Elektro-Autos sind für das menschliche Gehirn noch die große Unbekannte. Sie sehen aus wie Pkw, bewegen sich genau wie sie, doch irgendwas ganz typisches fehlt da: der Lärm und die Abgase. Nahezu geräuschlos drehten am Donnerstag einige mit Strom betriebene Vehikel in der Wiener Innenstadt ihre Runden. Anlass war die Gründung des "Bundesverband Nachhaltige Mobilität" (BVmobil). Mit ihm soll eine neue Ära der "elektronischen Mobilität" in Österreich anbrechen. Was derzeit noch etwas exotisch anmutet, dürfte also schon bald Alltag auf heimischen Straßen sein. E-Autos schreiten voran
Da standen sie, feinsäuberlich poliert, vor dem Naturhistorischen Museum, oder kurvten gespenstisch still über den Maria-Theresien-Platz: schnelle Boliden, putzige Stadtautos, umgerüstete Oldtimer, Mopeds und Fahrräder. Sie alle sind von fossilen Brennstoffen nicht mehr abhängig - sprich: sie brauchen kein Benzin mehr. Rund 200 E-Autos gibt es derzeit in Österreich, und schon bald könnten es dreimal so viel sein. Die Branche entwickelt sich rasend schnell, allein "The Mobility House", ein Wiener Unternehmen, hat soeben mit 400 Pkw die größte Bestellung in ganz Europa aufgegeben. Zahlreiche Herausforderungen bis zum Durchbruch
Wenn sie so still dahingleiten und ein bisserl so aussehen wie zu groß geratenes Kinderspielzeug, dann möchte man schnell glauben, dass Elektro-Autos der Schlüssel zu einer abgasfreien Welt sein werden. Doch bis es so weit ist, gilt es noch viele Hürden zu meistern. Bei aller Begeisterung für diese zukunftsweisende Technologie bleibt auch Roland Dimai, Präsidiumsmitglied des BVmobil, Realist. Er drängt vor allem auf eine Standardisierung der Ladesäulen: "Das ist unerlässlich. Wenn wir nämlich nicht bald handeln, gibt es in vielen Regionen unterschiedliche Systeme." Dimai ist dennoch überzeugt, dass eine Vereinheitlichung - etwa nach dem Muster des Mobilfunks - möglich ist. Der REVA NXR ist ab sofort für jedermann bestellbar
Dass die Zukunft längst gegenwärtig ist, verdeutlicht der REVA NXR. Hinter dieser Buchstabenkombination verbirgt sich ein Elektro-Auto aus Indien mit Lithium-Batterien, das ab dem Jahr 2010 in Serienproduktion geht. Seit dem 1. Oktober, ist das umweltschonende Gefährt in Österreich bestellbar. Die Kosten bewegen sich - je nach Stärke der Batterie - zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Klingt viel für so einen strombetriebenen Floh. Doch, aufgepasst: Für eine "Tankfüllung", die rund alle 160 Kilometer fällig wird, bezahlt man zwischen 60 und 80 Cent pro 100 Kilometer.
Bilder: (c) Reva
Für die Stadt ist der REVA NXR mit seinen 104 km/h Höchstgeschwindigkeit also perfekt. Längere Urlaubsreisen könnten hingegen ein wenig an den Nerven zehren. Was die technische Ausstattung betrifft, spielt der Dreitürer alle Stückerln. Das monatliche Fahrverhalten wird analysiert und dem Lenker via E-Mail mitgeteilt, ein Autoschlüssel zum Aufsperren und Anstarten gehört der Vergangenheit an und das Wageninnere kann nach Wunsch per SMS vorgeheizt bzw. vorgekühlt werden. Designtechnisch ist der NXR jedoch in die Kategorie "gewöhnungsbedürftig" einzuordnen.
Neben der Umwelt wird auch die Geldbörse geschont Oliver Hromada, ebenfalls im BVmobil-Präsidium, kann sich ein Leben ohne Elektro-Auto gar nicht mehr vorstellen. "Ich war seit fünf Jahren an keiner fossilen Tankstelle mehr. Und ich kann nur sagen: Es bleibt einem sehr viel Geld übrig. Außerdem sind E-Autos ja steuerbefreit." Der Kärntner ist stolz darauf, dass es in seinem Bundesland mit 68 Pkw österreichweit die höchste Dichte gibt, doch auch er sehnt sich nach Bedingungen wie sie zum Beispiel in China herrschen: "Da gibt es bei der Anschaffung eines Elektro-Autos 7.500 Euro Förderung." Auch Japan, das 40 Prozent der Kosten übernimmt, und Frankreich, wo man 5.000 Euro Prämie beim Kauf eines strombetriebenen Vehikels bekommt, seien diesbezüglich Vorbilder. (Quelle: APA)
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