Massaker in Estland verhindert

Anschlag

Massaker in Estland verhindert

Der Geiselnehmer wurde offenbar vom Massaker in Norwegen inspiriert.

Im estischen Verteidigungsministerium hat sich am Donnerstag ein dramatischer Zwischenfall ereignet. Nach Berichten über eine Explosion und Schüsse in dem Gebäude in der Tallinner Innenstadt stellte sich heraus, dass es sich offenbar um eine Geiselnahme gehandelt hatte. Ein Sonderkommando der Polizei stürmte nach einem Alarm aus dem Ministerium das Gebäude. Dabei kam es erneut zu einem Schusswechsel. Der mutmaßliche Geiselnehmer starb.

Der Mann war anscheinend von den Anschlägen vor knapp drei Wochen in Oslo inspiriert. Der Mann habe große Mengen Munition und Sprengmittel mit sich geführt, sagten Ministerpräsident Andrus Ansip und Verteidigungsminister Mart Laar am Donnerstagabend gegenüber dem Online-Poral "delfi". Bei dem getöteten Angreifer auf das Ministerium habe es sich um den 1954 geborenen Karen Drambjan gehandelt.

Einzeltäter
Ansip zufolge handelte es sich allem Anschein nach um einen Einzeltäter. Der Regierungschef dementierte, dass es sich - wie einige Medien berichtet hatten - bei dem Geiselnehmer um einen ehemaligen Armeeangehörigen gehandelt habe. Das Motiv Drambjans sei zwar nicht klar, es sei aber "frustrierend festzustellen, dass sich offenbar jemand das, was in Norwegen geschehen ist, zum Vorbild gemacht hat", zitierte "delfi" den Regierungschef.

Ein Toter bestätigt
Am späten Nachmittag bestätigten die Behörden den Tod einer Person sowie dass zwei genommene Geiseln unverletzt frei gekommen seien. Kurz davor hatte es geheißen, ein Mann sei festgenommen worden. Details wurden unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen offiziell vorerst jedoch keine genannt.

Estnische und russische Medien zitierten indes verschiedene Behördensprecher und Reporter, wonach mehrere Personen aus dem Gebäude geflüchtet seien, nachdem ein russisch sprechender Mann - angeblich ein ehemaliger Armeesoldat - mit einer Pistole bewaffnet in das Ministerium eingedrungen sei und dort eine Rauchbombe gezündet habe. Er habe dabei zwei Personen als Geiseln genommen. Eine davon soll ein Sicherheitsbeamter gewesen sein.

Unklar blieb, wie der mutmaßliche Täter zu Tode kam. Einige Medien berichteten, er habe sich selbst gerichtet, anderen zufolge wurde er von den Spezialeinheiten bei einem Schusswechsel getötet. Die Geiseln entkamen einigen Berichten zufolge bereits davor. In anderen Meldungen hieß es, sie seien befreit worden.

Laar nicht im Ministerium
Verteidigungsminister Mart Laar hielt sich laut einem Rundfunkbericht zur Zeit der Geiselnahme nicht im Ministerium auf. Er sei jedoch eine Stunde später dorthin geeilt, hieß es. Nach dem Alarm über den Zwischenfall im Verteidigungsministerium bei der Tallinner Polizei wurde das Gebäude evakuiert und rundherum Sperren errichtet.

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