Interview
Karim Rashid im Interview: Design braucht mehr Farbe
13.02.2026Der Popstar der Designwelt präsentiert KARE x Karim Rashid: Eine farbenfrohe Kollektion mit emotionaler Designssprache.
Seine Vorliebe für Vielfalt und Extravaganz brachte dem US-amerikanischen Designer Karim Rashid (65) den Beinamen „Popstar der Designwelt“ ein. Ein Titel, den er mit großem Stolz trägt. Seine aktuelle Kooperation mit dem Möbelunternehmen KARE unterstreicht seinen Ruf und gibt einen guten Eindruck von seinem farbenfrohen und energiegeladenen Stil. Zum Launch der Kollektion KARE x Karim Rashid sprach er mit LIVE&STYLE über seine Entwürfe und die Entwicklungen seiner Branche während der letzten Jahre. „Wir sind ein bisschen banal geworden“, plädiert er für mehr Provokation im Wohnbereich.
Sie launchen Ihre neue Kollektion mit KARE. Wofür steht sie?
Karim Rashid: KARE hat mir erlaubt, zu experimentieren. Sie haben viele Stile, sie blicken in die Vergangenheit und interpretieren neu. Ich wollte etwas machen, das eigentlich keinen klaren Stil hat. Damit meine ich, es ist organisch, weich, fließend, farbenfroh, verspielt und es ist wie eine Erweiterung meines Geistes. Das hat das Kind in mir hervorgebracht. Ich war mein ganzes Arbeitsleben lang in einer modernistischen Doktrin verwurzelt. Im Design ist oft alles übermäßig ernst. Hier sah ich eine Gelegenheit, weil KARE verspielte Dinge macht. Ich konnte mit Figuren arbeiten und mit Materialien, Farben und Formen spielen. Ich wollte etwas schaffen, das sehr weich und ansprechend und ein wenig provokant ist.
Brauchen wir mehr Farbe im Design?
Rashid: In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sind wir nicht nur ernster geworden, sondern auch ein bisschen banal. Besonders im Wohnbereich. Alles ist in Beigetönen gehalten und versucht, die Natur zu imitieren. Ich habe mich gefragt: Was ist aus den Zeiten geworden, als ich ein Teenager, ein Kind war? Etwas, das ich all die Jahre in meine Arbeit eingebracht habe, ist dieses Gefühl, über die Zeit zu sprechen, in der wir leben, und gleichzeitig Dinge zu tun, die provokant und voller Energie sind. Wenn ich an die Menschen denke, die ich bewundert habe, als ich jünger war und Design gelernt habe, waren es genau solche Menschen: Verner Panton oder Victor Vasarely als Maler oder Luigi Colani als Formgeber. Ihre Arbeiten wirkten voller Energie, positiv und neu.
Welche Materialien, Farben und Formen bilden den Kern Ihrer Kollektion?
Rashid: Das Erste war, auf eine gewisse Weise sehr minimal zu arbeiten, aber mit sinnlichen, großen organischen Formen. Ein großer Sessel und ein sehr weiches, großes, fließendes Sofa. Ich hatte schon immer eine Abneigung gegen das, was ich Hindernisse im Zuhause nenne. Dinge, die um der Form willen geformt sind und nicht sehr funktional. Wenn man zu Hause ist, sollte man in Socken oder im Pyjama sein. Es ist ein Ort für den eigenen persönlichen Raum und die Entspannung. Wenn man einen großen, quadratischen Marmorcouchtisch mitten ins Wohnzimmer stellt, bewirkt er das Gegenteil von dem, was der Raum eigentlich tun sollte. Wenn ich auf dem Sofa sitze, sollte ich nicht das Gefühl haben, dass ich an ein Bein stoße. Ich habe einfach eine Weichheit gesehen. Es gibt keine wirklichen dekorativen Muster.
KARE hat Ihnen Freiheit gegeben. Ist das schwer zu finden?
Rashid: Mehr denn je. In den 90ern, als meine Karriere in Gang kam, konnte ich viele interessante Dinge machen und mir wurde viel Freiheit gewährt. Das kam größtenteils aus der italienischen Möbelindustrie. Seit den 60ern haben sie immer experimentiert. Früher ist italienisches Design aus Leidenschaft entstanden, nicht aus Geld. Das hat es so kraftvoll gemacht. Unternehmen sind Risiken eingegangen, weil sie sich zeigen wollten. Diese Zeiten sind vorbei. Heute sind alle auf den Verkauf fokussiert. Alles wurde Off-White, beige und Bouclé. Das ist auch ein Problem der sozialen Medien. Sie haben – das ist ein großes Paradox im digitalen Zeitalter – die Individualität gestärkt. Gleichzeitig sind wir zu einer gleichen Welt mit einem einzigen massiven Trend geworden. Es spielt keine Rolle, welche Kultur, welches Land. Authentizität verschwindet.
Hoffen Sie, die Menschen mit Ihrer Kollektion zu ermutigen, sich auszudrücken und mehr zu riskieren?
Rashid: Das hoffe ich, und ich hoffe auch, dass die Menschen das unabhängig von meiner Kollektion tun.
Manchmal brauchen Menschen einen kleinen Anstoß.
Rashid: Ich denke, im Moment brauchen viele von uns einen großen Anstoß. Wenn man etwas macht wie das, was ich mit KARE gemacht habe, ist das ein bisschen Provokation, die den Geist hebt. Man schaut etwas an und lächelt, in einer Zeit, die turbulent ist. Je mehr los ist, desto mehr brauchen wir diese Objekte und Dinge in unserem Leben, die uns positive Energie und einen positiven Geist geben. Mehr Unternehmen, nicht nur Möbelhersteller, müssen ihren eigenen Weg finden. Mehr Eigenes herausbringen, Verantwortung für Originalität übernehmen und darüber nachdenken, wie sehr unser mentales Wohlbefinden von unserer physischen Umgebung geprägt wird.
Wie beeinflussen die turbulenten Zeiten, in denen wir leben, das Design?
Rashid: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich habe eine Hotelkette gestaltet. Ich konnte wirklich spielen und experimentieren. Es waren Low-Budget-Hotels, aber ich habe alle möglichen interessanten Muster und Farben eingesetzt. Die Stimmung war sehr energetisch und positiv. Jetzt hat sich die Kette dahin verändert, die Konkurrenz zu imitieren oder ähnliche Dinge zu machen. Das sehe ich in der Möbelindustrie, das sehe ich in vielen Branchen, in der Modeindustrie. Wir konkurrieren miteinander. Es gibt viel Kopieren, sehr wenig Führung, meistens nur Nachahmen. In dieser Hinsicht hat sich Design verändert.