Paukenschlag

Sofort beurlaubt: Hinterhäuser verlässt Salzburger Festspiele

26.03.2026

Seit längerem gab es einen Konflikt zwischen dem Kuratorium unter Vorsitz von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) und Intendant Markus Hinterhäuser. Jetzt zieht Edtstadler die Notbremse - und beurlaubt Hinterhäuser mit sofortiger Wirkung.

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Salzburg. Die Salzburger Festspiele und ihr Intendant Markus Hinterhäuser gehen ab sofort getrennte Wege. Das ist das Ergebnis einer Besprechung der Anwälte der Festspiele und des Intendanten und seiner Rechtsvertretung, teilte das Festspielkuratorium am Donnerstag in einer Aussendung mit. Beide Seiten verständigten sich darauf, dass Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrages, das ist der 30. September 2026, beurlaubt ist. Als offizieller Grund werden unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede und Differenzen genannt. Konkret geht es um Hinterhäusers versuchten Alleingang bei der Besetzung der Schauspieldrektorin sowie einen Verstoß gegen eine "Wohlverhaltensklausel"

© APA/Gindl

Rasch Interimslösung gesucht

Über die Details der Vereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart. Als nächsten Schritt wird das Kuratorium umgehend die Position der künstlerischen Leitung interimistisch besetzen. "Hier laufen bereits Gespräche mit Kandidatinnen und Kandidaten. Ungeachtet dessen laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung der Künstlerischen Intendanz", heißt es in der Aussendung.

"Ich nehme das Ergebnis der Gespräche zwischen Intendant Hinterhäuser und dem Kuratorium zur Kenntnis. Jetzt gilt es nach vorne zu schauen und für die Salzburger Festspiele rasch eine neue künstlerische Intendanz für die kommenden Jahre zu finden, die auch mit der Situation der Generalsanierung der Festspielhäuser gut umgehen kann", hieß es unmittelbar darauf in einem Statement von Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) gegenüber der APA.

Auslöser neue Schauspielleitung

Unmittelbarer Auslöser der Differenzen war die Neubesetzung der Schauspielleitung. Nach der frühzeitigen Trennung von Marina Davydova nach nur einem Jahr Ende 2024 hatte das Kuratorium eine transparente Vorgangsweise samt Ausschreibung verlangt. Auf diese hatten sich 23 Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Sechs von ihnen wurden dann zu einem Hearing geladen, fünf erschienen. Unmittelbar nach dem Hearing berichteten Medien, dass Hinterhäuser die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin für den Posten bezeichnet haben soll. Dabei hat die 72-Jährige aber weder am Auswahlverfahren noch am Hearing teilgenommen.

Wirbel um den Jedermann

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Doch schon zuvor hatte es "Wickel" rund um Hinterhäuser gegeben. Im Herbst 2023 sorgte die überraschende wie unglückliche Ausladung von Jedermann-Regisseur Michael Sturminger und seines Teams für Negativschlagzeilen und öffentlich ausgetragene Verärgerung. Die Politik war not amused. Auch mit Marina Davydova, die Hering 2023 ablöste, dauerte es nicht lange bis zum Zerwürfnis, gaben die Festspiele doch bereits Ende 2024, kurz vor Bekanntgabe des Programmes für 2025, die sofortige Auflösung des Dienstverhältnisses mit der Theatermacherin bekannt. Als Grund wurden Verstöße gegen vertragliche Dienstpflichten genannt, weil Davydova ihre Tätigkeit bei einem Berliner Theaterfestival nicht angezeigt habe.

Letztlich einigte man sich auf eine Einvernehmliche, auch wenn Davydova im Nachhinein unter anderem mit Sätzen wie "Es zeigt sich, dass intellektuelle Brillanz vor psychischen Problemen nicht schützt" aufhorchen ließ. Es mehrten sich kritische Töne zum Führungsstil des Intendanten und seinem Umgang mit Mitarbeitern und Künstlern. 

 

© APA

Das Kuratorium, in dem die Fördergeber Bund, Land und Stadt Salzburg und der Salzburger Tourismusförderungsfonds vertreten sind, reagierte schwer verärgert. Eine Sitzung, in der sich Hinterhäuser erklären musste, dürfte dann laut Teilnehmern ziemlich aus dem Ruder gelaufen sein. Schließlich verkündete das Kuratorium, dass Hinterhäuser die Bedingungen zur Fortsetzung seines Vertrages über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe. Denn eigentlich war schon eine Verlängerung bis Herbst 2031 vereinbart worden. Gleichzeitig wurde dem Intendanten das Angebot unterbreitet, noch ein Jahr weiterzumachen, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen. Hinterhäuser ließ die gesetzte Frist allerdings verstreichen und teilte schließlich mit, dass er von einem rechtsgültigen Vertrag bis 2031 ausgehe. Daraufhin wurde die Causa den Anwälten übergeben.