Kosovo

Von Amselfeld-Schlacht bis zum ersten Präsidententreffen

Erstes Präsidententreffen knapp fünf Jahre nach Unabhängigkeitserklärung durch Prishtina.

Pristina /Belgrad - 1389 - In der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) unterliegen die Serben unter Fürst Lazar den Osmanen. Die serbischen Territorien werden über Jahrhunderte dem Osmanischen Reich eingegliedert.

1690 - Beginn der "Großen Völkerwanderung der Serben" unter ihrem Patriarchen Arsen III. aus dem Kosovo in habsburgische Gebiete.

1878 - Auf dem Berliner Kongress nach dem russisch-türkischen Krieg wird Serbien als unabhängiger Staat anerkannt.

1912/13 - In den Balkan-Kriegen nehmen die Serben den Kosovo wieder ein, wo zum Islam übergetretene Albaner durch Zuwanderung die Mehrheit stellen.

1918-41 - Der Kosovo geht mit Serbien im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen - ab 1929 Jugoslawien - auf.

1945 - Im kommunistischen Jugoslawien erhält der Kosovo den Status einer autonomen Provinz innerhalb der Teilrepublik Serbien.

1974 - Erweiterung der Autonomie.

1981 - Ein Jahr nach dem Tod Marschall Titos verlangen kosovo-albanische Nationalisten den Status als eigene jugoslawische Teilrepublik. Es kommt zu Unruhen. In den folgenden Jahren werden albanische Untergrundorganisationen von den serbischen Behörden zerschlagen, Zehntausende Serben und Nicht-Albaner wandern aus.

1989 - Belgrad schlägt Proteste der Kosovo-Albaner nieder und verhängt den Ausnahmezustand. Unter dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic wird der Provinz der Autonomiestatus größtenteils entzogen; Albaner-feindliche Gesetze werden erlassen.

1990 - Serbien löst die Regierung und das Parlament im Kosovo auf.

1991/92 - Nach einer außerstaatlichen Volksabstimmung im Kosovo wird die "Republik Kosovo" proklamiert, die nur Albanien anerkennt. Belgrad betrachtet die Abstimmung als unrechtmäßig. Die Demokratische Liga des Kosovo unter Ibrahim Rugova errichtet eine Paralleladministration.

1996 - Nach Repressionen und Übergriffen der serbischen Polizei tritt die albanische Untergrundorganisation "Kosovo-Befreiungsarmee" (UCK) erstmals mit Anschlägen und Angriffen in Erscheinung.

1998 - Nach einer weiteren Eskalation der Gewalt werden in der UCK-Bastion Drenica 80 Menschen, darunter einer der UCK-Mitbegründer und Anführer, Adem Jashari, getötet. Die UCK nimmt ein Drittel des Kosovo ein. Die serbische Gegenoffensive endet mit der Einnahme der wichtigsten UCK-Hochburgen.

1999 - Verhandlungen der Serben und Kosovo-Albaner unter Ägide der Kontaktgruppe in Rambouillet bei Paris scheitern: Die Kosovo-Albaner unterschreiben ein Interimsabkommen, die Serben lehnen es ab. Am 23. März beginnt die NATO mit Luftangriffen auf die Bundesrepublik Jugoslawien. Serbische Kräfte gehen im Kosovo gegen Albaner vor, die zu Hunderttausenden nach Albanien, Mazedonien und Montenegro fliehen. Nach einer Vereinbarung ziehen sich die serbischen Polizei- und Militäreinheiten aus dem Kosovo zurück; die Bombardements werden am 10. Juni eingestellt, die NATO-geführte internationale Schutztruppe KFOR wird stationiert. In der Zwischenzeit hat das UNO-Tribunal in Den Haag Anklagen gegen Milosevic und andere serbische Politiker wegen Kriegsverbrechen erhoben, die sich auch auf den Kosovo beziehen. Albanische Flüchtlinge strömen in den Kosovo zurück; rund 250.000 Serben und Nichtalbaner verlassen die Provinz. Der UNO-Sicherheitsrat nimmt die Resolution 1244 an. Sie sieht die Einrichtung einer UNO-Mission (UNMIK) als interimistische Verwaltung vor.

2000 - In den folgenden Jahren kommt es zu Dutzenden gewaltsamen Zwischenfällen gegen Serben im Kosovo und den drei Albaner-Gemeinden in Südserbien. Am 5. Oktober wird Milosevic gestürzt. Mittlerweile sind 90 Prozent der Einwohner des Kosovo ethnische Albaner, sechs Prozent sind Serben.

2004 - Bei dreitägigen ethnisch motivierten Ausschreitungen von Kosovo-Albanern gegen Serben und andere Minderheiten-Angehörige werden 19 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Zahlreiche Häuser und kulturell bedeutsame Einrichtungen der serbisch-orthodoxen Kirche werden zerstört oder beschädigt.

2005 - Der später freigesprochene Kosovo-Premier Ramush Haradinaj tritt wenige Monate nach seinem Amtsantritt zurück, als er vom UNO-Kriegsverbrechertribunal angeklagt wird.

2006 - Kosovo-Präsident Rugova stirbt an Lungenkrebs, Fatmir Sejdiu folgt ihm nach. Im Februar kommt es zu ersten Direktgesprächen zwischen Serbien und den Kosovo-Albanern in Wien unter Vermittlung des UNO-Sondergesandten Martti Ahtisaari. Prishtina beharrt auf der Unabhängigkeit, Belgrad will höchstens eine weitgehende Autonomie gewähren.

