Ab 16. Jänner

"28 Years Later: The Bone Temple": Nun ist der Mensch das Monster

13.01.2026

Die Fortsetzung des Horrorfranchise schlägt eine neue Richtung ein - Ab 16. Jänner im Kino

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Mit "28 Years Later" bereicherten Danny Boyle und Alex Garland ihren Virushorror im vergangenen Sommer um ein spannendes und bildgewaltiges neues Kapitel. Es war der Auftakt einer geplanten Trilogie, die nun mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle wenn auch mit neuer Richtung fortgesetzt wird. Entstanden ist mit "The Bone Temple" ein düsteres, oft brutales Werk. Tanzszenen mit Fiennes sorgen zwischendurch für etwas Auflockerung. Ab Freitag im Kino.

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Großbritannien steht nach wie vor unter Quarantäne, weil dort seit langem das Rage-Virus grassiert. Es verwandelt Menschen in rasende, hochaggressive und blutrünstige Wesen. In "28 Years Later" spielten Aaron Taylor-Johnson, Alfie Williams und Jodie Comer die Hauptrollen. Ralph Fiennes war als Dr. Kelson in einer Nebenrolle zu sehen. Im Nachfolger ist Kelson nun die zentrale Figur und das Herz des Films, der direkt an den Vorgänger anschließt.

Kelson, der seit Jahrzehnten allein lebt, hat aus Schädeln und Knochen der Toten eine Art Tempel ("Bone Temple") gebaut. Wie schon in "28 Years Later" bekommt er regelmäßig Besuch von einem riesigen, aggressiven Infizierten (Ex-MMA-Kämpfer Chi Lewis-Parry), den er Samson nennt. Immer wieder muss er ihn mit einem Pfeil mit Beruhigungsmitteln stoppen.

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Ralph Fiennes tanzt zu Duran Duran

Eines Tages erscheint Samson verletzt und erwartet offenbar medizinische Hilfe. Kelson, der an einem Gegenmittel zum Rage-Virus forscht, wittert eine Chance. Zwischen dem Arzt und seinem sedierten Patienten entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die in einer sehenswerten Tanzszene der beiden nackten Männer gipfelt. Der größtenteils improvisierte Moment ist in dem nicht gerade leicht verdaulichen Film ein Highlight - auch für Fiennes.

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"Das war ein Höhepunkt. Ich liebe so etwas", schwärmt der 63-Jährige im dpa-Interview. "Es ist toll, wenn Filme ihre Figuren unerwartete Dinge tun lassen. Wer hätte gedacht, dass Kelson tanzt?" Es ist nicht die einzige Tanzszene mit Kelson, der eine Vorliebe für Duran Duran und Iron Maiden hat.

Unerträgliche Gewaltszenen

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Während Taylor-Johnson und Comer nicht mehr dabei sind, hat Alfie Williams als Spike immerhin noch eine Nebenrolle. In Boyles Film hatte der junge Inselbewohner die gefährliche Reise zum Festland unternommen - in der Hoffnung, Kelson könne seiner schwer kranken Mutter (Comer) helfen. Der Film endete mit einem Cliffhanger: Spike trifft auf eine schräge Bande. Sie nennen sich die Jimmies und jagen Infizierte, als wäre es ein Sport.

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Wer erwartet hatte, dass er mit den Jimmies gegen Infizierte kämpft, liegt falsch. Nur gezwungenermaßen wird Spike nach einem brutalen Aufnahmeritual Mitglied der Gang. Zwar töten die Jimmies auch einige Infizierte. Vor allem aber macht die Gang, deren Anführer Sir Jimmy Crystal (Jack O'Connell) einen Teufelskult praktiziert, Jagd auf Menschen. Und das ist nicht schön anzusehen. Eine Szene, in der die Jimmies eine Familie brutal foltern, ist unerträglich.

Die Vorgeschichte von Jimmy Crystal wurde zu Beginn von "28 Years Later" gezeigt. Der Name und die blonden Haare der Jimmies sind eine provokante - manche würden sagen geschmacklose - Anspielung auf den ehemaligen BBC-Moderator Jimmy Savile. Nach dessen Tod legten Untersuchungen nahe, dass Savile jahrzehntelang Kinder missbraucht hatte.

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Crystal ist ein Monster. Mit seiner Gang sucht er immer nach neuen Opfern. Als er vom Knochentempel hört, vermutet er, dass Dr. Kelson der leibhaftige Teufel sein könnte - und macht sich auf den Weg.

Eine Fortsetzung mit Licht und Schatten

"Im Film passieren ganz viele andere Dinge, auch tonal fühlt er sich anders an", sagt Regisseurin Nina DaCosta mit Blick auf die Unterschiede zu Boyles Vorgängerfilm. "Als ich die beiden Drehbücher gelesen habe, hatte ich sofort das Gefühl, dass sie sich stark voneinander unterscheiden", erzählt die 36-Jährige. Einschränkungen habe es nicht gegeben. "Ich hatte wirklich das Gefühl, absolute Freiheit zu haben, den Film so zu machen, wie ich ihn machen wollte."

Vor dem Hintergrund des Infiziertenhorrors zeigte "28 Years Later" eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich mit Themen wie Familie, Gesellschaft und Tod auseinandersetzte. "28 Years Later: The Bone Temple" ist hingegen schwer einzuordnen. Es gibt zwei Handlungsstränge, die aufeinander zusteuern. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Kelson und Samson, ein Hoffnungsschimmer in düsteren Zeiten, ist der bessere Teil. Die Geschichte um die Jimmies bleibt hingegen ohne erzählerische Substanz. Mit Ausnahme des grandiosen Finales dienen die Jimmies vor allem einer sinnlosen Zurschaustellung brutaler Gewalt.

Grandiose schauspielerische Leistung von Fiennes

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Allerdings ist Jack O'Connell als gleichermaßen charismatischer wie diabolischer Anführer der Gruppe genial. Und wie üblich liefert auch Ralph Fiennes in "28 Years Later: The Bone Temple" wieder eine grandiose schauspielerische Leistung - besonders beim Showdown.

Boyles mitunter fast poetischer Film begeisterte mit großartigen Bildern seines langjährigen Kameramannes Anthony Dod Mantle und einem mitreißenden Soundtrack der schottischen Band Young Fathers. DaCostas Fortsetzung hat die raue Optik von Sean Bobbitt ("12 Years A Slave") und mit ruhigen Panoramen und einem düsteren Soundtrack von Oscar-Gewinnerin Hildur Guðnadóttir ("Joker") auch einiges zu bieten. Ein cineastisches Erlebnis für die Sinne wie der Vorgängerfilm ist "28 Years Later: The Bone Temple" indes leider nicht.

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