„Spring Breakers“

Killerkommando in Neon-Bikinis

21.03.2013


Schräger Teenie-Film von Indie-Regisseur Harmony Korine mit Selena Gomez.

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US-Independent-Regisseur Harmony Korine hat seine gut gepflegte Nische zwischen Trash- und Kunstfilm verlassen, um mit „Spring Breakers“ einen der schrägeren Teenie-Filme der letzten Zeit vorzulegen. Vier College-Studentinnen reisen zum berüchtigten „Spring Break“-Partymarathon nach Florida, um in einen Kreislauf aus Sex, Drogen und Gewalt zu geraten. Ab 21. März in Österreichs Kinos.

Hier der Trailer zum Film



Top besetzter Teenie-Film
Um der Langeweile ihrer tristen Kleinstadt zu entfliehen, zieht es die vier College-Studentinnen Faith (Selena Gomez), Brit (Ashley Benson), Candy (Vanessa Hudgens) und Cotty (Rachel Korine, die Ehefrau des Regisseurs) zum „Spring Break“ nach Florida, wo Hunderttausende ihrer Leidensgenossen die Ferien zur Dauerparty machen, mit viel nackter Haut, Sex und Drogen. Um das nötige Kleingeld zusammenzubekommen, überfallen drei von ihnen davor noch schnell ein Restaurant. Im Sonnenstaat genießen die jungen Frauen ihre Freiheit, bis sie bei einer Orgie von der Polizei verhaftet werden. Da sie ihre Beute bereits verjubelt haben, lassen sie sich von Alien (James Franco), einem Gangster und Hobby-HipHopper, auf Kaution freikaufen und geraten damit in dessen Welt aus Gier, Gewalt und Gangbang-Fantasien. Nicht alle vier halten das bis zum finalen Shootout gegen eine verfeindete Bande durch.

Surrealer Action-Streifen
Wer einen Thriller oder eine garstige Komödie erwartet, kennt Regisseur Harmony Korine nicht. Seit seinem Durchbruch mit dem Drehbuch zu Larry Clarks krassem Aids-Jugenddrama „Kids“ (1995) machte er sich mit eigenwilligen Filmen einen Namen, die sich an den Rändern der US-Gesellschaft bewegen. „Trash Humpers“ (2009) etwa zeigt eine Seniorenbande, die sich sexuell zu Mülltonnen hingezogen fühlt. Auch „Spring Breakers“ ist für einen einfachen Genrefilm zu fahrig, repetitiv und surreal, etwa wenn Franco eine Britney-Spears-Schnulze am weißen Klavier trällert und die Mädchen dazu in pinken Sturmhauben ihre Maschinengewehre schwingen. Der Kontrast zwischen den kindlich wirkenden Hauptfiguren in knalligen Outfits und ihren von Gewalt und Pornografie angeregten Fantasien rückt in den Mittelpunkt. Dass die Darstellerinnen zum Teil ehemalige Disney-Stars sind, verstärkt den Effekt und sorgt für gute Promotion. Zeitweise könnte man den Film als Kritik an amerikanischer Bigotterie sehen, wenn etwa die religiöse Faith die wahnwitzigen Exzesse ihren Eltern am Telefon als spirituelle Erfahrung schildert. Doch Korine zieht schnell weiter, verabschiedet Faith schon früh im Film und setzt ganz auf die amoralischsten Mädchen, Brit und Candy. Letztlich bleiben die Charaktere ungreifbar, und die Handlung hantelt sich eher mühsam von einer deftigen Szene zur nächsten. Wenn am Ende zwei neongelbe Bikinis in der Dunkelheit verschwinden, hat man eine schrille und verspielte, aber nicht wirklich fesselnde Kino-Party erlebt.

(Von Gregor Hochrieser/APA)

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