Tatort-Neustart

Die neuen „Tatort“-Stars Miriam Fussenegger und Laurence Rupp im Talk

02.05.2026

Dienstantritt beim Kult-Krimi: Miriam Fussenegger und Laurence Rupp drehen in Wien ihren ersten „Tatort“. Der Talk über ihre lange Freundschaft und ihre neuen Rollen. 

Zur Vollversion des Artikels
© ORF/Thomas Ramstorfer
Zur Vollversion des Artikels

Noch können sich viele Fans einen Austro-„Tatort“ ohne Adele Neuhauser (67) und Harald Krassnitzer (65) nur schwer vorstellen. Das beliebte Wiener Duo ermittelt seit 2011 gemeinsam, Krassnitzer ist sogar schon seit 1999 als Moritz Eisner im Einsatz. Ihr Ende ist besiegelt – Ende des Jahres lösen die beiden ihren letzten Mord und machen einem neuen Duo Platz: Miriam Fussenegger (35) und Laurence Rupp (38) übernehmen. Die neuen „Tatort“-Stars haben den Dienst gerade angetreten und drehen in Wien ihren ersten Fall, der 2027 zu sehen sein wird. Sie schlüpfen in die Rollen von Charlotte „Charlie“ Hahn und Alex Maleky, einem Geschwisterpaar, das zur Zusammenarbeit gezwungen wird.

Mord im Gemeindebau

Ihr Debütfilm führt Miriam Fussenegger und Laurence Rupp unter der Regie von Dominik Hartl (43) in einen Wiener Gemeindebau, in dem ein Sturz aus dem Wohnungsfenster sich schnell als Mord entpuppt, der ihnen schwere Rätsel aufgibt. Beim Setbesuch in einem Gemeindebau in Wien-Margareten ließen die beiden sich auf die Finger schauen und zeigten sich erstmals in ihren neuen Rollen. In MADONNA sprechen die „Tatort“-Stars über ihre Figuren, ihre jahrelange Freundschaft, Druck und über die großen Fußstapfen, in die sie folgen.

© ORF/Hubert Mican

Miriam Fussenegger im Talk 

Sie kennen Laurence Rupp schon lange. Hilft Ihnen das jetzt bei der Arbeit?
Miriam Fussenegger:
Wir spielen Geschwister und die kennen sich ein Leben lang. Wir kennen uns zwar nicht unser Leben lang, aber eine gewisse Vertrauensbasis ist da. Die müssen wir nicht von null aufbauen. Abgesehen davon ist es angenehm, wenn man sich kennt und austauschen kann. Man kann sich aufeinander verlassen und der Schmäh rennt. Es gibt gemeinsame Erlebnisse, Dinge, über die man lachen kann. 

Wie ist die Geschwisterdynamik zwischen Ihren Figuren? In so einer Geschwister-Konstellation können die Fetzen fliegen.
Fussenegger:
Charlie und Alex sind sehr unterschiedlich. Sie ergänzen sich aber – wahrscheinlich zu ihrem Leidwesen – sehr gut. Zusammen ergeben sie den perfekten Ermittler, wenn man das so nennen kann. Ich bin zwar Einzelkind, aber ich kann mir vorstellen, dass es, wenn man mit Geschwistern zusammenarbeitet und dazu eigentlich gezwungen wird, Spannungen mit sich bringt. So ist es auch in dieser Geschichte. Einerseits gibt es Spannungen, aber andererseits auch ein Vertrauen. Sie verstehen sich blind und wissen, wie der andere tickt – das alles schwingt mit.

Wie konnten Sie diese Figur zu Ihrer machen? 
Fussenegger:
Die Figuren existieren, wenn man gecastet wird, immer schon. Man darf sie aber weiterdenken und sagen: „Ah, das wäre noch cool.“ Oder auch: „Da fehlt noch etwas.“ So war dieser Prozess. Das war für mich als Schauspielerin toll. Man kann sich immer irgendwie einbringen, aber in den Drehbuchprozess wird man normalerweise nicht eingebunden. Es war schön, einen Schritt früher eingebunden zu werden und mitreden zu dürfen.

