Gegner für kabellose Kopfhörer

Smarte Audiobrille von Grazer Start-up im Test

26.08.2020

Fauna hat sein im Vorjahr angekündigtes Wearable endlich fertiggestellt.

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© oe24.at/digital
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Was lange währt, wird endlich gut. Eigentlich wollte das Grazer Start-up Fauna, das eine Tochterfirma des heimischen Lautsprecherspezialisten USound  ist, seine Audio-Brille  bereits Ende 2019 in den Handel bringen. Doch zunächst sorgten Produktionsprobleme für eine Verzögerung und dann kam das Coronavirus. Doch nun sind alle Hürden aus der Welt geschafft. Die Audio-Brille von Fauna kommt im September 2020 auf den Markt. Wir konnten das Wearable vorab bereits ausgiebig testen. Wie es sich dabei geschlagen hat, lesen Sie im folgenden Testbericht.

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Erster Eindruck

Schon beim Auspacken fällt auf, dass das Start-up auf die Verarbeitungsqualität einen großen Wert legt. Die Spaltmaße, das Scharnier und die verwendeten Materialien wirken durchwegs hochwertig. Zudem macht die Audiobrille, die nach IP55 zertifiziert ist, einen stabilen Eindruck und steckt auch Stürze aus geringen Höhen weg. Fauna bietet den Brillenrahmen in mehreren Stilen - Damen und Unisex – an. Ausgeliefert wird sie mit UVA/UVB-Schutz-Gläsern (Sonnenbrille) oder Blaulichtfiltergläsern. Praktisch: Brillenträger können bei ihrem Optiker auf Wunsch auch optische Gläser im Rahmen einsetzen lassen. Wir haben das Unisexmodell mit Blaulichtfiltergläsern getestet. Auf den ersten Blick wirken die beiden Bügel, in denen die gesamte Technik steckt, von oben etwas klobig. Doch sobald man die rund 50 Gramm leichte Brille aufgesetzt hat, ist davon nichts mehr zu bemerken – weder optisch noch beim Tragekomfort. Beim Tragen sieht das Gadget wie eine gewöhnliche Brille aus und fühlt sich auch so an.

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Kopplung und Nutzung

Die Kernfunktionen des Wearables sind die Wiedergabe von Musik oder die Verwendung als Freisprecheinrichtung. Da sie völlig kabellos daher kommt, tritt die Audio-Brille also in direkte Konkurrenz zu den derzeit so angesagten kabellosen Bluetooth-Kopfhörern. Technisch geht sie jedoch einen anderen Weg. Hier kommt Fauna das große Know-How von USound zugute. In der Audio-Brille steckt nämlich die innovative MEMS-Lautsprecher-Technologie des Mutterkonzerns. Die Musikdateien werden via Bluetooth 5.0 übertragen - das funktioniert eigentlich mit allen Bluetooth-Geräten (Android & iOS). Im Test kamen ein Android-Smartphone und ein iPad zum Einsatz. Die Kopplung erfolgte mit beiden Geräten problemlos. Im dreiwöchigen Test kam es insgesamt zu zwei Verbindungsabbrüchen mit dem Smartphone. Nach einer erneuten Kopplung funktionierte wieder alles problemlos. Die Reichweite beträgt rund 10 Meter. So kann man sich in der Wohnung oder im Garten halbwegs frei bewegen, ohne das Smartphone oder Tablet direkt am Körper tragen zu müssen.

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Soundqualität

Im Gegensatz zu In-Ear-Kopfhörern kommt die Audio-Brille von Fauna völlig ohne Ohrhörer aus. Zunächst zweifelten wir daran, ob das auch tatsächlich gut funktioniert. Doch die Zweifel waren schnell aus der Welt geräumt. Der Sound und Klang ist zwar nicht ganz so intensiv und eindringlich wie bei In-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörern, dennoch kann sich das Ganze wirklich hören lassen. Ausschlaggebend dafür ist, dass die in den Bügeln integrierte Audio-Technologie von USound den Klang rund um die Ohren des Trägers konzentriert. Gleichzeitig werden Audio-Streuverluste dabei möglichst gut reduziert. Zudem wird der Klanggehalt über das Zwei-Weg-Audiosystem aufgepeppt - das Wearable ist pro Bügel mit einem MEMS-Lautsprecher und einem Woofer (2x2) ausgestattet. Echte Soundliebhaber werden jedoch den fehlenden "Bass-Wumms" und die nicht allzu hohe maximale Lautstärke bekritteln. Uns hat das aber nicht gestört. Eine aktive Geräuschunterdrückung  ist ohne echte Ohrhörer leider nicht realisierbar. Hier sind die normalen Kopfhörer (In-Ear- und Over-Ear) also klar im Vorteil. Bei der Nutzung als Freisprecheinrichtung konnte die Audiobrille voll überzeugen. Im linken Bügel sitzen gleich zwei Mikrofone. Diese sorgen dafür, dass man vom Gesprächspartner exzellent verstanden wird.

