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Balkan

Urteil: Lebenslang für Mladic wegen Völkermord

Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des UNO-Kriegsverbrechertribunals zum früheren Jugoslawien sprachen ihn am Mittwoch in Den Haag unter anderem wegen Völkermordes in Srebrenica 1995 schuldig. Zuvor sorgte er für einen Eklat.

Chronik der Ereignisse

Mladic, der im Verlauf seiner 16-jährigen Flucht drei Gehirnschläge überlebt haben soll, wurde wegen Völkermordes in Srebrenica und sechs weiteren Gemeinden sowie anderer Kriegsverbrechen angeklagt. Die Haager Anklage forderte lebenslange Haft für den 74-Jährigen. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch. Der Urteilsverkündung in Den Haag werden auch zahlreiche Angehörige von Kriegsopfern beiwohnen.

8.000 Tote

Mladic war Oberkommandant der bosnisch-serbischen Truppen, die im Juli 1995 in die UNO-Schutzzone Srebrenica eingedrungen waren und anschließend etwa 8.000 bosnisch-muslimische Buben und Männer ermordet hatten.

In Bosnien sind die Meinungen unterdessen tief gespalten. Die Bürger glaubten, dass die Urteile seit Langem nichts mehr bedeuten würden, betitelte die Tageszeitung "Oslobodjenje" am Mittwoch einen ihrer Berichte zu Mladics Urteil.

Das Urteil werde nichts verändern. "Jemand wird sich einige Tage freuen, ein anderer wird trauern", wurde einer der befragten Einwohner Sarajevos von der Zeitung zitiert. Während des dreijährigen Krieges (1992-1995) wurde die bosnische Hauptstadt 44 Monate von bosnisch-serbischen Truppen beschossen. Rund 10.000 Personen, mehrheitlich Zivilisten, kamen ums Leben, darunter etwa 1.600 Kinder.

Goldene Buchstaben

Während die Opferfamilien auf Gerechtigkeit und eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten hoffen, wird Mladic in seinem Geburtsort bei Kalinovik hochgeschätzt. Er werde mit "goldenen Buchstaben" in die Geschichte eingehen, ist ein Neffe von Mladic laut Medienberichten vom Mittwoch überzeugt.

Völkermord in Srebrenica bestätigt

Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien hat bei der Verkündung des Urteils gegen den ehemaligen Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, am Mittwoch festgestellt, dass in der damaligen muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 Völkermord, Vertreibungen, Tötungen und unmenschliche Zwangsumsiedlungen durchgeführt worden seien.

 Nach der Einnahme der muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica seien zwischen dem 12. und 17. Juli 1995 in der Umgebung der ostbosnischen Kleinstadt "systematisch" mehrere tausend muslimische Männer ermordet worden, stellte das Haager Gericht ferner fest. Zwischen 20.000 und 30.000 muslimische Frauen, Kinder und alte Menschen seien gleichzeitig auf das Gebiet unter dem Kommando der bosniakischen (muslimischen) Armee transportiert worden. Ziel war es, die muslimische Enklave "serbisch" zu machen.

Mladic betritt Gerichtssaal lächelnd

Keine Reue war dem des Völkermordes in Srebrenica angeklagten Ex-Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, bei der Verkündung des Urteils im UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien am Mittwoch anzumerken. Wie auf Bildern zu sehen war, bekreuzigte sich Mladic beim Betreten des Gerichtssaals und wandte sich mit emporgerecktem Daumen lächelnd in Richtung Journalisten.

Mladic-2.jpg © APA

Die Verlesung des Urteils in Den Haag verfolgten auch etliche Familienangehörige von Kriegsopfern. Die Urteilsverkündung wurde inmitten der Verlesung des Abschnitts zu Srebrenica für 15 Minuten unterbrochen. Mladic bat laut seinen Anwälten um eine Pause, um auf die Toilette gehen zu können.

Die Ankläger hatten in ihrem Schlusswort lebenslang für Mladic gefordert. Der 74-Jährige schien laut Medienberichten nach dem gut vierjährigen Prozess von seiner Unschuld tief überzeugt zu sein. "Ich weiß, dass ich unschuldig bin", soll Mladic laut Belgrader Medienberichten am Dienstag Familienangehörigen versichert haben.

Pause bei Urteilsverkündung verlängert

Die von Anwälten Ratko Mladics, des ehemaligen Militärchefs der bosnischen Serben, beim UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien (ICTY) beantragte 15-minütige Pause in der Urteilsverkündung ist laut Medien verlängert worden.

Der Belgrader TV-Sender N1 berichtete unter Berufung auf inoffizielle Quellen, Mladic sei wegen gesundheitlicher Probleme einer ärztlichen Untersuchung unterzogen worden. Angaben über weitere Details gab es zunächst nicht.

Mladic aus dem Gerichtssaal entfernt

Nach einer etwa 30-minütigen Pause ist die Verkündung des Urteils gegen Ratko Mladic, den einstigen Militärchef der bosnischen Serben, im UNO-Kriegsverbrechertribunal am Mittwoch fortgesetzt worden. Der Angeklagte wurde aus dem Gerichtssaal in einen Nebenraum geleitet, wo er laut den Tribunalsrichtern die Urteilsverkündung weiter verfolgen kann.

Mladics Anwälte hatten zuvor unter Hinweis auf den hohen Blutdruck des Angeklagten eine Unterbrechung der Urteilsverlesung beantragt beziehungsweise gefordert, nur das Urteil zu verkünden. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Mladic protestierte daraufhin lautstark, weshalb er aus dem Gerichtssaal entfernt wurde.

Nun steht fest: Mladic in zehn der elf Anklagepunkte schuldig

Die Richter in Den Haag sprachen Ratko Mladic in zehn der elf Anklagepunkte schuldig und folgten mit dem Strafmaß am Mittwoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf Freispruch in allen Punkten oder höchstens 15 Jahre Haft plädiert.

Mladic wurde unter anderem wegen Völkermordes in Srebrenica, Vertreibungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Zwangsumsiedlungen sowie für Verstöße gegen das Kriegsrecht schuldig befunden. Nicht bestätigt wurde nur ein Punkt der Anklage, der sich auf Völkermord in weiteren sechs bosnischen Gemeinden bezog.

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"Mütter von Srebrenica": Opfer können nie befriedigt werden

Die Opfer können nie befriedigt werden", stellte Munira Subasic, Leiterin des Verbandes "Mütter von Srebrenica", nach der heutigen Verurteilung von Ratko Mladic, dem einstigen bosnisch-serbischen Militärchef, zu lebenslanger Haft fest. Sie kündigte gegenüber bosnischen Medien an, ihren "Kampf für Gerechtigkeit" fortzusetzen.

Der Verband will nach den Worten von Subasic nun auch Serbien und die bosnische Republika Srpska für "alles, woran sie beteiligt waren", verklagen.

Der Internationale Gerichtshof hatte 2007 das Massaker von Srebrenica als Völkermord definiert. Vom IGH war Serbien damals allerdings vom Vorwurf der direkten Teilnahme daran freigesprochen worden.

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat neben Mladic bisher auch drei seiner einstigen engsten Mitarbeiter zu lebenslangen Haftstrafen wegen des Srebrenica-Massakers verurteilt. Mehrere andere bosnisch-serbische Offiziere erhielten lange Haftstrafen.

Der einstige serbische Generalstabschef Momcilo Perisic, der sich vor dem UNO-Tribunal vor Jahren ebenfalls wegen des Srebrenica-Völkermordes zu verantworten hatte, war jeder Kriegsverbrechenverantwortung freigesprochen worden.

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