Protestwelle: Kopten tief gespalten

Ägypten

Protestwelle: Kopten tief gespalten

Scharfe Kritik an der Parteinahme des Kopten-Papstes für Mubarak.

Die koptische Kirche in Ägypten sei in der aktuellen Revolution tief gespalten, betonte der Direktor des "Jesuit Cultural Center" in Alexandria, Pater Henri Boulad.  Das Verhalten von Kopten-Papst Shenouda III., der sich voll auf die Seite des an seinem Amt festhaltenden Präsidenten Hosni Mubarak gestellt habe, werde von einem Teil der Laien als "kompromittierend für die Kirche" abgelehnt. "Ich denke, es wäre besser, er würde eine viel stärker neutrale Haltung einnehmen, damit er nicht später der Kollaboration mit dem 'Ancien Regime' angeklagt wird", sagte Boulad.

Unterschiedliche Kräfte am Werk

Der Jesuit sieht im augenblicklichen Chaos sehr unterschiedliche Kräfte am Werk: engagierte junge Akademiker, die erst spät aufgesprungene Muslimbruderschaft, die von den Profiteuren des bisherigen Regimes bezahlten Schläger und Gegendemonstranten sowie einfache kriminelle Elemente, die bloß plündern wollen. Der allergrößte Teil der Christen in Ägypten, abgesehen von einigen Aktivisten, stehe in Distanz zu den Protesten, erläuterte Pater Boulad. Sie würden auch dahingehend von der Hierarchie ermutigt: "Die Wahrheit ist, dass sie in Angst leben und das Schlimmste befürchten, sollten die Muslimbrüder an der Macht beteiligt werden. Doch im Moment gibt es Gott sei Dank noch keinen konfessionell geprägten Vorfall, wenn auch die Kirchen und Klöster völlig ungeschützt sind, weil die Polizei abgezogen wurde."

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