Trump hat Angst vor Coronavirus

Treffen mit Kurz abgesagt

Trump hat Angst vor Coronavirus

Corona-Virus: Jetzt muss Kanzler Kurz seinen Besuch im Weißen Haus verschieben.

Donald Trump dürfte das Corona-Virus weit ernster nehmen, als er seine Bevölkerung wissen lässt. Bereits Freitag gegen 18 Uhr Ortszeit in Washington, D. C. (Mitternacht in Wien) sickerte die Meldung durch, Donald Trump werde den Gipfel der südasiatischen Nationen mit ihm als Gastgeber am 14. März verschieben.

Wenige Minuten später war klar, dass der US-Präsident auch sein Treffen mit Sebastian Kurz am 3. März im Weißen Haus absagt. Der US-Nachrichtensender NBC meldete diese Absage um 19 Uhr US-Ortszeit (1 Uhr in Wien) Freitagabend.

Trumps Angst vor Keimen als Grund für Absage?

Samstagfrüh bestätigte das Kanzleramt die „Verschiebung“ des Termins. Die halboffizielle Erklärung der Administration von Trump: Aufgrund der „aktuellen Corona-Situation“ könne der wahlkämpfende US-Präsident diese Termine nicht wahrnehmen. Trump hatte seit Ausbruch des Virus die Gefahr offiziell verharmlost und die US-Demokraten beschuldigt, „Panik“ zu schüren, um ihm zu schaden.

Ein US-Insider berichtet aber, dass die Absagen sowohl des ASEAN-Gipfels als auch des Treffens mit dem österreichischen Bundeskanzler eher mit Trumps Angst vor Ansteckung zu tun hätten. Bereits während Trumps Zeit als Geschäftsmann in New York war seine Angst vor Keimen – er vermied gerne Handschläge – ein offenes Geheimnis. Sowohl Asien als auch Europa sind derzeit vom Coronavirus betroffen.

Corona-Alarm wegen 
Schallenbergs Iran-Reise

In Wien gibt es seit Donnerstag bestätigte Fälle. Zudem wusste die US-Administration naturgemäß, dass Außenminister Alexander Schallenberg – er hätte Kurz auf dessen US-Reise begleiten sollen – erst vergangenes Wochenende im Iran war. Iran wiederum gilt derzeit als eines der am stärksten betroffenen Gebiete jenseits von China, in dem das Mullah-Regime zudem Infizierte und Verstorbene im großen Stil vertuschen dürfte. Am Tag der Absage – am Freitag – erklärte US-Außenminister Mike Pompeo, dass die USA dem Iran „humanitäre Hilfe“ angesichts der rasanten Coronavirus-Verbreitung anbieten würden.

Europäer und Iran-Rückkehrer im Oval Office zu empfangen, dürfte Trump ein zu hohes Risiko gewesen sein. Auch wenn Schallenberg Freitagfrüh verlautbaren ließ, dass er negativ getestet wurde. Und Kurz keinen bekannten Kontakt zu Corona-Erkrankten in Wien hatte.

Kurz zeigte sich angesichts der Coronavirus-Situation „nicht unglücklich“ über die Absage.

Kurz: "Wir tun alles, um Zeit zu gewinnen"

Der Bundeskanzler über Maßnahmen gegen das Coronavirus.

oe24.TV: Sie sitzen als einer der wenigen Regierungschefs im Krisenstab. Warum war Ihnen das wichtig?

Sebastian Kurz: Die Frage, wie wir in der Eindämmung des Virus erfolgreich sein können, ist Hauptthema aller Regierungschefs in Europa. Wir versuchen alles, um eine Ausbreitung bestmöglich zu bremsen. Wir sind noch in einer Phase, wo das möglich ist. So lange das irgendwie gelingt, müssen wir das tun.

oe24.TV: Was kann die Bevölkerung tun?

Kurz: Das Wichtigste ist die Mithilfe der Bevölkerung: Wer Symptome hat, soll bitte nicht zum Arzt oder ins Spital gehen, sondern die Nummer 1450 wählen. Dann kommt jemand, der eine Probe nimmt und einen Test durchführt.

oe24.TV: Ist Österreich gut vorbereitet?

Kurz: Alle tun ihr Möglichstes, ein Maximum an Anstrengungen ist auch notwendig. Aber ich bitte die Bevölkerung, einen realistischen Blick zu haben. Das Virus wird sich weiter ausbreiten. Was wir tun können, ist, Zeit zu gewinnen, bis es einen Impfstoff und ein wirksames Medikament gibt. Die Bevölkerung kann viel beitragen, wenn sie nicht in Krisengebiete reist.

oe24.TV: Kann man noch nach Italien fahren, wo es besonders viele Fälle gibt?

Kurz: Italien ist nicht als Ganzes betroffen. Man muss die Situation genau beobachten, aber derzeit ist besonders Norditalien betroffen. Wer dort war, sollte seine sozialen Kontakte vorerst reduzieren.

oe24.TV: Sind Sie besorgt über die Ausbreitung des Corona-Virus auch bei uns in ­Österreich?

Kurz: Ich bin zufrieden, dass wir alles tun, was wir tun können. Ich bin froh, dass der Gesundheitsminister und der Innenminister als Hauptverantwortliche gute Arbeit leisten, dass unser Einsatzzentrum funktioniert, dass wir konsequent agieren und es nicht ignorieren. Wichtig ist, nicht in Panik zu verfallen. Hamsterkäufe bringen nichts, Schutzmasken, die einen gar nicht schützen, auch nicht.

Isabelle Daniel

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