Leidenschaft

Witting: "Ein Bienenstock ohne Ruhe"

21.08.2012

Manuel Witting über das Leben im Hörbigerhaus und seine Liebe Julia.

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© TZ ÖSTERREICH Johannes Kernmayer
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"Es kommt noch dicker“, heißt es für Manuel Witting gottlob nur im Film – in jener Serie, die ab 3. September um 20.15 Uhr in ORF 1 zu sehen sein wird. Privat ist der 35-jährige Schauspieler nämlich sehr entspannt. Sogar als er sich für ein schönes Foto mitten in eine Ameisenstraße setzt, die bald unter sein Shirt führt. Doch der Sohn von Maresa Hörbiger lacht nur darüber. Humor ist überhaupt ein wichtiges Thema...

Im Interview mit Madonna SOCIETY spricht Manuel Witting über die Hörbigers, seine große Liebe Julia, seinen Keramik-Charakter und seinen Schuh-Tick.

Wie war Ihr Dreh mit Mirjam Weichselbraun und Wolke Hegenbarth?
Witting:
Wunderbar. Wolke kannte ich ja schon, Mirjam nicht. Wolke ist schnell im Kopf, spielt mit irrsinniger Präzision und hat einen guten Schmäh. Sie ist kein Kind von Traurigkeit und hat eine Mörder-Pappalatur, wie man so schön sagt. Auch mit Mirjam waren es vertraute Rhythmen – sprichwörtlich, denn wir mussten tanzen. Und in den Drehpausen spielten wir Schach. Ich besiegte sie, obwohl sie mal in einer Meisterschaft gespielt hatte. Mit Wolke habe ich noch eine Rechnung offen, vielleicht in Mühle...

Hatten Sie denn so viel Zeit?
Witting:
Jein, denn wir hatten vier anstrengende Nachtdrehs. Aber es gab auch viele Pausen, denn die Mädels mussten ja in Fatsuits schlüpfen und hatten zentnerweise Schminke in ihren Gesichtern, damit diese richtig fett rüberkommen.

Ihre Freundin, die Visagistin Julia Seilern, hatte also keinen Grund zu Eifersucht...
Witting:
Ich hoffe doch! Denn ich bin ja auch eifersüchtig, wenn sie arbeitet. Schließlich ist sie ja sehr fesch... Grundsätzlich habe ich aber nur zwei Probleme: Fotografen und Schuhe. Zum Leidwesen meiner Agentin mache ich mir nämlich nie Fototermine aus und gehe nie Schuhe einkaufen. Das sind übrigens meine neuesten (zeigt auf seine schwarzen Adidas; Anm.). Es ist nämlich nicht egal, welche Sneakers man trägt. Eigentlich mag ich schöne Lederschuhe ja lieber, aber die sind oft zu hart. In letzter Zeit bin ich jedenfalls zu viel in Crocs rumgelaufen...

Was mögen Sie mehr? Anspruchsvolles Theater oder leichte Serienkost?
Witting:
Beides, denn ich mache mir den Anspruch selbst. Denn ich versuche immer, nicht klischeehaft zu spielen, nicht 08

15. Mir wird jedenfalls mir nie langweilig, denn ich sage mir immer: Das hättest du eigentlich ganz anders spielen müssen. Aber auch: Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. Ich schaffe es Gott sei Dank, mich immer neu zu fordern.

Wie ist es, wenn Sie ständig Besuch von fremden Menschen habe, die zu den Theaterabenden im Hörbigerhaus kommen?
Witting:
Ich musste mich darauf einstellen, dass unser Haus ein Bienenstock ohne Ruhe ist. Aber ich bin ja gewissermaßen mit Öffentlichkeit aufgewachsen. Außerdem ist es eindeutig, wo es privat wird. Wir mussten auch noch nie unsympathische Stopp-Schilder aufstellen, bislang werden unsere Räume respektiert.

