03. Oktober 2006 16:49

EZB 

Zinsen im Euroraum steigen

Die Zinsen im Euroraum steigen - und sind trotzdem nicht hoch. Immer mehr Experten erwarten auch für 2007 weiteren Anstieg.

Die Leitzinsen in der Eurozone steigen weiter. Nicht nur an diesem Donnerstag (5.10.) nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Paris und erneut Anfang Dezember wird der wichtigste Zins nach Einschätzung der meisten Ökonomen nach oben klettern - auf 3,25 Prozent und dann 3,5 Prozent. Immer mehr Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Notenbanker auch 2007 an der Zinsschraube drehen.

Verwirrrung um Ölpreis
Für Verwirrung sorgt dabei die momentane Entwicklung des Ölpreises. Von der EZB lange als größte Gefahr für die Preisstabilität betrachtet, sank der Ölpreis zuletzt deutlich und drückte die Inflation in der Eurozone im September wieder unter die kritische Grenze von 2,0 Prozent auf 1,8 Prozent. Alles bestens also?

Höhere Inflation in der Zukunft
"Das ist nur ein ganz kurzfristiger Effekt", erläutert Volkswirt Karsten Junius von der Deka-Bank. Tatsächlich stärkt die niedrigere Inflation im Euroraum und in den USA den privaten Konsum. Gerade jenseits des Atlantiks könnte dieser Effekt bewirken, dass sich die Konjunktur weniger stark abkühlt als befürchtet und damit auch die europäischen Exporte nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Das wiederum spricht für eine robustere Wirtschaft und eine höhere Inflation in absehbarer Zukunft - und genau auf diesen Zeithorizont zielt die EZB mit ihrer Zinspolitik.

Höhere Zinsen
Für eine weitere Straffung der Geldpolitik und damit eine Erhöhung des Leitzinses mindestens auf 3,75 Prozent sprechen auch Äußerungen von Mitgliedern des EZB-Rats. "Die Inflationsraten liegen perspektivisch nach wir vor noch über der Stabilitätsgrenze von zwei Prozent" , erläuterte Bundesbank-Präsident Axel Weber in der vergangenen Woche vor Unternehmern in Baden-Baden. Damit sei die " Rückführung des monetären Expansionsgrades " weiterhin geboten - im Kauderwelsch der Währungshüter bedeutet diese Formulierung schlicht höhere Zinsen.

"Neutrales Niveau"
Mit 3,75 Prozent wäre nach Ansicht von Volkswirten auch ungefähr das Niveau erreicht, das als " neutral " gilt: Bei dieser Marke hindern die Leitzinsen Unternehmen nicht daran, zu investieren, ermuntern sie dazu aber auch nicht. Nach einer langen Phase historisch niedriger Zinsen erscheinen Werte von über drei Prozent den EU-Bürgern trotzdem als ungewöhnlich hoch - und selbst die Finanzmärkte lassen sich von solcher Psychologie manchmal täuschen.

Gerade in Deutschland wirkten sich höhere Zinsen auf die Verbraucher insgesamt gesehen aber eher geringfügig aus, meint Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Problematischer sehe es in Ländern wie Spanien aus, wo der Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren boomte und etliche Häuslbauer Kredite mit variabler Verzinsung abzahlen müssen. Deutschland sei pauschal betrachtet eher ein Land der Sparer als der Schuldner. "Und wer ein Sparbuch hat, freut sich darüber, dass er mehr bekommt", so Mayer. Vorausgesetzt natürlich, die Banken geben die höheren Zinsen auch an ihre Kunden weiter.




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