Frauen im Iran
"Lolita lesen in Teheran": Widerstand gegen das Regime
21.11.2025Mit der Verfilmung von Azar Nafisis Autobiografie „Lolita lesen in Teheran“ kommt ein eindrucksvoller Film über den stillen Widerstand von Frauen im Iran auf die Leinwand.
Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Autorin Azar Nafisi (76) mit ihrer Autobiografie „Lolita lesen in Teheran“ ihren Durchbruch hatte. Sie erzählt in ihrem Buch von ihrer Zeit als Literaturprofessorin im Iran, wie sie von der Universität Teheran verwiesen wurde, weil sie ihren Schleier nicht mehr tragen wollte, und wie sie sich heimlich jeden Donnerstag mit sieben ihrer besten Studentinnen traf, um mit ihnen verbotene Literaturklassiker wie Vladimir Nabokovs „Lolita“ und Bücher von Jane Austen, Henry James oder F. Scott Fitzgerald zu lesen.
Es ist ein stiller Akt des Widerstands in ihrer Wohnung in einer Zeit politischer Repression und religiöser Kontrolle, der für die Frauen zu einem Akt der Selbstermächtigung wurde und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Realität, der sie lange sprachlos gegenüberstanden, auslöste.
Vom Buch zum Film
Dass es bis zur Verfilmung des Bestsellers so lange gedauert hat, liegt an der Suche nach dem richtigen Partner. „Ich hatte bereits ein Angebot, bevor nun Eran Riklis das Projekt umgesetzt hat“, erklärt Nafisi im APA-Interview, „Aber das damalige Drehbuch erschien mir zu kommerziell. Ich wollte aus meinen Studentinnen keine Heldinnen machen. Ich wollte, dass man sie versteht.“ In dem israelischen Regisseur Eran Riklis (71) hat die Exil-Iranerin den passenden Mann für das Projekt gefunden.
Ausschlaggebend war unter anderem sein Film „Lemon Tree“. Denn: „Er hat eine palästinensische Frau erschaffen, deren Würde in Gefahr ist. Wir sehen ihre gestohlene Identität, ihre Unabhängigkeit, ihre Würde und keine Terroristin oder ein Opfer. So entschied ich, dass ein Mann, der in die Haut einer palästinensischen Frau schlüpfen kann, auch mit meinen Studentinnen mitfühlen wird.“
Lorbeeren für Farahani
In die Rolle von Azar Nafisi ist die Schauspielerin Golshifteh Farahani (42) geschlüpft. Die Autorin lobt, wie hervorragend es ihrer Hauptdarstellerin gelungen ist, den Geist, die Konflikte und Widersprüche, die in ihr getobt haben, zum Ausdruck zu bringen. Das mag zum Teil daran liegen, dass auch Farahani eine Geflüchtete ist. Sie lebt seit 2009 in Frankreich. Nach dem US-Thriller „Body of Lies“ unterstellte die iranische Regierung ihr, sie sei eine CIA-Agentin. Es folgte eine abenteuerliche Flucht mit zwei Autos. Heute sieht sie ihre Aufgabe darin, sich aus dem Exil für Frauen- und Menschenrechte einzusetzen. „Mein Job ist es zu inspirieren und Hoffnung zu geben“, sagte sie in der arte-Doku „Kreative im Exil“, die 2024 ausgestrahlt wurde.