2007 - UNO-Vermittler Ahtisaari legt nach Ausbleiben einer Einigung in der Status-Frage im Februar seinen Plan einer "international überwachten Unabhängigkeit" des Kosovo vor. Prishtina akzeptiert ihn, Belgrad lehnt ihn ab und wird im UNO-Sicherheitsrat von Russland unterstützt, so dass keine neue Kosovo-Resolution zustande kommt.

2008 - In einer mit der Mehrheit der EU-Staaten und den USA abgestimmten "koordinierten Unabhängigkeitserklärung" löst sich der Kosovo am 17. Februar von Serbien. Belgrad bezeichnet diesen Schritt als Völkerrechtsbruch und ruft vorrübergehend seine Botschafter aus allen Staaten zurück, die den Kosovo anerkennen. Am 28. Februar erkennt Österreich die Unabhängigkeit des Kosovo an. Bei anhaltenden Ausschreitungen in Mitrovica stirbt im März ein ukrainischer UNO-Polizist. Der UNO-Sicherheitsrat gibt Grünes Licht für die EU-Justiz- und Polizeimission EULEX und billigt den Sechs-Punkte-Plan zur Umgestaltung der UNMIK, die wegen des Widerstands Serbiens und Russland als "Schirm" bestehenbleiben muss.

2009 - Aufnahme des Kosovo in Weltbank und IWF (Internationaler Währungsfonds).

2010 - Der Internationale Gerichtshof (IGH) stellt in einem von Serbien betriebenen Gutachten fest, dass der Kosovo mit der Unabhängigkeitsausrufung das "allgemeine internationale Recht" nicht verletzt hat. Der Ex-UCK-Kommandant und Regierungschef Hashim Thaci gewinnt die erste Parlamentswahl seit der Unabhängigkeit.

2011 - Im März beginnt ein EU-vermittelter Dialog zwischen Belgrad und Prishtina über technische Fragen der Koexistenz. Im Sommer verbietet der Kosovo im Gegenzug für ein Embargo Serbiens wegen Nicht-Anerkennung der kosovarischen Zollstempel den Import serbischer Güter. Im Konflikt um die Kontrolle der Grenzübergängen Jarinje und Brnjak von Nordkosovo zu Serbien kommt es zu Straßenblockaden und Ausschreitungen, bei denen ein kosovarischer Polizist getötet wird. Starke KFOR-Verbände sichern die Grenze.

2. Juli 2012 - Die Internationale Lenkungsgruppe aus 25 Staaten, die den Kosovo auf seinem Unabhängigkeitsweg unterstützen und gemäß Ahtisaari überwachen, beschließt in Wien das Ende dieser internationalen Überwachung. Der Kosovo erlangt die völlige Souveränität.

10. September 2012 - Der Lenkungsrat tagt zum letzten Mal in Prishtina, Festsitzung des kosovarischen Parlaments anlässlich des Endes des internationalen Überwachung.

19. Oktober 2012 - Die Ministerpräsidenten Serbiens und des Kosovo, Ivica Dacic und Hashim Thaci, kommen unter Vermittlung der EU-Außenpolitikbeauftragten Catherine Ashton zu einem ersten Treffen in Brüssel zusammen. Damit beginnt eine neue Etappe in den Bemühungen um die Normalisierung der Beziehungen zwischen Belgrad und Prishtina.

8. November 2012 - Bei einem weiteren Treffen vereinbaren Dacic und Thaci die Umsetzung der gemeinsamen Grenzkontrolle ab Dezember. Betroffen sind auch die zwei Grenzübergänge im Nord-Kosovo, wo die serbische Volksgruppe jede Autorität Prishtinas ablehnt.

5. Dezember 2012 - Dacic und Thaci einigen sich über den Austausch von Kontaktoffizieren. Die kosovarischen Behörden sehen dies als einen ersten Schritt zur Einführung von diplomatischen Beziehungen, Belgrad lehnt eine solche Deutung ab.

24. Dezember 2013 - Pakistan erkennt als 98. Staat die Unabhängigkeit des Kosovo an.

17. Jänner 2013 - Dacic und Thaci treffen eine Vereinbarung über die Zölle, die an den gemeinsam überwachten nordkosovarischen Grenzübergängen Jarinje und Brnjak eingehoben werden. Die Serben im Nord-Kosovo lehnen die Vereinbarung ab. Im Nordkosovo tauchen erneut Verkehrsblockaden auf.

4. Februar 2013 - Die serbische Regierung bestellte den Leiter des serbischen Expertenteams für den Dialog, Dejan Pavicevic, zu ihrem Kontaktoffizier im Kosovo. Vonseiten des Kosovo wird der bisherige Botschafter in Schweden, Lulzim Peci, die Aufgaben übernehmen. Die Kontaktoffiziere werden ihre Büros bei den EU-Vertretungen in den beiden Hauptstädten haben.

6. Februar 2013 - Die Präsidenten Serbiens und des Kosovo, Tomislav Nikolic und Atifete Jahjaga, kommen zum ersten Mal in Brüssel zusammen. Eine neue Gesprächsrunde von Dacic und Thaci ist für den 22. Februar vorgesehen.

17. Februar 2013 - Kosovo feiert seinen fünften Unabhängigkeitstag. Belgrad weigert sich nach wie vor, die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz anzuerkennen. Die Normalisierung der Beziehungen stellt sowohl für Serbien als auch für den Kosovo eine wichtige Bedingung im EU-Annäherungsprozess dar.

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