Papst will Mafiosi bekehren

"Ändert euch"

Papst will Mafiosi bekehren

Bei seinem eintägigen Besuch auf Sizilien hat der Papst die Mafiosi zur Bekehrung aufgerufen. "Den Mafiosi sage ich: Ändert euch, Brüder und Schwestern! Bekehrt euch zum wahren Gott. Sonst werdet ihr euer eigenes Leben verlieren und eure schlimmste Niederlage erleiden", rief Franziskus in seiner Predigt bei einer Messe zu Ehren des Anti-Mafia-Priesters Pino Puglisi vor 80.000 Gläubigen in Palermo.

"Wer Mafioso ist, lebt nicht als Christ, denn mit seinem Leben lästert er Gott", sagte Franziskus. "Anderen Mitmenschen schenkt man das Leben, man nimmt es ihnen nicht weg. Man kann nicht an Gott glauben und seinen Bruder hassen", so der Pontifex. Die Liebe Gottes lehne jegliche Gewalt ab und lehre stattdessen die Liebe zu allen Menschen.

"Deshalb muss man das Wort ,Hass' aus dem christlichen Leben streichen. Deshalb kann man nicht an Gott glauben und gleichzeitig seinen Bruder überwältigen. Man kann nicht an Gott glauben und gleichzeitig ein Mafioso sein! Wer zur Mafia gehört, lebt nicht als Christ, weil er mit seinem Leben den Namen der Liebe Gottes lästert", sagte der Papst.
 

Anti-Mafia-Priester lädt Papst ein

Im Anschluss besuchte der Heilige Vater eine der Einrichtungen, die vom Anti-Mafia-Priester gegründet wurde. Dort fand ein Mittagessen mit Gästen sowie einigen Strafgefangenen und Migranten statt. Es folgte ein privater Besuch im schwierigen Stadtteil Brancaccio, in dem Puglisi jahrelang wirkte. Der Priester war vor genau 25 Jahren von zwei Mafiosi erschossen worden. Er hatte sich für Jugendliche eingesetzt, zudem hatte er Verbrechen und Korruption immer offen kritisiert. Die Kirche sprach ihn vor fünf Jahren selig.
 
Die Ermordung Puglisis gilt als Racheakt der Mafia gegen die katholische Kirche. Puglisi war nach den Staatsanwälten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die ein Jahr vor ihm ermordet worden waren, das prominenteste Opfer im sizilianischen "Mafia-Krieg" der frühen 90er-Jahre. Vor gut fünf Jahren sprach die katholische Kirche den Priester selig. Der Gottesdienst mit rund 100.000 Menschen war damals auch eine Anti-Mafia-Demonstration.
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