Nepal: Schon mehr als 3.700 Tote
Nepal: Schon mehr als 3.700 Tote

Erdbeben

Nepal: Schon mehr als 3.700 Tote

Menschen schlafen auf den Straßen. Die Infrastruktur ist am Boden, ganze Dörfer ausradiert.

Das fatale Erdbeben (Stärke 7,8) am Samstagmittag forderte mehr als 3.700 Tote. Bisher seien 3.726 Todesopfer und mehr als 6500 Verletzte gezählt worden, hieß es am Montag. Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist noch nicht abzusehen, weil viele abgelegene Dörfer zunächst nicht erreicht wurden. In der Regierung wird befürchtet, das bis zu 5.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten.

Der Erdstoß mit seinem Epizentrum etwa 80 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu zerstörte große Teile der Infrastruktur Nepals, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Weite Teile des Erdbebengebiets blieben auch am Sonntag ohne Strom. Die Wasserversorgung war unterbrochen und die meisten Tankstellen waren geschlossen.

Die Rettungsbemühungen in Nepal werden durch starke Nachbeben sowie die Schäden an Straßen, Stromleitungen und dem Telefonnetz behindert. Die Krankenhäuser waren so überfüllt, dass Zelte aufgestellt werden mussten.

In Kathmandu sind 20 Prozent der Gebäude schwer beschädigt oder zerstört. Tausende mussten die zweite Nacht unter freiem Himmel verbringen. Zu groß ist die Angst vor neuen Beben.

VIDEO: Beben in Nepal fordert tausende Todesopfer

 

Nachbeben
Denn die Erde kommt nicht zur Ruhe: Am Sonntag löste ein Nachbeben der Stärke 6,7 Panik in den Straßen aus. Um den Mount Everest gingen erneut schwere Lawinen ab.

Jahrelang hatten Geologen das Erdbeben erwartet. Hintergrund: Die indische Erdplatte schiebt sich gegen Eurasien. Die Spannungen entladen sich in Beben. Zuletzt starben 1934 in Nepal 10.000 Menschen.

"Ganze Dörfer wurden Erdboden gleichgemacht"

Die Horror-Zahl der Opfer könnte sich noch verdreifachen, so die Angst der Katastrophenhelfer. Denn bis in abgelegene Gegenden kann man noch nicht vordringen. Straßen brachen auf oder sind durch Erdrutsche unpassierbar. „Ganze Dörfer wurden nahe dem Bebenzentrum dem Erdboden gleichgemacht“, schildert Jürgen Högl, der die Hilfsbemühungen des Roten Kreuzes koordiniert. „Im Umkreis von 100 Kilometern leben dort 5,6 Millionen Menschen.“

100 Alpinisten sitzen auf dem Mount Everest fest

Nach tödlichen Lawinenabgängen 2014 traf es jetzt wieder den Mount Everest. 18 Menschen starben, als eine vom Beben ausgelöste Lawine auf der Südseite das Basislager traf. Unter den Opfern: Google-Manager Dan Fredinburg. Die gebauten Wege zum ­Gipfel wurden fortgerissen, 100 Bergsteiger sitzen auf dem welthöchsten Berg fest. Ein Armeesprecher befürchtet bis zu 65 Todesopfern.

Der einzige internationale Flughafen des Landes ist seit Sonntag wieder geöffnet. Viele der 300.000 Touristen im Land brechen ihren Urlaub ab. Dafür strömen internationale Hilfslieferungen und Retter herein. Der Wiederaufbau am „Dach der Welt“ wird bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen, so erste Schätzungen.

Alpinist Reinhold Messner über das Lawinen-Drama: "Tragödie"

„Das ist eine große Tragödie, die da passiert“ – die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner gibt sich tief betroffen nach dem Erdbeben in Nepal und den tödlichen Lawinenabgängen um den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt (8.848 Meter).

Drama
Der Südtiroler befürchtet sogar, dass noch mehr als die bislang ge­borgenen 18 Bergsteiger und Sherpas in den Bergen des Himalaya getötet worden sind: „Ich bin auch überzeugt, dass die Toten viel mehr sein werden, weil die Nachrichten erst nach Tagen und Wochen in die Hauptstadt nach Kathmandu kommen.“

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