Wiener Staatsoper

Staatsballett brillierte mit "Hommage"

16.12.2013


Dreiteiliger Abend auf hohem Niveau und mit kraftvoller Uraufführung.

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© APA/HANS KLAUS TECHT
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Eine "Hommage" an das Ballett, ein lustvolles Spiel mit dem Schwerpunkt und ein kraftvoller Tanz mit dem Tod: Das Wiener Staatsballett hat am 15. Dezember einen dreiteiligen Abend auf hohem Niveau aber fast ohne Live-Musik geboten. Eine Uraufführung von Natalia Horecna wurde umrahmt von zwei hochkarätigen Formenspielen: William Forsythes "The Second Detail" und Harald Landers "Etudes".



"Contra Clockwise Witness"   
Während beide - Forsythe und Lander - die Physis des klassischen Balletts in geradezu konträrer Weise deklinieren, dabei den Schwerpunkt der tanzenden Körper auf und ab wandern lassen und mit der rein arithmetische Ballett-Kombinatorik aus eins, zwei, drei, vier Tänzern Miniaturen ohne Geschichte darbieten, präsentiert Horecna in ihrer eigens für die Staatsoper geschaffenen Kreation "Contra Clockwise Witness" ein Handlungsballett (fast) im klassischen Sinne.  Ein Mann hängt am Galgen - ein selbst gewähltes Ende, das aber ein Anfang ist: Flankiert von Todes- und Lebensengeln, die ein bisschen gruselig sind, manche sehr schön und sphärisch und andere reichlich blödelhaft mit ihren goldgelockten Perücken, tritt seine Seele eine Reise an, besucht Lebensstationen, lässt sich von seinen himmlischen oder höllischen Begleitern durch Nebelschwaden führen, bis er wieder zum Galgen kommt und eine Entscheidung zu treffen hat.

Kurzzeitig Orchester ausgeschlossen
Esoterik und dunkle Groteske, romantischen Paartanz und verstörendes, nacktes Zittern, klassische Formensprache und Tiefenpsychologie verbindet Horecna in diesem 40-Minüter gekonnt und kraftvoll. Als gravierendes Problem erweist sich aber die Musik, die im Minutentakt von Vivaldi zu den Tiger Lillies schwenkt, durchwegs etwas zu laut vom Band kommt und keine homogene Stimmung aufkommen lassen will. Davon abgesehen: Eine Auftragsarbeit für die Wiener Staatsoper zu kreieren, ohne das Orchester einzubeziehen, ist unwürdig und schade. Weil der Graben auch bei dem vom Ensemble hervorragend umgesetzten "Second Detail" leer blieb (was bei diesem bereits als Klassiker des neuen Balletts zu bezeichnenden und fast ausschließlich von Percussion begleiteten Stück allerdings logisch ist), geht das Licht vor dem Pult von Peter Ernst Lassen erst bei Landers "Etudes" an und lässt dort vor allem den Konzertmeister mit dramatischen Soli glänzen.

Unbekannte Gesichter glänzten
Auf der Bühne kommen an diesem Abend eine ganze Reihe von Tänzern auch aus den hinteren Reihen der Compagnie zum Zug - darunter der erst kürzlich in der Volksoper erfolgreich als Choreograph in Erscheinung getretene Andrey Kaydanovskiy und die heimische Nachwuchshoffnung Prisca Zeisel. Aber auch die Stars der Truppe von Olga Esina über Vladimir Shishov bis zu Nina Polakova brillierten - wenn auch in weniger exponierten Rollen. Ballettdirektor Manuel Legris zeigt mit dieser Hommage ein klares Bekenntnis zur Modernisierung des Repertoires und zu starker Ensembleleistung.

Info
"Ballett-Hommage", Werke von Harald Lander, Natalia Horecna und William Forsythe, weitere Termine am 16.12., 8., 11. und 14. 2. 2015. Wiener Staatsoper; www.wiener-staatsoper.at



 
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