Drama

Bestseller im Kino

25.03.2008

ÖSTERREICH traf Regisseur Julian Schnabel, der über seinen Film "Schmetterling und Taucherglocke" sprach. Der Trailer hier!

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© Polyfilm
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Mit 43 Jahren erlitt ­Jean-Dominique Bauby, der Chefredakteur der französischen Elle, im Jahr 1995 einen Schlaganfall. Nach Wochen im Koma erwachte Bauby, blieb aber in seinem Körper gefangen: Das seltene „Locked-in-Syndrom“ machte ihm jede Bewegung unmöglich, nur mit seinem linken Auge konnte er zwinkern.

Bauby gab aber nicht auf. Er fand eine Methode, mit der Außenwelt zu kommunizieren – und sogar ein heiter-melancholisches Buch über sein Leiden zu schreiben: Eine Betreuerin hielt Bauby eine Tafel mit Buchstaben vors Gesicht, las sie ihm vor und Bauby zwinkerte, wenn der von ihm gewünschte Buchstabe angesagt wurde. Auf ­diese Weise konnte er Letter für Letter sein Buch schreiben. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung 1997 starb Bauby, sein Buch wurde ein Bestseller.

Preisregen
Regisseur und Maler Julian Schnabel hat ­diese Leidensgeschichte mit Matthieu Almaric (der Bösewicht im kommenden James-Bond-Abenteuer) verfilmt und erhielt dafür den Regie-Preis in Cannes, den Golden Globe als bester Regisseur und eine Oscarnominierung.

„Ursprünglich wollte ich den Film mit Johnny Depp in der Hauptrolle drehen“, sagt Schnabel im ÖSTERREICH-Interview. „Doch er hatte Terminprobleme. Außerdem wäre es komisch gewesen, wenn ich mit amerikanischen Schauspielern gedreht hätte, obwohl der Film in Frankreich spielt. Das Publikum hätte mich ausgelacht.“

Blickwinkel
Der Titel Schmetterling & Taucherglocke ist ein Synonym dafür, wie Jean-Dominique Bauby seine Welt nach dem Schlaganfall wahrnahm. Innerlich fühlte er sich leicht wie ein Schmetterling, äußerlich war sein Körper gefangen, wie in einer zentnerschweren Taucherglocke. „Für die visuelle Umsetzung wollte ich Baubys Wahrnehmung genau so zeigen, wie er sie beschrieb“, sagt Schnabel. „Viele Szenen sind aus seinem Blickwinkel gefilmt, sogar das Zwinkern seines Auges haben wir mit Auf- und Abblenden umgesetzt.“

Bio-Pics
Für Schnabel (nebenbei auch als Maler einer der wichtigsten Neoexpressionisten der Welt) ist Schmetterling & Taucherglocke erst die dritte eigene Regiearbeit. Seine Bio-Pics behandeln außergewöhnliche Schicksale außergewöhnlicher Persönlichkeiten. In Basquiat (1996) erzählte er vom gleichnamigen, früh verstorbenen Graffiti-Künstler, in Before Night Falls (2000) vom Schicksal des Aidskranken kubanischen Dichters Reinaldo Arenas. „Film ist meine zweite große Leidenschaft. Mit Film kann ich viele Menschen mit einer Geschichte berühren.“ Hauptberuflich bleibt Schnabel aber lieber Maler: „Mit dem Verkauf eines meiner Bilder verdiene ich mehr, als wenn ich ein ganzes Jahr lang Filme drehen würde.“

Kinostart 28. März

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