Beindruckende Bilder

Spektakulärer Motorrad-Crashtest

12.08.2010

Der aktuelle Crashtest machte deutlich, dass bei innovativen Schutzsystemen für Biker (Airbagjacken, Nackenschutz, etc.) noch deutlich nachgebessert werden muss. Nur ein neues Produkt erwies sich als empfehlenswert. 

Zur Vollversion des Artikels
Zur Vollversion des Artikels

Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, hat im Falle eines Unfalls keine schützende Karosserie um sich. Während passive Sicherheitssysteme wie der Airbag im Pkw zum Standard gehören, ist Vergleichbares im Zweiradbereich noch selten. Um herauszufinden, was die am Markt erhältlichen innovativen Schutzsysteme für Motorradfahrer können, hat der heimische Autofahrerclub ÖAMTC in Zusammenarbeit mit seinen europäischen Schwesterclubs (ADAC und Co.) zwei Airbagjacken, eine Airbagweste sowie zwei Schutzsysteme für den Nacken geprüft.

Bilder: ÖAMTC

Großer Verbesserungsbedarf
"Der Test zeigt, dass die Airbag-Schutzsysteme bei einem großen Teil der mittelschweren Unfälle die Unfallschwere reduzieren. Allerdings ist keines der Systeme eine Komplettlösung und alle haben noch Schwächen wie Tragekomfort oder Aufblasgeschwindigkeiten. Testsieger und als einziges Produkt 'empfehlenswert' ist die Motorradweste 'Motoairbag' von D.P.I. Safety", fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl die Ergebnisse zusammen.

Ein "Bedingt empfehlenswert" erhielten im Test die Motorradjacke "Cruiser" von Hit Air sowie die beiden getesteten Nackenschutzsysteme: der APC Airbaghelm, ein im Helm integrierter Airbag zum Schutz der Halswirbelsäule, und das Leatt Brace GPX-Club, ein passiver Nackenschutz, der das Überstrecken der Halswirbelsäule verhindert. Bei der Motorradjacke "Cruiser" von Hit Air sind die Luftschläuche in einer Textiljacke integriert und dämpfen nicht nur einen Aufprall auf dem Rücken, sondern auch auf die Brust. Allerdings muss die Jacke mit einem CE-geprüften Rückenprotektor nachgerüstet, die Aufblaszeit muss schneller, die Luftschläuche stabiler werden. Der APC Airbaghelm punktet mit zuverlässiger elektronischer Auslösung, sehr schnellem Aufblasen und gutem Schutzeffekt für den Nacken. Schlecht ist, dass die elektronische Unfallerkennung nur sehr beschränkt funktioniert und die Schutzwirkung nur auf den Halsbereich beschränkt ist.

Aufgrund der langsamen Aufblaszeit "nicht empfehlenswert" ist die Motorradjacke und "Stunt" von IXS. Sie ist allerdings auch ein Auslaufmodell, der Hersteller entwickelt derzeit einen verbesserten Nachfolger.

 
"Bei Weste und Jacken sind die Airbags in der Schutzkleidung verarbeitet. Die Bekleidung ist durch eine Reißleine mit dem Motorrad verbunden. Kommt es bei einem Unfall zu einer Trennung von Fahrer und Maschine, wird durch den Mechanismus der Airbag ausgelöst", erklärt der Kerbl die Funktionsweise. Die innovativen Schutzsysteme wurden in zwei unterschiedlichen Tests geprüft: Einmal bei einer simulierten Kollision mit einem Pkw, Fahrgeschwindigkeit 50 km/h. Dabei wurden das Schutzpotenzial, die Auslöse- und Aufblasgeschwindigkeiten, die Durchscheuerfestigkeit und die Punktbelastbarkeit bewertet. Im Alltagsgebrauch wurden die Systeme auf Tragekomfort und Handling geprüft. Der zweite Test stellte einen Alleinunfall bei 100 km/h nach. 

 

Airbags für Motorradfahrer sind richtiger Schritt
Im Crashtest beweisen die Airbagsysteme an einigen Körperteilen eine eindeutige Schutzwirkung. "Der Test zeigt: Die Airbagsysteme sind ein Schritt in die richtige Richtung. Verglichen mit einem konventionellen Protektor hat ein Airbag durch das große Volumen mehr Dämpfungsvermögen und kann noch mehr Schutz bieten", reüssiert Kerbl. Allerdings ortet der Techniker in allen Bereichen noch Entwicklungsbedarf – bei Schutz, Tragekomfort und den ergonomischen Anforderungen. "Optimal wären Airbags, die ohne zusätzlichen Aufwand für den Fahrer in die Kleidung integriert sind und mittels drahtloser Kommunikation zwischen Kleidung und Maschine schnell und zuverlässig auslösen können", fordert der Clubexperte. Lösungen könnten aus dem Rennsport kommen: Einige namhafte Hersteller forschen seit Jahren, um Systeme zu bauen, die auch ohne Reißleine auskommen und damit noch schneller aktiviert werden können.  

"Die wichtigsten Sicherheitsfaktoren bleiben weiterhin die vollständige passive Schutzausrüstung (Helm, reißfeste Hose und Jacke, Stiefel, Handschuhe, Rückenprotektor), eine vorausschauende, berechenbare Fahrweise und die Beherrschung des Motorrads. Fahrtechniktrainings sind hier eine ideale Möglichkeit, die eigene Fahrzeugbeherrschung zu perfektionieren. Ein weiteres Sicherheitsplus ist die Ausrüstung des Motorrads mit ABS", betont Steffan Kerbl abschließend.
Zur Vollversion des Artikels