Millionen-Markt
Neuer Trend: So schaden Family-Influencer ihren Kindern
28.05.2026Was früher im privaten Familienalbum landete, ist heute für Millionen Menschen weltweit sichtbar. Das öffentliche Teilen des Familienalltags im Netz hat sich zu einem riesigen Geschäft entwickelt.
Das wirtschaftliche Konzept hinter sogenannten „Momfluencern“ oder Family-Influencern basiert auf emotionalen, nahbaren und intimen Einblicken in das Leben von Kindern. Ob beim Essen, Schlafen, Weinen oder im Urlaub – die gezeigten Momente generieren Reichweite, die wiederum für Kooperationen und Werbeverträge genutzt wird. Kritiker sehen darin ein massives Problem, da die Rechte und die Privatsphäre der betroffenen Kinder zunehmend in den Hintergrund rücken, während das digitale Geschäftsmodell wächst.
Kinder verlieren ihre Privatsphäre
Besonders der frühe Start dieser digitalen Identitäten sorgt für Diskussionen. Viele Kinder werden bereits ab dem Säuglingsalter unverpixelt und eindeutig identifizierbar im Netz gezeigt. Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Medienforschung in Hamburg zeigt, dass dies auf rund ein Drittel der analysierten deutschen Family-Influencer und deren Kinder im Alter zwischen null und fünf Jahren zutrifft. Zu diesem Zeitpunkt können die betroffenen Kinder die Tragweite der digitalen Öffentlichkeit weder einschätzen noch verstehen.
Spuren im Netz bleiben
Jedes veröffentlichte Bild im Internet hinterlässt bleibende Spuren. Aufnahmen von Krankheiten, Wutanfällen oder anderen intimen Situationen können dauerhaft gespeichert, weiterverbreitet oder komplett aus dem ursprünglichen Kontext gerissen werden. Während Erwachsene eigenständig und bewusst entscheiden können, welche Informationen sie über sich mit der Öffentlichkeit teilen, wird diese Entscheidung bei Family-Influencern komplett von den Eltern übernommen. Die Kinder müssen später mit den potenziellen Konsequenzen leben.
Kinder fordern Mitspracherecht
Dass Kinder eigentlich ein Mitspracherecht fordern, belegt eine wissenschaftliche Untersuchung aus Schweden aus dem Jahr 2020. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass sich Kinder wünschen, vor einer Veröffentlichung aktiv gefragt zu werden. Sie möchten selbst darüber mitbestimmen, welche Bilder oder persönlichen Informationen über sie im Internet landen. In der Praxis der Social-Media-Vermarktung geschieht genau das in vielen Fällen jedoch nicht, wodurch die Privatsphäre der Kinder dauerhaft öffentlich vermarktet wird.