Khalid Mashaal ist der Exil-Chef der Hamas. Derzeit lebt er in Damaskus, Syrien. (c) AP

Entäuschte Hoffnung

Hamas-Exil-Chef anerkennt Israel nicht

In einem gekürzten Zeitungsinterview verlautbarte Khaleed Mashaal, dass "Israel eine Realität ist". Friedenstiftend war das allerdings nicht gemeint.

Die europäische Presse reagierte euphorisch auf das stark verkürzt wiedergegebene Interview mit dem "militantesten" unter den Hamas-Chefs, der 1997 in Amman eine spektakuläre "Liquidierungsaktion" des israelischen Geheimdienstes Mossad überlebt hatte. Dass der Hamas-Politbürochef "die Existenz Israels faktisch anerkannt" habe, lasse "im Nahen Osten neue Horizonte aufscheinen", schrieb eine renommierte deutsche Qualitätszeitung.

Friedensmeldung gleich korrigiert
Doch die frommen Friedensbekundungen Mashaals hileten nicht einmal bis zum Ende seines Interviews. Denn in der längeren Originalversion bemerkte Mashaal schon nach der dritten Frage, dass er sich offensichtlich versprochen hatte. Nachdem er den Staat Israel als "Realität" bezeichnet hatte, erinnerte er sich an die andere "Realität": "Israel existiert auf palästinensischem Territorium."

Keine Gespräche mit Israel
Verhandlungen mit Israel hat Mashaal ausgeschlossen: Israel solle die Flüchtlinge aufnehmen, was bekanntlich das Ende des jüdischen Staates bedeuten würde und sich auf die Grenzen von 1967 zurückziehen. Ohne Verhandlungen, versteht sich. Bei der Hamas in Gaza beeilten sich die Sprecher, Mashaals Worte auf den richtigen Punkt zu bringen. "Israels Existenz zu sehen bedeutet längst nicht, dass wir Israels Recht anerkennen, das Land Palästina zu okkupieren, das allein den Muslimen gehört."

Palästinensische Ministerin beschwichtigt
Die palästinensische Parlamentsabgeordnete und ehemalige Bildungsministerin Hanan Ashrawi ist davon überzeugt, dass die jüngsten Aussagen des Hamas-Exilführers Khaled Mashaal über die Existenz Israels dabei helfen würden, die tiefe Kluft zwischen der radikalen islamischen Hamas und den gemäßigten palästinensischen Kräften zu überwinden und doch noch eine Regierung der nationalen Einheit mit der Fatah von Präsident Mahmoud Abbas zustande zu bringen. "Ich glaube, die Hamas legt mehr und mehr Pragmatismus an den Tag. Je näher die Positionen sind, desto einfacher ist es, die Macht zu teilen", erklärte Ashrawi am Freitag in Ramallah.

Ashrawi von Liste "Der dritte Weg"
Die ehemalige palästinensische Sprecherin bei der Madrider Nahost-Konferenz 1991 war bei den Parlamentswahlen vor einem Jahr zusammen mit Ex-Finanzminister Salam Fayed an der Spitze einer eigenen unabhängigen Liste "Dritter Weg" angetreten. Beide wurden in den Legislativrat gewählt. Der im Exil in Syrien lebende Hamas-Politbürochef Mashaal hatte am Mittwoch die faktische Existenz Israels in einem Reuters-Interview anerkannt. Israel sei eine Realität, "es wird weiterhin einen Staat geben, der Israel heißt, das ist eine Tatsache." Das Problem sei nicht die Existenz Israels, sondern dass es nicht gelinge, einen Staat Palästina zu gründen. Eine formale Anerkennung Israels könne deshalb nur dann erfolgen, wenn ein palästinensischer Staat gegründet sei, so Mashaal.

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