Nordkorea testet Wasserstoffbombe

Konflikt eskaliert

Nordkorea testet Wasserstoffbombe

Nordkorea hat am Sonntag nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet. Der Test sei ein "absoluter Erfolg" gewesen, meldete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit der Bombe könne auch eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) des Landes bestückt werden, hieß es in dem Bericht. Radioaktivität sei bei dem von Staatsführer Kim Jong-Un angeordneten Test nicht ausgetreten.

Besonders verheerend
Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen, mit denen sich weit stärkere Explosionen erzeugen lassen als mit herkömmlichen Atombomben.

Es wäre der sechste Atomtest Nordkoreas, den ersten hatte das diplomatisch isolierte Land 2006 durchgeführt. Nordkorea hatte auch nach dem Test im Jänner des vergangenen Jahres von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten die Angaben allerdings stark bezweifelt. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen.

Bereits wenige Stunden vor der Explosion am Sonntag erklärte Nordkorea, eine Wasserstoffbombe entwickelt zu haben, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden könnten. Kim Jong-un habe im Institut für Atomwaffen eine solche Bombe inspiziert, meldete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Es handle sich um eine "thermonukleare Waffe mit einer außerordentlichen Explosionskraft, geschaffen durch unsere eigenen Anstrengungen und eigene Technologie", zitierte die Agentur den Machthaber. Alle Komponenten der Wasserstoffbombe seien "zu 100 Prozent im eigenen Land hergestellt".

Der neue Test wurde nach Angaben des südkoreanischen Militärs in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten durchgeführt, wo das Land bereits die früheren Nuklearversuche unternommen hatte. Die Erschütterungen seien künstlich herbeigeführt worden. Die US-Erdbebenwarte USGS und die zuständige chinesische Behörde maßen für das Beben die Stärke 6,3.

Starke Erdbeben
Die Explosion vom Sonntag sei fünf bis sechs Mal stärker gewesen als beim vorangegangenen Atomwaffentest im September 2016, sagte der Direktor der für Erdbebenmessungen zuständigen südkoreanischen Meteorologischen Behörde, Lee Mi-sun. Damit handle es sich um den stärksten bisher gemessenen Test.

Damit korrigierte Lee erste Angaben seiner Behörde, die von der Nachrichtenagentur Yonhap zitiert worden waren, nach unten. Die ersten Berechnungen hatten noch von einer Explosion gesprochen, deren Sprengkraft 9,8 Mal stärker gewesen sei als beim letzten Atomwaffentest vor einem Jahr. Der fünfte Atomwaffentest im September 2016 war bereits der stärkste bis dahin gemessene.

Wenige Minuten nach der heftigen Explosion maß das chinesische Erdbebenzentrum nach eigenen Angaben ein zweites Beben - diesmal mit der Stärke 4,6. Sein Epizentrum sei an der Erdoberfläche gelegen, das Beben sei auf einen "Einsturz" oder "Kollaps" zurückzuführen, meldete das Erdbebenzentrum ohne weitere Angaben. Möglicherweise rührten die Erdstöße vom Einsturz des unterirdischen Explosionsstollens her.

Noch keine Bestätigung
Die Vereinten Nationen bestätigten einen Atomtest vorerst nicht. Es seien in Nordkorea unübliche seismische Aktivitäten festgestellt, teilte die Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) am Sonntag in der Früh in Wien mit. Die Geräte der Messstationen hätten allerdings Erschütterungen ermittelt, die mit einem sechsten unterirdischen Atomversuch Nordkoreas erklärt werden könnten. Experten würden das Ereignis nun analysieren und noch im Laufe des Sonntags Auskunft darüber geben. Die Explosion habe sich auf dem Nukleartestgelände ereignet.

Der befürchtete Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen war. Die USA beraten gerade mit Japan oder auch den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über neue Sanktionen und Gegenmaßnahmen. Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Nordkorea arbeitet derzeit offenbar daran, seine Bomben dermaßen zu verkleinern, dass sie als Sprengköpfe auf Interkontinentalraketen montiert werden könnten. Damit könnten sie auch die USA erreichen, die die Führung in Pjöngjang als ihren großen Feind sieht.

US-Präsident Donald Trump hatte "militärische Optionen" nicht ausgeschlossen, um Nordkorea daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit "Feuer und Wut" gedroht, was Sorgen vor einem verheerenden bewaffneten Konflikt anfachte.

 

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