In Zukunft

Bluttest soll Krebs und MS erkennen

08.09.2011

Früherkennung: Forscher entwickeln Bluttest für schwere Krankheiten.

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Viele Krebserkrankungen werden oft erst erkannt, wenn es schon fast zu spät ist. Ein neuer Bluttest könnte das schon in naher Zukunft ändern. Fast 50 deutsche Forscher haben bestimmte Moleküle im Blut von Patienten entdeckt, die deutlich auf schwere Krankheiten wie Multiple Sklerose, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder chronische Lungenerkrankungen hinwiesen. Für 14 bisher teils schwer erkennbare Krankheiten konnten die Mediziner so ein Blutprofil erstellen. "Das ist eine wichtige Grundlagenforschung, die schon in wenigen Jahren für Risikopatienten sehr wichtig sein könnte", sagte Jörg Wischhusen von der Frauenklinik der Universität Würzburg.

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Hinweise auf Erkrankung
Im Blut gibt es mehr als 1.400 sogenannte Mikro-Ribonukleinsäuren (Mikro-RNA). Die im Blut ausgelesenen Werte dieser Moleküle ergeben ein bestimmtes Profil: "Wenn beispielsweise RNA 128 hochgeht und RNA 310 dafür fast nicht im Blut zu finden ist, liegt eine bestimmte Erkrankungen vor", erklärt Wischhusen.

Im Rahmen der Studie haben die Forscher so herausgefunden: Etwa 100 Mikro-RNA geben Aufschluss über bestimmte Krankheiten. Dass die Wissenschafter diese Biomarker gefunden und daraufhin Blutprofile für schwere Krankheiten erstellen konnten, ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Untersuchung.

90-prozentige Sicherheit
Die Würzburger Forscher haben dafür das Blut von etwa 50 Patientinnen mit und ohne Eierstock-Krebs auf ihr Mikro-RNA-Profil hin untersucht. "Die Tests haben eindeutig gezeigt, dass bereits im Blut mit etwa 90-prozentiger Sicherheit erkennbar ist, ob die Frau Eierstock-Krebs hat oder nicht", sagte Wischhusen. Das klingt zwar sehr vielversprechend, aber die Forscher sind damit noch längst nicht zufrieden. "Eigentlich bräuchten wir über 99 Prozent für die Marktreife. Das macht den Test sehr anspruchsvoll."

Für die Nervenkrankheit MS und den Bauchspeicheldrüsenkrebs waren die Ergebnisse hingegen sehr gut. "Das waren wahnsinnig gute Daten mit mehr als 99 Prozent Trefferquote", sagte Wischhusen.

"Dass so viele Mediziner auf der Basis eines bestimmten Protokolls forschen, ist wirklich selten und zeigt den Stellenwert dieser Studie", sagte Bioinformatiker Andreas Keller von der Universität des Saarlandes. Er begleitete die Studie federführend und fasste sie zusammen. Die Ergebnisse der Tests mit rund 700 Probanden hat das Magazin "Nature Methods" online veröffentlicht.

Ein Test für mehrere Krankheiten
Mittelfristiges Ziel der Wissenschafter ist es, mit einem einzigen Test mehrere Krankheiten zuverlässig diagnostizieren zu können. Doch trotz der positiven Studienergebnisse könne das noch mehrere Jahre dauern. "Da ist noch viel Arbeit, viel Geld und einiges an Untersuchungen notwendig, bis tatsächlich ein marktreifes Produkt die Zulassung erhält", sagt Wischhusen.
 

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