Handel & Konsum

Faire Rahmenbedingungen und Entlastungen gefordert

27.03.2026

Im heimischen Handel zeigen die Erwartungen nach oben. Der Krieg im Nahen Osten erhöht aktuell die Unsicherheit: Das spürt auch der Handel. Wirtschaftsexperten fordern deshalb Entlastungen, faire Wettbewerbsbedingungen sowie praxisnahe EU-Regelungen, um Handel und KMU fit für die Zukunft zu machen.

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Mit rund 93.000 österreichischen Handelsunternehmen und mehr als 750.000 Beschäftigten ist der Handel nicht nur der zweitgrößte Arbeitgeber des Landes, sondern auch ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft. Doch wie können Händler in Zeiten von Inflation, Fachkräftemangel und verändertem Konsumverhalten bestehen?

Zahlen und Fakten zum österreichischen Handel

Im Jahr 2025 erwirtschaftete der österreichische Einzelhandel (ohne Kfz und Tankstellen) einen Nettoumsatz von rund 79,8 Milliarden Euro, was einem Umsatzplus von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders der Lebensmitteleinzelhandel und das Weihnachtsgeschäft (1,19 Mrd. Euro Mehrumsatz im Dezember) trugen zur positiven Entwicklung bei.

Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Branche von Unsicherheiten geprägt: Der Handelsverband bleibt optimistisch, dass durch gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen das Comeback Österreichs gelingen kann. Es bräuchte dringend eine Entbürokratisierungsoffensive, eine Innovationsoffensive, eine Entlastungsoffensive und eine Anreizoffensive. Besonders betroffen ist der Handel von Insolvenzen: Wie die aktuelle KSV1870-Analyse zeigt, verzeichnet der Handel (1.192 Fälle, + 3 %) im Jahr 2025 die meisten Insolvenzen in Österreich. Während sich der Einzel- und Großhandel nur minimal über dem Vorjahresniveau bewegen, verzeichnet der Bereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ einen leichten Anstieg.  

Große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen

Äußerst unterschiedlich entwickelten sich auch die einzelnen Branchen innerhalb des Einzelhandels: Während der Lebensmitteleinzelhandel real um +1,1 Prozent zulegte, betrug das Plus im Non-Food-Bereich nur +0,4 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichnete der Schuheinzelhandel (real +7,4 %, allerdings aufgrund rückläufiger Jahre davor von niedrigem Niveau ausgehend), der Bau- und Heimwerkerbedarf (+7,0 %) sowie der Blumenhandel (+5,0 %). Deutlich schlechter lief es im Schmuckhandel (−13,7 %), im Handel mit Büchern und Zeitschriften (−6,6 %) und im Möbelhandel (−1,8 %).

Zentrale Forderungen für zukunftsfähigen Handel

„Damit der österreichische Handel positiv in die Zukunft schauen kann, brauchen wir einige zentrale Weichenstellungen. Die erste heißt: keine zusätzlichen Kostenbelastungen. Hiervon hatten wir zuletzt mehr als genug, ich erinnere nur an das Shrinkflationgesetz“, betont Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Zweitens dürfe – damit zusammenhängend – der Handel nicht ständig als Verursacher der Inflation hingestellt werden.

„Die Zahlen belegen es schwarz auf weiß: Die Preissteigerungen im Handel liegen unter der Inflationsrate. Der Handel ist somit nicht Verursacher der hohen Inflation“, sagt Trefelik. Damit dies so bleiben kann, fordert er außerdem wettbewerbsfähige Energiepreise. Zusätzlich braucht es auch faire Wettbewerbsbedingungen in Hinblick auf außereuropäische Billigkonkurrenz. Hier soll der von der Europäischen Union ab Juli 2026 eingeführte Pauschal-Zoll von drei Euro auf Kleinpakete aus Drittstaaten positiv auf den heimischen Handel wirken, bis es zur tatsächlichen Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze kommt – im Jahr 2028. „Das ist viel zu spät. Die EU muss praxisorientierter und schneller werden“, fordert Trefelik.

Binnenmarkt vertiefen und Hürden für KMU abbauen

„Der EU-Binnenmarkt bietet KMU große Chancen: Zugang zu 450 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten in 27 Staaten ohne Zölle und mit einheitlichen Regeln ermöglicht skalierbare Geschäftsmodelle“, betont Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. In der Praxis erschweren jedoch komplexe Vorschriften, unterschiedliche nationale Auslegungen sowie umfangreiche Konsumentenschutz- und Informationspflichten den Marktzugang und verursachen hohe Bürokratie. Gefordert werden daher Vereinfachungen, weniger Detailregulierung und regelmäßige KMU-Checks der bestehenden Bestimmungen.

Neben diesen zentralen Forderungen gibt es für den Spartenobmann Rainer Trefelik noch „eine Reihe von Dauerbrennern“. Dazu zählen eine spürbare Entlastung bei den Lohnnebenkosten, die Reduktion von Bürokratie sowie ein Fokus auf Aus- und Weiterbildung, um den Fachkräftemangel einzudämmen. Aber auch die Erreichbarkeit von Handelsbetrieben, wozu die ausreichende Versorgung mit Parkplätzen gehört, müsse gegeben sein.

Zahlen:

  • 79,8 Milliarden Euro erwirtschaftet der heimische Einzelhandel
  • 3-Euro-Pauschal-Zoll auf Kleinpakete aus Drittstaaten
  • 1.192 Insolvenzfälle im Handel 2025 – ein Plus von 3 % gegenüber 2024
Mercosur-Handelsabkommen ändert nichts

Supermärkte setzen weiter auf Fleisch aus Österreich und nicht aus den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay. Auch nach der Unterzeichnung des EU-Mercosur-Handelsabkommens werden Billa, Lidl, Spar und Hofer kein Frischfleisch aus Südamerika verkaufen. Hofer will künftig „wo immer möglich“ ausschließlich österreichisches Fleisch anbieten, ab Mitte 2026 auch Putenfleisch – „exklusive Aktionen“. „Rind, Schwein und Kalb stammen ausnahmslos aus Österreich“, betont Spar-Vorstand Markus Kaser. Billa verkauft seit 2020 100 % heimisches Frischfleisch, auch die Rewe-Töchter Adeg und Penny planen keinen Import aus Mercosur-Staaten. Lidl setzt seit Jahren auf regionale Produkte wie die Eigenmarke „Wiesentaler“. Die Lebensmittelhändler sichern so die heimische Landwirtschaft.