Ab wann wussten Sie, dass Sie für den „Tatort“ gecastet werden?
Fussenegger:
Das war ein Geheimnis, aber irgendwann haben es alle gewusst. Ich glaube, der ORF wollte es wirklich geheim halten, aber es wurde schwierig. Nach der ersten Runde bin ich heimgekommen und mein Partner hat sofort gesagt: „Das ist der ‚Tatort‘.“ Sie haben es aber danach noch Monate nicht ausgesprochen, bis es fix war.

Was bedeutet es für Sie, im „Tatort“ zu sein? Ist das etwas Besonderes?
Fussenegger:
Es ist fast eine Adelung, wenn man den „Tatort“ macht. Aber ich weiß eigentlich nicht, warum. Das ist wie beim „Jedermann“ und der Buhlschaft. Da denkt man sich auch: Warum? Diese 30 Sätze, die hupft einmal mit dem Kleidl über die Bühne? Das ist eine Form von Tradition. Ich glaube, jetzt ist es auch sehr aufgeladen, weil die Vorgänger:innen dieses Amt so lange innehatten. In Österreich gibt es außerdem nur ein Team. In Deutschland ist das anders – da gibt es viele Teams. Ich glaube, beim „Tatort“ sind die Ermittler:innen auch spezielle Charaktere. Das macht sie zu Identifikationsfiguren.

Was macht der Vergleich mit den Vorgänger:innen mit Ihnen?
Fussenegger:
Ich habe diesen Vergleich überhaupt nicht. Das passiert im Außen. Ich verstehe das auch, und das wird sicher in der Rezension Thema sein. Ich bin nicht Adele Neuhauser. Ich bin ganz anders. Wir stehen an unterschiedlichen Punkten unseres Lebens und kommen von woanders. Bei Laurence ist es genauso. Es ist ein großes Interesse vorhanden und das erzeugt natürlich auch eine Form von Druck. Aber ich erlebe es nie im Vergleich. Ja, es sind große Fußstapfen, aber es ist jetzt halt etwas Anderes. Vielleicht wird es dauern, bis das angenommen wird. Das ist ein Prozess. Das stresst mich überhaupt nicht.

Was stresst Sie? 
Fussenegger:
Der „Tatort“ steht im Fokus und wird im gesamten DACH-Raum ausgestrahlt. Ich glaube, das spürt jeder und jede, der oder die daran beteiligt ist, diesen Wunsch, dass es ein schönes Endprodukt wird, bei dem man sich denkt: „Cool, das sind jetzt die neuen Ermittler und da funktioniert etwas, das schaut man sich gerne an. Es ist spannend, hat Tiefe und Schmäh.“ Dieser Wunsch besteht und es ist der erste Film, das ist ein Beginn. 

Laurence Rupp im Talk

Von „In 3 Tagen bist du tot“ über „Vorstadtweiber“ bis zu „Barbaren“ und „Hunyadi“: Laurence Rupp gehört zu den erfolgreichsten österreichischen Schauspielern. Auch im „Tatort“ übernahm er in der Vergangenheit Episodenrollen, in denen er meist den Tod fand. Im MADONNA-Interview spricht er über seine Figur Alex Maleky, ein ehemaliger WEGA-Beamter, der das Herz am rechten Fleck hat, und den streng geheimen Casting-Prozess.

Die ersten zehn Drehtage liegen hinter Ihnen. Wie läuft es?
Laurence Rupp:
Überraschend gut. Ich konnte die ersten Nächte nicht schlafen. Ich war doch aufgeregt und habe mich die ganze Zeit gefragt: „Funktioniert das eh alles?“ Aber wir kriegen das gut hin. Wir haben mit Dominik Hartl einen sehr guten Regisseur und einen tollen Partner, der uns ganz fein unterstützt. Auch mit Miriam Fussenegger ist es fantastisch. Das wusste ich aber schon. Das ist keine Überraschung.

Sie kannten einander schon. Wie ist Ihr Verhältnis?
Rupp:
Wir haben vier Jahre lang zusammen studiert und waren im selben Jahrgang. Das ist mehr ein schulisches Studieren, anders als an anderen Universitäten. Du bist von acht Uhr Früh bis acht Uhr am Abend jeden Tag in der Schule zusammen. Deswegen sind wir uns sehr sehr nahe. Wir waren damals schon befreundet – und sind seither befreundet.

