Tiefe Trauer

Schauspieler Dietmar Schönherr ist tot

18.07.2014

Er starb in der Nacht zum Freitag (18.07.2014)im Alter von 88 Jahren.

Zur Vollversion des Artikels
© Getty Images
Zur Vollversion des Artikels

Dietmar Schönherr hat einen Gutteil der verschiedenen Sparten des Showgeschäfts persönlich kennengelernt, sich aber im Laufe seines langen Lebens auch zum Entwicklungshelfer gewandelt - in mancherlei Hinsicht nicht unähnlich dem Leben von Karlheinz Böhm. Wenige Wochen nach dem Kollegen ist der gebürtige Tiroler Schönherr nun im Alter von 88 Jahren auf Ibiza verstorben.

Der Künstler, der aus altösterreichischer Traditionsfamilie stammte, wurde am 17. Mai 1926 als Dietmar Schönherr Edler von Schönleiten in Innsbruck geboren - als Sohn eines liberalen österreichischen Generals. 1938 übersiedelte die Familie nach Potsdam, wo Schönherr für den Film entdeckt wurde. 1943 stand er im UFA-Film "Junge Adler" erstmals vor der Kamera. 1944 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und desertierte im April 1945.

Umwege
Nach einem abgebrochenen Architekturstudium und einem Umweg als Reporter kehrte er als Regisseur und Hörfunkdramaturg wieder zum Kunstschaffen zurück, veröffentlichte Platten. Als Synchronsprecher von Größen wie James Dean, Sydney Poitier oder Steve McQueen fand er auch erneut zur Schauspielerei.

Sein Durchbruch im Film gelang ihm 1955 mit "Rosenmontag", spätestens mit Werken wie "Schachnovelle" (1960) oder "Ferien mit Piroschka" (1966) wurde er populär. Zu wirklichen Höhenflügen setzte seine Karriere als Darsteller dann in den 60er-Jahren an, als der Innsbrucker in der Rolle des Kommandanten McLane in der Serie "Raumpatrouille Orion" parallel zum "Star Trek"-Fieber die heimische Variante der Sternenreisen vollführte - und damit heute Kultstatus unter Sci-Fi-Fans erreicht hat.

"Wünsch dir was"
Für Furore in der Fernsehgemeinde sorgte er allerdings in einer anderen Rolle - als Moderator der innovativen TV-Show "Wünsch Dir was", die er von 1969 bis 1971 gemeinsam mit seiner Ehefrau, der dänischen Schauspielerin Vivi Bach, moderierte. Nicht zuletzt durch den Skandal ob erahnbarer Brüste dank der transparenten Bluse einer Kandidatin blieb die Show im Gedächtnis. Mit "Je später der Abend" zeichnete er 1973 für die erste Talkshow im deutschsprachigen Fernsehen verantwortlich.

Auch am Theater reüssierte Schönherr. Er war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele, zunächst in Hall, und ab 1982 in Telfs. 1983 inszenierte er etwa "Der Weibsteufel" von Karl Schönherr, mit dem er übrigens nicht verwandt war. Schönherr schrieb auch selbst Theaterstücke und Bücher wie "Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales" (2000) oder den autobiografischen Roman "Sternloser Himmel" (2006). Die Novelle "Begrabt mein Herz am Fuße des Berges" (2010) war eines seiner letzten Werke.

Entwicklungshilfe
Zwar blieb Schönherr bis ins hohe Alter dem kreativen Arbeiten verpflichtet und verkörperte zuletzt 2006 in einem Dokudrama Sigmund Freud. Sein größtes Engagement galt zu dieser Zeit jedoch bereits seit langem der Entwicklungshilfe in Nicaragua. 1988 gründete der auch bereits in der Friedensbewegung aktive Schönherr u.a. gemeinsam mit dem prominenten Befreiungstheologen Ernesto Cardenal das Kulturzentrum "Casa de los tres mundos" für Kinder und Jugendliche.

Um das Projekt zu finanzieren, hatte Schönherr eine Stiftung gegründet, aus der 1994 der Verein Pan y Arte hervorging - als Reminiszenz an sein eigenes Zitat "Brot und Kunst sind die wichtigsten Lebensmittel des Menschen. Wir kümmern uns um beides." Die Institution sorgte unter anderem für den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen. "Mein soziales Engagement ist nachhaltig, Filme geraten schnell in Vergessenheit", meinte Schönherr einmal: "Was ich mit meiner Stiftung in Nicaragua geleistet habe, ist mir wichtiger als alles, was ich auf der Bühne, in Film und Fernsehen gemacht habe."

Schönherr selbst lebte gemeinsam mit seiner Ehefrau Vivi Bach, mit der er knapp 50 Jahre verheiratet war, seit 1990 auf Ibiza - bis diese im Vorjahr verstarb. Am Freitag (18. Juli) ist Dietmar Schönherr ihr gefolgt.

 

Zur Vollversion des Artikels