Wein-Etiketten mit Hitler-Konterfei in Italien

Beschlagnahmt

Wein-Etiketten mit Hitler-Konterfei in Italien

Der Bozner StaatsanwaltTarfusser hat Wein-Etiketten beschlagnahmt, auf denen Hitler, Mussolini, Himmler und Hess abgebildet sind.

Tarfusser ist der Ansicht, dass das Vergehen der "Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit" besteht. Die Weinflaschen mit dem Hitler-Konterfei sind in ganz in Italien zu erhalten.

Kellerei Lunardelli
Für die Kellerei Lunardelli sind die Schwierigkeiten mit der Justiz keine Neuigkeit. Seit zwölf Jahren sorgt der Winzer aus der hügeligen Ortschaft Pasian di Prato in Friaul mit seinen Kreationen in Italien und im Ausland für Aufruhr. Weine wie Cabernet Blanc, Merlot, Tocai und Gewürztraminer sind mit Etiketten von historischen Persönlichkeiten versehen, die manche Kunden vor Empörung hell aufschreien lassen.

Sammlung
Die Sammlung begann mit einem Roten namens "Mussolini", der in Italien zu einem "Runner" an der Theke wurde. Wegen der Etikette mit dem Bild des "Duce" kamen Lunardelli und sein Sohn Andrea, der für die "historischen Kollektionen" verantwortlich ist, nicht nur in die Schlagzeilen, sondern auch vor Gericht. Lunardelli ließ sich aber nicht einschüchtern und brachte kurz danach einen "Hitler" auf den Markt. Auch Flaschen mit dem Motto "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" sowie mit Bildern von Feldmarschall Erwin Rommel und Hermann Göring landeten in Supermärkten und Weingeschäften von ganz Italien.

"Vollkommen unparteiisch"
Lunardelli weist jeglichen Vorwurf der Nostalgie und Verharmlosung von Faschismus und Nationalsozialismus zurück. "Vollkommen unparteiisch" biete er auch der politisch links orientierten Kundschaft Flaschen mit den Etiketten Marx, Stalin, Lenin oder Che Guevara an. "Komisch, Stalin hat 15 Millionen Menschen ermordet, aber niemand regt sich über die Flasche auf. Wegen der Etiketten mit Hitler und Mussolini bin ich aber vor Gericht gelandet", sagt der 36-jährige Andrea Lunardelli, der 1995 die Kollektion entworfen hat.

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Die inzwischen 50 verschiedenen Etiketten wurden zum - fragwürdigen - Kultobjekt für so manche Sammler. Der Friulaner musste sich schon vor zwölf Jahren vor einem Gericht in Bozen wegen "Verharmlosung des Faschismus" verantworten, konnte aber glaubhaft machen, dass er keine politischen Ziele verfolgt. Er wurde freigesprochen. Vor vier Jahren protestierte die damalige deutsche Justizministerin Brigitte Zypries bei der italienischen Regierung wegen des Vertriebs von Nazi-Weinflaschen.

"Man kann mir nichts vorwerfen, ich verwende nur Bilder, die in jedem Geschichtsbuch zu sehen sind. Das italienische Gesetz erlaubt den Vertrieb von Bildern aus dem Faschismus und der Nazizeit", sagte Lunardelli. "In Italien sind die Mussolini-Etiketten besonders gefragt. Touristen aus Österreich und Deutschland kaufen lieber die Hitler-Flaschen. Österreicher lieben auch die Sissi- und Franz-Joseph-Etiketten. Vor allem Franz Joseph in seinen späten Jahren ist sehr gefragt."

Die "historische" Kollektion mache inzwischen die Hälfte des Umsatzes seines Betriebs aus, sagt Andrea Lunardelli. Am Anfang habe er gegen Bedenken seines Vaters anzukämpfen gehabt: "Er hatte vor Schwierigkeiten Angst. Man hat auf unterschiedlichste Weise versucht, mir Steine in den Weg zu legen. Doch man kann mir nichts vorwerfen, weil meine Aktivität vollkommen legal ist."

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