Wie lebt es sich als Angehöriger des berühmten Hörbiger-Clans?
Witting:
Man schaut, dass man selbst berühmt wird und sich der Abstand schnell verringert (lacht). Mit meiner Mutter Maresa lebe ich ja hier mittlerweile wieder unter einem Dach. Dieses Haus ist eine gute Basis für mich, hier lade ich mich auf, ziehe weiter. Außerdem befindet sich zwischen der Wohnung meiner Mutter im Erdgeschoss und meiner im zweiten Stock ja der geschickt positionierte Theatersaal...

Gab es einen Moment, in dem Sie sich gewünscht hätten, kein Hörbiger zu sein?
Witting:
Ja, in der Schauspielschule. Mir war wichtig, dass das keiner weiß. Schließlich wollte ich nicht nur wegen meines Namens aufgenommen werden. Später kam ich allerdings drauf, dass das eh alle gewusst haben, hatte aber Indizien, dass dies auch mit dem Talent zu tun hatte. Wie auch immer. Anfangs hatte ich Probleme, weil ich geglaubt habe, schon alles über diesen Beruf zu wissen. Ich war wie Keramik, an der alles abprallt, statt ein saugfähiger Schwamm. Doch nach einem Gespräch mit einer Lehrerin ging mir auf, dass ich meinen Hörbiger-Rucksack abschnallen und spielen lernen muss. Ich halte mich gern an einen Satz von Michael Cane: Weniger ist mehr. Demut vor dem Beruf ist nämlich ganz, ganz wichtig.

Wie oft werden Sie eigentlich auf Ihre berühmte Tante Christiane angesprochen?
Witting:
Gar nicht so oft. Und wenn, sagen die Menschen ohnehin nur Gutes. Außerdem hab ich diesbezüglich eine Hornhaut bekommen. Auch ich bin ein Fan von ihr, bald drehen wir das erste Mal gemeinsam –„Schon wieder Henriette“. Von ihrer Erfahrung würde ich mir gern ein Scheibchen abschneiden, im Beruf wie im Leben. Ich musste nämlich erst hart landen.

Wie geht es auf Familientreffen zu?
Witting:
Interessant, denn hier lassen alle alles am anderen aus. Es ist ein Riesenkarneval, die Kids rennen herum, Erlebnisse werden ausgetauscht. Lustig...

Apropos Familie. Wollen Sie Ihre Freundin Julia, mit der Sie Ihren zweijährigen Sohn Samuel haben, eigentlich heiraten?
Witting:
Da sage ich wie ein Computerguru: Never change a running system! Wir sind auch ohne Trauschein eher ein Mac als ein PC. Es ist sehr angenehm...

War es Liebe auf den ersten Blick?
Witting:
Es war eher ein Flirt auf den ersten Blick, in der Josefstadt. Liebe wurde es erst später. Am Anfang gab es scharfe Blicke, aber nicht ins Innere hinein.

Wo schauen Sie bei einer Frau zuerst hin?
Witting:
Überall dort hin, wo es sich nicht gehört. Ohne Füße geht bei mir aber gar nichts, die sind immer eines Blickes wert. Auch Humor ist ganz wichtig – in einer Beziehung, im Flirt, in der Sexualität.

Hätten es Ihre Eltern erlaubt, dass Sie beispielsweise Schlosser geworden wären?
Witting:
Ich glaube schon, denn ich bin ja Schauspieler geworden, weil keiner gesagt hat: Du musst! Mich hätte zum Beispiel ein Architektur-Studium interessiert, wenn da nicht diese Mathematik wäre... Obwohl ich meinen Beruf wahnsinnig gern mag, habe ich wie alle Schauspieler diese Ausstiegspläne. Nach meinem Urlaub in Vorarlberg hatte ich jüngst die Idee, Bergführer zu werden. Aber ich bleibe bei meinen Leisten. Bis zu meinem Engagement in der Josefstadt, wo ich mich oft über mich selbst oder Kollegen ärgern musste, traute ich mich aber nie, mich Schauspieler zu nennen. Dieser Beruf ist daheim ja eine Religion (schmunzelt).

Mehr spannende Star-Storys finden Sie ab sofort in der neuen Ausgabe von Madonna SOCIETY.

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