Neuer Star der französischen Regierung

Kampfeslust

Neuer Star der französischen Regierung

Justizministerin Taubira konnte bei Debatte um Homo-Ehe punkten - Nationalversammlung stimmt am Dienstag über Gesetz ab.

Von einer vermeintlichen Schwachstelle zu einem Star der Regierung: In der hitzigen Parlamentsdebatte über die Homo-Ehe ist Frankreichs Justizministerin Christiane Taubira in den vergangenen Wochen ein bemerkenswerter Imagewandel gelungen. Unermüdlich kämpfte Taubira für den Gesetzentwurf, verteidigte das Projekt der Sozialist mit verbaler Schärfe und großer Detailkenntnis. Wenn die Nationalversammlung am Dienstag dem Text wie erwartet zustimmt, dann ist das auch ein Verdienst der aus dem Übersee-Departement Französisch-Guyana stammenden, dunkelhäutigen Politikerin.

Schon als Taubira Ende Jänner den Gesetzestext zum Auftakt der Parlamentsdebatte in der Nationalversammlung präsentierte, stellte ihr die Presse ein exzellentes Zeugnis aus. In ihrer frei gehaltenen Rede stellte sie die Einführung der Homo-Ehe in den Kontext von mehr als 200 Jahren Zivilehe in Frankreich und verteidigte sie als "Akt der Gleichheit". Der Opposition, die gegen das Projekt Sturm läuft, warf sie "Lügen" und "Scheinheiligkeit" vor.

Taubira, das war sofort klar, schreckte vor Auseinandersetzungen mit den Konservativen nicht zurück. Die Abgeordneten des linken Lagers spendeten ihr nach der Rede stehend Beifall. Und auch wenn die Opposition Taubira in den folgenden Wortgefechten "Provokationen" und "skandalöses" Verhalten vorwarf - auch konservative Abgeordnete sprachen der Ministerin ihren "Respekt" aus. In der Nacht auf den 2. Februar unterbrachen die Parlamentarier ihren Debatten-Marathon, um Taubira zu ihrem 61. Geburtstag zu gratulieren. Applaus gab es fraktionsübergreifend.

Dabei war Taubira, die nicht Mitglied der Sozialisten ist und deren Ernennung zur Justizministerin nach dem Sieg von Francois Hollande bei den Präsidentschaftswahlen im Mai überraschend kam, eher unauffällig gestartet. Große Impulse gingen von ihr nicht aus, die Opposition sah sie als gutes Ziel für Angriffe und versuchte, sie in den Fragestunden in der Nationalversammlung in Bedrängnis zu bringen.

Dass Taubira kämpfen kann, zeigt indes schon ihre Biografie. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, ihre Mutter zog allein sechs Kinder groß. "Frau, schwarz, arm, was für ein fabelhaftes Kapital!", schrieb Taubira in einer vor knapp einem Jahr veröffentlichten Autobiografie. Sie studierte Wirtschaft, Soziologie und Ethnologie und arbeitete als Hochschuldozentin und für regionale Behörden, ehe sie sich vollständig der Politik verschrieb.

1993 gründete Taubira, die sich als junge Frau für die Unabhängigkeit des in Südamerika liegenden Französisch-Guyana eingesetzt hatte, ihre eigene Partei und wurde prompt in die französische Nationalversammlung gewählt. Einen Namen machte sie sich in Paris vor allem durch ein von ihr verfasstes Gesetz, das Sklaverei und den Sklavenhandel als Verbrechen gegen die Menschlichkeit brandmarkt.

2002 trat Taubira für die Linkspartei PRG bei den Präsidentschaftwahlen an - als erste Kandidatin aus den französischen Überseegebieten und unter anderem gegen den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin. Sie kam auf 2,32 Prozent der Stimmen.

Während Taubiras rednerisches Talent unbestritten und ihre Lachanfälle ansteckend sind, ist die 61-Jährige mit den streng nach hinten gebundenen, geflochtenen Haaren auch für ihre Wutanfälle berüchtigt und als autoritär verschrien. Sie selbst sagte dazu einmal, sie sei ganz einfach nur "leidenschaftlich", das dürfe nicht verwechselt werden mit "aggressiv".

Mit Leidenschaft stritt die geschiedene Mutter von vier Kindern nun auch für die Homo-Ehe. Und gewann dabei bei den Franzosen an Ansehen, wie eine kürzlich veröffentlichte Umfrage beweist. Die Attribute, die Taubira am häufigsten zugesprochen wurden: "kämpferisch" und "dynamisch".

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