Hat das beim Casting eine Rolle gespielt?
Rupp:
Überhaupt nicht. Ich habe die Castingbänder nicht gesehen, aber ich nehme an, es gab eine gewisse Vertrautheit, die sich über die Kamera transportiert hat. Vielleicht hat das eine Rolle gespielt.

Wie ist der Casting-Prozess unter strengster Geheimhaltung gelaufen?
Rupp:
Ich habe im Dezember 2024 eine Szene bekommen. Kein Titel, kein Sender. Nichts. Meine Agentin hat mir das geschickt und gesagt: Das ist die Szene, ich weiß nicht mehr. Lustigerweise hat meine Frau es gelesen und gesagt: „Das kann doch nur der ,Tatort‘ sein.“ Sie hat ein Gespür für solche Dinge. Es gab mehrere Runden und ich konnte es mir irgendwann zusammenreimen: Ein Wiener Kommissar – es war schon Wienerisch geschrieben – wird kein Streamer sein, Deutschland auch nicht. Dann musste es der ORF sein. Wo gibt es diese Geheimhaltung? Da dachte ich mir, es ist wahrscheinlich der „Tatort“. Ich habe es eher erraten. Sie haben es dann sehr spät gesagt.

Wann war das?
Rupp:
Ich habe es vor circa einem Jahr erfahren und wurde da besetzt. Dann haben wir noch die Charlie gesucht.
Wenn alle spekulieren, wer es wird, muss es schwer sein, nichts zu sagen.
Rupp: Es war schon schwer. Ich muss zugeben, meinen Eltern und meiner Frau habe ich es schon gesagt. Ich habe halt immer dazu gesagt: Aber bitte, wisst’s eh, ich zahl sonst viel Geld und ich geh zu euch und hol’s mir. (lacht)

Wie legen Sie Ihre Rolle als „Tatort“-Kommissar an?
Rupp:
Er ist von anderen Figuren inspiriert. Er hat etwas von meiner Figur des Christoph „Burschi“ Horn aus „Cops“. Da habe ich einen WEGA-Beamten gespielt. Dass Alex früher bei der WEGA war und dann erst in die Kriminalabteilung gewechselt ist, habe ich mir geborgt. Er hat auch ein bisschen was vom Leo aus den „Vorstadtweibern“. Wobei der Leo noch ein bisschen depperter und blöder ist, aber sie haben beide das Herz am richtigen Fleck. Ein Wiener G‘stein mit dem Herzen am richtigen Fleck.

Sie spielen ein Geschwisterpaar. Wie ist die Dynamik zwischen Alex und Charlie?
Rupp:
Ich finde diese Dynamik extrem reizvoll. Es war klar, dass es heutzutage nicht mehr zwei Männer sein können. Diese Fragen wie „Geht was?“ und „Wann geht was?“, die es bei einem Mann-Frau-Duo meistens gibt, finden nicht statt. Man steigt viel deeper ein, mit einer intensiven, engen Beziehung. Wie das mit Geschwistern so ist. Ich finde das ein bisschen interessanter als das „Love Interest“-Thema. Das ist für mich mittlerweile ein bisschen fad.

Sie sind jünger als Ihre Vorgänger. Denken Sie, Sie sprechen ein neues Publikum an?
Rupp:
Ich kann mir vorstellen, dass Alex und Charlie näher an einer jüngeren Generation sind. Aber ich weiß es nicht. Mein Sohn liebt Krimis. Er schaut gerade „True Detective“. Das sind sehr gute Detektivgeschichten. Mein Anspruch ist auf jeden Fall, dass wir mit den Möglichkeiten und dem Geld, das wir haben, in diese Richtung gehen. Eine Bedingung war, dass das eine hohe Qualität und eine gewisse Tiefe hat. Es muss nicht immer ein politischer „Tatort“ sein, aber es muss unbedingt auch mal ein politischer „Tatort“ sein oder muss Fragen aufgreifen, die uns als Gesellschaft interessieren und etwas mit uns machen. Man soll am Ende sagen: „So habe ich das noch gar nicht gesehen.“ Das ist mein Ziel.

Wissen Sie, wie das Ende von Bibi und Moritz aussehen wird?

Rupp: Ich weiß es gar nicht. Lustigerweise habe ich es nie gefragt. Ich habe erst jetzt mal gefragt. Wenn ich in dasselbe Büro gehe, muss es meine Figur wissen. Aber ich weiß es immer noch nicht.

Weitere Artikel