Kultur-Event
Wiener Festwochen - Eröffnung mit Patti Smith und "gebendem Blick"
20.05.2026Buntes Programm von Singer-Songwriter bis Black Metal "an unglaublich passendem Ort" - Auch Reden am Heldenplatz - Hymne "Oh Wien" für die "Republic of Gods" - BILD
Das Eröffnungsfest der bereits gestarteten 75. Wiener Festwochen mit dem Thema "Republic of Gods" findet am Freitag ESC-bedingt verspätet und an neuem Ort mit einem bunten musikalischen Programm von Singer-Songwriter über Oper bis Black Metal statt. Zwischen Reden und Musik am Heldenplatz wird es auch esoterisch. Denn der Kroate Braco, eigentlich Josip Grbavac, soll zwischen den Darbietungen seinen "gebenden Blick" auf die erwarteten 50.000 Besucherinnen und Besucher richten.
Da die Veranstaltung vom ORF übertragen wird, achte man darauf, dass es "viel Action gibt", betonte Intendant Milo Rau am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz gegenüber der APA. Darum sollen die Reden nicht zu lange dauern. "Im ersten Jahr hatte ich eine Jelinek-Rede von sieben Minuten, da war der ORF, so sehr sie Elfriede lieben, doch ein bisschen geschockt. Aber kleine Scherze, wie zum Beispiel den gebenden Blick von Braco - ich würde sagen, die längste Stille in der Geschichte des ORF - gestehen wir uns dann doch ein."
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) sprach vor den Medien von einem "unglaublich passenden Ort" für die Veranstaltung. Martin Traxl, TV-Kulturchef des ORF, assistierte: "Die Festwochen sind von ihrer Power her dazu fähig, diesen Platz neu zu definieren." Es gelte, den geschichtlich belasteten Ort mit Kultur zurückzuerobern. Die Bühne steht nicht wie bei anderen dortigen Veranstaltungen vor der Hofburg, sondern Richtung Rathaus. Es gehe nicht nur darum, "ein bisschen Musik zu konsumieren und damit nach Hause zu gehen", meinte Rau. "Sondern dass wir das Volk sind, wir können Kriege anfangen und beenden. Am Heldenplatz wurden Kriege ja begonnen, aber auch dagegen demonstriert."
Jubiläumsshow soll ganze Breite zeigen
Rau kündigte "auch komplett neue Songs und Reden aus dem Iran, aus der Ukraine, aus den USA und so weiter und so fort" an. "Es wird eine Jubiläumsshow, die die ganze Breite zeigen soll, in der wir arbeiten." Anders ausgedrückt: Eine "Mischung von Holzhammer und Kuscheln - wie immer."
Los geht es um 21.20 Uhr mit der Hymne "Oh Wien", vorgetragen von Schmusechor, StringQuartett und Steve Katona. Der Countertenor wird später im Programm u.a. "wahrscheinlich auch einen Händel schmettern", wie er sagte. Patti Smith absolviert am Heldenplatz ihren dritten Auftritt bei den heurigen Festwochen, die deutsche Sängerin und Songschreiberin Lara Hulo ist auch mit an Bord, ebenso das burgenländische Indie-Rock-Duo Cari Cari und die ukrainische Sängerin Marichka Shtyrbulova. Ganz andere Töne schlagen die norwegischen Frauen der Black-Metal-Formation Witch Club Satan an.
Scheinbar Trennendes zusammenführen
Smith für so viele Einsätze zu bekommen, "war zumindest nicht einfach", schmunzelte der musikalische Leiter Herwig Zamernik, auch als Fuzzmann bekannt. "Patti Smith ist ja quasi die Göttin des Punk, insofern geht es gar nicht passender für die Göttinnenrepublik." Über die Zusammenstellung des Programms gemäß dem diesjährigen Thema sagte er zur APA: "Milo und ich bringen gerne Dinge zusammen, die scheinbar nicht zusammengehören. Wo geht das leichter als im Glauben? Im Glauben gibt es ja leider so vieles, was trennt und auseinanderdividiert. Ich glaube aber fest daran, dass das Vereinende das Zentrum des Glaubens sein sollte."