und außerdem neige ich zu der Ansicht, dass seine über die Glatze gekämmten Haare lächerlich sind".
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