Interview

Jetzt spricht Waris Dirie

© Philipp Enders

Zwei Tage in der Gewalt eines Entführers: Österreichs Supermodel Waris Dirie sagt, wasin Belgien passierte. Und: Taxifahrer bei Polizei gemeldet.

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Polizei: Taxifahrer hat sich gemeldet

Sie liegt verletzt in einem Wiener Krankenhaus. Gehirnerschütterung, Prellungen an der Schulter, Kratzspuren an den Schenkeln. „Es handelt sich um typische Verletzungen, wenn eine Frau festgehalten wird im Zuge von sexueller Nötigung oder versuchter sexueller Nötigung“, sagt ihr Anwalt Gerald Ganzger.

Wie Prostituierte behandelt
Erst nach und nach stellt sich heraus, welches Martyrium Waris Dirie (42, lebt seit vier Jahren in Wien) in Belgien über sich ergehen lassen musste. Im Interview mit Filmer Hannes Rossacher (dreht derzeit eine Doku über die gebürtige Somalierin) erzählt Dirie erstmals in Details, wie sie verschleppt wurde – und von der Brüsseler Polizei gedemütigt wurde. „Sie haben mich wie eine Prostituierte behandelt. Nur wegen meiner Hautfarbe.“

Mehr als drei Tage lang war Waris Dirie in Brüssel vermisst. Sie verschwand nach einem Disco-Besuch, blieb wie vom Erdboden verschluckt. Das Ex-Model gab an, das Hotel nicht mehr gefunden zu haben und auf der Suche danach auf einen Taxifahrer gestoßen zu sein, der sie zwei Tage gefangen hielt. Der Mann gab an, Dirie bei der Suche helfen zu wollen, verschleppte sie dann aber in sein Haus.

Belgische Behörden handeln nicht
Gefahndet wird nach dem Sex-Täter nicht. Denn die belgischen Behörden sehen keinen Anlass dazu. Der Brüsseler Staatsanwalt Jozef Colpin verstieg sich Mittwoch dazu, Waris Diries Vorwürfe gegen die Polizei als „Märchen“ zurückzuweisen. Die Polizei-Beamten hätten Waris im Gegenteil im Polizeiauto mitgenommen und in mehreren Hotels nachgefragt, wo für sie ein Zimmer reserviert sei, sagte Colpin. In einem solchen Moment, in dem die Polizisten aus dem Fahrzeug ausgestiegen waren, sei Dirie plötzlich verschwunden.

Ein Umstand, den Regisseur Rossacher verstehen kann: „Waris Dirie hat als ehemalige Staatenlose schlechte Erfahrung mit der Polizei gemacht. Kennt man diesen Hintergrund, ist leicht nachvollziehbar, dass sie Behörden und Polizei generell misstraut, die Situation im Polizeiauto offenbar als bedrohlich empfand und deshalb flüchtete!“

Dirie-Anwalt Ganzger will nun in Österreich Anzeige gegen den Sex-Täter erstatten. Diese werde dann an die belgischen Stellen weitergeleitet. Hoffentlich mit mehr Erfolg.

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