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Bedienung und Laufleistung

Die Bedienung erfolgt entweder über das gekoppelte Smartphone, Tablet, etc. oder das Touchbad im linken Brillenbügel. Letzteres ist angenehm groß gestaltet und somit stets gut erreichbar. Wie bei kabellosen Kopfhörern, die über Touchflächen gesteuert werden, hat man sich auch bei der Audiobrille an die Befehlseingaben schnell gewöhnt. Nach kurzer Zeit erfolgt das Springen zum nächsten Musiktitel oder das Annehmen eines ankommenden Anrufes intuitiv. Die integrierte Sprachsteuerung konnte weniger überzeugen. Das gilt aber auch für die meisten Kopfhörer. Da sie jedoch nicht fehlte, wurde sie im Test auch nicht weiter vermisst. Der im linken Bügel integrierte 100-mAh-Akku  soll laut Fauna bei der Musikwiedergabe fünf Stunden durchhalten und eine Stand-by-Zeit von 20 Stunden bieten. Letztere wurde im Test mit 22 Stunden sogar übertroffen. Beim Musik hören und Telefonieren kamen wir auf eine Laufleistung von 4,5 Stunden. Geladen wird die Audio-Brille über einen USB-C-Anschluss im mitgelieferten Etui. In diesem steckt zudem ein 1.300 mAh akku, der für über zehn weitere Vollladungen reicht. Wer das Case also bei sich trägt, bekommt einen ziemlich langen Hörgenuss.

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Fazit

Die neue Audio-Brille kommt zwar mit fast einem Jahr Verspätung auf den Markt, dafür bekommen die Kunden aber auch von Anfang an ein ausgereiftes Produkt. Die Verarbeitungsqualität ist wirklich exzellent und beim Design sowie den Gläsern haben Kundinnen und Kunden mehrere Wahlmöglichkeiten. Weiters kann auch der Klang im Großen und Ganzen überzeugen, was aufgrund der fehlenden Ohrhörer durchaus überraschend ist. Die Freisprecheinrichtung und die solide Laufzeit stellen weitere Pluspunkte dar. Abstriche müssen beim Bass und bei der nicht verfügbaren Geräuschunterdrückung gemacht werden. Für Brillenträger ist die Audio-Brille eine echte Empfehlung. Wollen sie Musik hören, müssen sie keine zusätzlichen Geräte mitnehmen. Die Brille sitzt ja ohnehin am Kopf. Gleiches gilt für Menschen, die häufig eine Sonnenbrille tragen. Ansonsten ist man wohl mit In-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörern besser bedient. Denn hier ist der Klang doch noch etwas besser und wer einmal eine aktive Geräuschunterdrückung genutzt hat, will diese einfach nicht mehr missen. Zudem ist ständig eine Brille tragen zu müssen - ohne Beeinträchtigung der Sehkraft - doch etwas ungewohnt und außerdem ist auch das Etui deutlich größer als etwa ein Ladecase von In-Ear-Kopfhörern.

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Verfügbarkeit und Preis

Die  vier verfügbaren Fauna Brillen sind bereits vorbestellbar und ab September 2020 über den eigenen Online-Handel beziehbar und ab Mitte Oktober 2020 im stationären Handel erhältlich. Derzeit gewährt das Start-up 20 Prozent Rabatt, was den Preis von 249 Euro auf 199 Euro senkt. Damit ist sie exakt auf dem Niveau des Konkurrenzmodells von BOSE, der "Frames Alto", die derzeit ebenfalls um 199 Euro (UVP) zu haben ist.

>>>Nachlesen: Die neuen eardot next im oe24.at-Test

Externer Link

https://wearfauna.com/

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