Schlossspiele Kloiberdorf

Wolfgang Böck zeigt den "Zerrissenen"

26.03.2014

Regisseurin Wipplinger: Stückauswahl klares Zeichen gegen "Turbokapitalismus".

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© Manfred Pauker
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Die Schlossspiele Kobersdorf zeigen heuer im Sommer mit "Der Zerrissene" zum bereits neunten Mal ein Stück von Johann Nestroy. Die Entscheidung für dieses Stück sei von Intendant Wolfgang Böck und Regisseurin Christine Wipplinger nicht zufällig gefallen. Denn es sei eines der spannendsten und - Stichwort Hypo - aktuellsten im Moment, erklärte Wipplinger am Mittwoch. Premiere ist am 1. Juli.

Ein Stück mit Aussage
"'Der Zerrissene' ist, glaube ich, sicher eines der besten Stücke unseres großen österreichischen Shakespeares, Johann Nepomuk Nestroy. Ein Stück, das viele Themen aufreißt - diese großen Themen Geld und Liebe - von dem einen hat man zu viel, vom anderen zu wenig." Das sei auch das Problem der Hauptfigur, erläuterte Böck bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Bis diese das aber "überhaupt überreißt, ist dieses Stück auch schon fast wieder vorbei. Aber auf dem Weg dorthin ist es sehr, sehr unterhaltsam." Mit der Stückauswahl wolle man laut Wipplinger ein "ganz klares Zeichen" setzen, "in einer Zeit, wo dieser Turbokapitalismus ein immer wahnsinnigeres Ausmaß annimmt und die Schere zwischen Reich und Arm immer größer wird", meinte sie. Diese Kluft wolle sie besonders hervorarbeiten.

Parallelen zur Realität
Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) fand auch Parallelen zu politischen und wirtschaftlichen Skandalen. Die Palette reiche von Karl-Heinz Strasser bis zur Affäre rund um Ex-Begas-Boss Rudolf Simandl. Man könne sehen, "dass das wirklich ein dramatisch aktuelles Stück ist", so Bieler. Nestroy - "Der Zerrissene" wird in Kobersdorf bereits zum dritten Mal aufgeführt - sei für Wipplinger "einer der größten Meister des Wortwitzes und was Sprachen anbelangt. Er kann mit einer unglaublichen Schärfe und Genauigkeit die Schwächen unseres menschlichen Daseins beschreiben wie kaum ein anderer, der wirklich in diese Wunden hineingreift. Aber es mit einer Leichtigkeit und einem Witz aufbereitet und uns als Zuschauer eigentlich ermöglicht, wenn wir da oben auch ein Spiegelbild sehen, dass wir trotzdem lachen können."

Musik mit neuem Anstrich
Gespielt wird weder in der Originalzeit noch in der heutigen, sondern in einer laut Böck "zeitlosen Zeit". Auch die Musik werde nicht original sein, sondern vom musikalischen Leiter Andreas Radovan kommen. Gesungen wird live, die Musik kommt vom Band.
 Beim Bühnenbild - hier setzt Böck einmal mehr auf Erich Uiberlacker - wird mit den Gegensätzen gespielt. "Das eine ist diese sehr reiche, wohlhabende Welt des Herrn von Lips (gespielt von Fritz Hammel) und da ist natürlich unser Schloss der ideale Ort. So viel Schloss wie heuer haben wir noch nie gezeigt", verriet Uiberlacker über den ersten von zwei Akten. Im zweiten Akt wird das andere Extrem bedient. Ein Gutshof wird "sinnlich gemacht mit absolut realen Elementen." Stroh, Heu und Mulch werde es geben - "und es wird riechen".

Intendant auch auf der Bühne
Neben Hammel sind u.a. auch Böck als Gluthammer und Wolf Bachofner als Krautkopf zu sehen. Die Rolle der Kathi übernimmt Sarah Jeanne Babits - ein Neuzugang mit burgenländischen Wurzeln. Gespielt wird vom 1. bis 27. Juli. Intendant Böck nutzte die Pressekonferenz nicht nur, um Werbung für die heurige Produktion zu machen, sondern auch, um seinen Unmut über "die Geschehnisse der vergangenen Wochen und Monate" im Bezug auf das Wiener Burgtheater zu äußern: "Ich finde - und nicht nur ich finde das so, sondern viele meiner Kolleginnen und Kollegen finden das so - dass ein poar Pfeifenstierer - sog i jetzt amoi so goschat - wirklich eine Branche und eine Masse angepatzt haben, dass einem das Kotzen kommen kann. Das möchte ich hier noch gesagt haben." Außerdem wollte er Bieler und den anwesenden Sponsoren "versichern, dass mit ihrem Geld in Kobersdorf pfleglichst umgegangen wird."

Info
"Der Zerrissene" von Johann N. Nestroy, Schlossspiele Kobersdorf, 1. bis 27. Juli 2014, www.schlossspiele.com



 
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