01. September 2006 13:23

AK-Kritik 

Bildung belastet Familienbudgets

Bildung von Kindern und Jugendlichen wird laut Arbeiterkammer immer mehr zu einer Frage des Einkommens der Eltern. Ein Hauptkritikpunkt ist die seit 1999 nicht erhöhte Schülerbeihilfe.

Bildung belastet Familienbudgets
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Laut einer AK-Berechnung belasten die Kosten für Schule und Universität bei einer Familie mit drei Kindern deren Budget mit knapp rund 3.600 Euro jährlich. Die AK hat die Belastungen durch Schule und Universität stellvertretend für zwei Familien gerechnet, berichtete Expertin Susanne Schöberl.

Familie mit Brutto-Monatseinkommen von 60.400 Euro
Im ersten Fall sind beide Elternteile berufstätig und Mittelverdiener (Brutto-Monatseinkommen rund 60.400 Euro). Sie haben einen Taferlklassler, der für Startpaket, diverse Selbstbehalte, schulische Nachmittagsbetreuung und Essen, Schulveranstaltungen und Schulmaterialien sowie persönliche Ausstattung wie Kleidung oder Sportutensilien jährlich 2.009 Euro braucht.

Taferlklassler ein Gewinn
An Einnahmen ins Familienbudget für dieses Kind schlagen Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag von 2.269 Euro zu Buche. Ein Taferlklassler ist also - salopp ausgedrückt - finanziell ein Nettogewinn für seine Familie.

Steigende Kosten für HTL-Schüler und Student
Anders sieht die Sache schon bei einem HTL-Schüler, 2. Klasse aus. Hier betragen die Ausgaben inklusive Nachhilfekosten (560 Euro) und Sprachferien (1.031 Euro) laut AK 3.734 Euro, die Einnahmen 2.335,2 Euro. Noch drastischer wird es beim dritten Kind, das bereits auf der Universität ist. Die Kosten für die Ausbildung betragen 4.938 Euro, die Einnahmen via Familienbeihilfe plus Kinderabsetzbetrag 2.443,2. Euro. Insgesamt wird das Familienbudget durch die Bildung für den Nachwuchs mit 3.633,4 Euro belastet.

Familie mit Brutto-Monatseinkommen rund 32.500 Euro
Als zweite Modellfamilie betrachteten die AK-Experten ein Elternpaar im unteren Einkommensviertel (Brutto-Monatseinkommen rund 32.500 Euro), das für zwei Kinder einmal Schülerbeihilfe bezieht, einmal - mangels Notendurchschnitt - nicht. Für ein Kind in der 6. Klasse AHS betragen die Ausgaben 3.031 Euro, die Einnahmen inklusive Familienbeihilfe, Absetzbetrag und Schülerbeihilfe 2.335,2.

Das zweite Kind besucht die 3. Klasse einer technischen Fachschule. Die jährlichen Kosten inklusive solcher für PC, Lernkurs und Nachhilfe belaufen sich auf 4.462 Euro, die Einnahmen 2.181,6 Euro.

Bildung vom Einkommen abhängig
Die Beispiele erklären laut Schöberl, warum Bildung immer stärker vom Einkommen der Eltern abhängt. So nehmen die Anteile von Kindern aus einkommensschwachen Familien von der Volksschule über Gymnasium und Unis immer mehr ab. Besonders drastisch ist die Situation in Familien, bei denen die Eltern arbeitslos sind. Hier beträgt der Anteil der Kinder, die über das Pflichtschulniveau nicht hinauskommen 19 Prozent. Ansonsten liegt dieser Anteil bei sieben Prozent.

AK fordert Anhebung der Schülerbeihilfe
Die AK fordert daher eine sofortige Anhebung der seit 1999 eingefrorenen und damit de facto gesunkenen Schülerbeihilfe, sagte AK-Bildungsexperten Kurt Kremzar. Mehr Chancengleichheit erwarten die Experten auch von einer Gesamtschule mit einem Kurssystem in der Oberstufe. Allerdings sei das ein Langzeitprojekt, von heute auf morgen könne so etwas nicht eingeführt werden. Eine Chance für die Vorbereitung einer Gesamtschule sei durch die Beibehaltung der getrennten Lehrerausbildung vergeben worden.

Nicht zuletzt würden eine Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen und ein flächendeckendes Angebot zur Nachmittagsbetreuung zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Ein automatisches Aufsteigen mit einem Nicht genügend sollte in Kombination mit einem individuellen Förderkonzept möglich sein.




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