Trotz Wahl-Watsche: May bleibt Premier

Sie boxt Brexit durch

Trotz Wahl-Watsche: May bleibt Premier

Welch ein Desaster! Welch eine Blamage! Vor wenigen Tagen nannten sie Großbritanniens Premierministerin Theresa May (60) noch die „Eiserne Lady“. Nun ist sie nur mehr eine „eiernde und bleierne Lady“.

170610_GB_Wahl.jpg © TZOe

Ex-Fußballstar witzelt: May schoss Eigentor des Jahres

Bei der Parlamentswahl hat sie beinahe alles verloren. Ihre konservativen Tories blieben zwar mandatsstärkste Partei, aber die absolute Mehrheit im Unterhaus ist dahin. Ein Schock! „May hat sich das Eigentor des Jahres geschossen“, witzelte Ex-Fußballstar Gary Lineker.

170610_GB_Wahl_Sitze.jpg © TZOe

Lichtgestalt.
Großbritanniens neue politische Lichtgestalt ist Mays sozialdemokratischer Herausforderer Jeremy Corbyn. In fast aussichtsloser Position gestartet, holte Corbyn ex­trem auf. Er traf mit seinen Sozialthemen den Nerv der Menschen. Obwohl nur zweitstärkste Kraft, sagte Corbyn am Freitag unter dem Jubel seiner Anhänger: „Wir sind bereit, diesem Land zu dienen.“ Er forderte Theresa May zum Rücktritt auf.

+++ Corbyn mit peinlichstem High 5 aller Zeiten +++

Trotz Wahl-Debakel: May will Brexit-Kurs fortsetzen

Die aber klebt an ihrem Sessel. Knallhart. Freitag um 13.30 Uhr bat sie im Buckingham-Palast Königin Elizabeth II. um die Erlaubnis, eine konservative Minderheitsregierung zu bilden. Die Queen stimmte zu.

Duldung.
Mit Duldung durch die nordirische Democratic Unionist Party (DUP) will sie regieren und den Brexit durchboxen. Emotionslos stellte sich May vor ­ihrem Amtssitz in 10 Downing Street der Weltpresse. Kein Lächeln, verbissenes Gesicht: So krallte sie sich am Stehpult fest.

Experten sicher: Im Herbst wählen die Briten erneut

„Unser Land braucht gerade jetzt mehr denn je Sicherheit. Eine Koalition mit der DUP garantiert das“, sagte sie. Sie stellte klar: „Wir werden das Brexit-Versprechen erfüllen. Wie geplant werde ich in zehn Tagen mit den Brexit-Verhandlungen beginnen“, kündigte sie an.

Neuwahl? Dass eine Minderheitsregierung diese Herausforderung meistern wird, glauben nur wenige. Spätestens im Herbst wählt Großbritannien schon wieder, sind sich die meisten Experten sicher.

Karl Wendl aus London

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