Digitale Innovation

Digitalisierung als Wachstumsmotor

27.03.2026

Immer mehr Unternehmen setzen auf innovative Technologien. Österreich hat jetzt die Chance, die Digitalisierung gezielt zu nutzen, um Wertschöpfung, Wachstum, Arbeitsplätze und Klimaziele nachhaltig voranzutreiben. 

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Die Europäische Kommission bestätigt: Österreich macht deutliche Fortschritte bei der digitalen Transformation. Mit 85 Maßnahmen und einem Investitionsvolumen von 4,07 Milliarden Euro zählt das Land zu den aktivsten Mitgliedstaaten beim Erreichen der EU-Digitalziele bis 2030. Drei Viertel der Zielpfade seien auf Kurs, viele EU-Empfehlungen bereits umgesetzt.

Österreich setzt dabei stark auf eine moderne digitale Verwaltung: Über Plattformen wie das Unternehmensserviceportal (USP), JustizOnline oder den Elektronischen Rechtsverkehr (ERV) können Unternehmen zentrale Behördengänge vollständig online erledigen – von der Gründung bis zur laufenden Geschäftstätigkeit. Die EU-Kommission bewertet den Fortschritt anhand nationaler Fahrpläne und jährlicher Berichte.

Zudem positioniert sich Österreich als Vorreiter beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und schneidet EU-weit überdurchschnittlich bei mobilfreundlichen digitalen Services ab.

Noch viel Nachholbedarf bei Unternehmen

Trotz der positiven Entwicklungen zeigt die Statistik Austria, dass lediglich 47 % der österreichischen Unternehmen fortgeschrittene Informations- und Kommunikationstechnologien wie Cloud-Dienste, Datenanalyse oder KI nutzen – unter dem EU-Durchschnitt von 55 %. Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria, betont: „Damit ist Österreich noch ein gutes Stück von dem EU-Ziel der ‚Digitalen Dekade‘ entfernt, wonach bis 2030 zumindest drei Viertel der Unternehmen fortgeschrittene Technologien nutzen sollen.“

KI und Cloud: Chancen und Skepsis

Der Digitalisierungsindex zeigt, dass KI vor allem in der Kundenkommunikation genutzt wird – 8 % aller Unternehmen setzen sie ein, bei Betrieben ab 10 Beschäftigten sind es 20 %. Dabei nutzen

23 % der Unternehmen im Dienstleistungsbereich KI-Technologien, aber nur 15 % der Unternehmen im produzierenden Bereich. Am höchsten ist die KI-Nutzung erwartungsgemäß im Bereich Information und Kommunikation mit 61 %. Zudem werden KI-Technologien von kleinen Unternehmen (10–49 Beschäftigte: 18 %) deutlich weniger genutzt als von mittelgroßen (50–249 Beschäftigte: 29 %) und großen Unternehmen (250 und mehr Beschäftigte: 50 %). Typische Anwendungen reichen von Texterstellung über Chatbots bis hin zu Bildbearbeitung.

Gleichzeitig bestehen Vorbehalte: Sieben von zehn Betrieben glauben nicht, dass KI fehlendes Personal ausgleichen kann, und 74 % sehen keine Einsparpotenziale bei Personalkosten.

Cloud Services gewinnen an Bedeutung, der Anteil der Unternehmen, die diese als irrelevant einstufen, sinkt von 60 % im Jahr 2023 auf 50 % im Jahr 2025. In Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten ist nur noch ein Viertel der Meinung, Cloud sei nicht relevant.

Infrastruktur: Mobile Verbindungen statt High-Speed

Die Studie zeigt auch eine Trendwende bei Internetanschlüssen: Immer mehr Unternehmen setzen ausschließlich auf mobile Verbindungen. Besonders kleine Betriebe mit 10 bis 50 Mitarbeitern nutzen häufig kein Festnetz-Internet mehr.

Dennoch herrscht Wissenslücke: Vier von zehn Telekommunikationsentscheidern kennen ihre tatsächliche Internetgeschwindigkeit nicht. Nur 7 % der Betriebe verfügen über mehr als 500 Mbit/s, was den flächendeckenden Einsatz ultraschneller Netze verzögert.

Trotz dieser Defizite zeigt sich Optimismus: 85 % der Unternehmen sehen Chancen im digitalen Wandel – insbesondere bei Kundengewinnung, Kosteneffizienz sowie gesteigerter Agilität und Flexibilität. Gleichzeitig nennen 76 % Herausforderungen wie fehlendes Fachwissen, unklare gesetzliche Rahmenbedingungen und veraltete IT-Infrastruktur.

Digitale Kompetenzoffensive zeigt Wirkung

Österreich setzt auf Bildung: Über 43.000 Menschen haben bereits kostenlose Workshops wie „Digital Überall“ oder „Digital Überall PLUS“ besucht. Die Inhalte reichen von digitalen Alltagskompetenzen bis hin zu KI. „Die beste digitale Lösung nützt nichts, wenn die Menschen sie nicht anwenden können. Daher haben wir die Digitale Kompetenzoffensive ins Leben gerufen“, erklärt Staatssekretär Alexander Pröll.

Der Handlungsbedarf ist groß: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung verfügt nicht über ausreichende digitale Grundkenntnisse, drei Viertel wissen wenig bis gar nichts über KI, und bis 2030 werden rund 38.600 IKT-Fachkräfte zusätzlich benötigt.

ID Austria: Erfolgreiche digitale Identität

Die ID Austria zeigt, wie digitale Services die Verwaltung vereinfachen: Bis Dezember 2025 haben mehr als 4,8 Millionen Menschen die digitale Identität aktiviert – damit nutzt bereits über die Hälfte der Bevölkerung das System aktiv. Die Servicetour von Juli bis Dezember 2025 verzeichnete 220 Stopps und rund 900.000 neue Registrierungen. Helmut Lackner, Generaldirektor der Österreichischen Staatsdruckerei-Gruppe, betont: „Die Österreicherinnen und Österreicher möchten moderne, sichere und innovative Angebote für digitale Identität nutzen.“

Zahlen:

  • 4,8 Mio. Österreicher nutzen die ID-Austria
  • Bis 2030 werden zusätzlich 38.600 IKT (Informations- und Kommunikationstechnik)-Fachkräfte benötigt.
ID Austria entwickelt sich zur EUDI-Wallet

Auch die Wirtschaft setzt zunehmend auf die ID Austria: Zahlreiche Unternehmen haben im Rahmen der ID-Austria-Servicetour Registrierungsstationen direkt an ihre Standorte geholt, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen schnellen und unkomplizierten Zugang zur ID Austria zu ermöglichen. Ziel ist es, Unternehmen als Serviceprovider zu gewinnen und die ID Austria in ihren eigenen digitalen Angeboten zu integrieren. Ausgehend von der Erfolgsgeschichte der ID Austria folgt im kommenden Jahr der nächste Schritt hin zur europäischen digitalen Brieftasche: Mit der EUDI-Wallet werden zukünftig noch mehr digitale Angebote für Bürgerinnen und Bürger geschaffen, die EU-weit nutzbar sind. Die Weiterentwicklung der ID Austria hin zur EUDI-Wallet stärkt die digitale Souveränität Österreichs und stellt die Infrastruktur der digitalen Identität auf neue, zukunftsfähige Beine.