Rohstoff-Beben
Der große Preis-Crash von Kakao, Öl & Co
19.01.2026Wichtige Rohstoffe wie Kakao sind im letzten Jahr um bis zu 60 Prozent billiger geworden. Das hat Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
Für Edelmetalle war 2025 ein enorm starkes Jahr – doch für die meisten anderen Rohstoffe gilt das nicht: Wichtige, weltweit nachgefragte Commodities wie Kakao oder auch Erdöl sind zuletzt deutlich billiger geworden. Ganz besonders gilt das für Kakao, dessen Preis in der Vergangenheit zu gewaltigen Preissprüngen in den Supermarktregalen geführt hat, weil die Schokoladetafel im Regal plötzlich viel teurer wurde.
Doch das ist Geschichte: Kostete eine Tonne Kakao Mitte Jänner 2025 noch stolze 9.200 britische Pfund (knapp 10.600 Euro), so notieren die braunen Bohnen 12 Monate später nur noch bei 3.700 Pfund je Tonne - ein Rückgang um fast 60 Prozent. Bei Orangensaft gab es einen Rückgang um 56 Prozent, bei Weizen immerhin um knapp 10 Prozent.
Historisches Tief
Dabei handelt es sich nicht um ein kurzfristiges Absacken: Der Kakao-Preis ist seit einem Jahr kontinuierlich auf Talfahrt. „Kakaopreis sinkt auf 20-Monats-Tief, längste Preisrallye der Geschichte endet“ titelte die Financial Times schon im Oktober. Und auch seither gab es nur eine Richtung: Weiter nach unten.
Merkwürdig ist nur, dass die Schokoladetafeln im Supermarktregal diesen Rückgang nicht mitgemacht haben. Die Hersteller sagen, dass es ein grundsätzliches Problem gibt (der Klimawandel macht die Kakaoernten schlechter und risikoreicher) und dass die Konsumenten sich auf dauerhaft höhere Preise einstellen müssen.
Eine ähnliche Diskussion gibt es schon lange beim Erdöl: Dort verfolgen die Automobilklubs den Preis je Barrel Öl mit Argusaugen und fordern bei Rückgängen, dass auch der Preis von Benzin und Diesel an der Tankstelle sinken soll. Tatsächlich ist es wieder einmal soweit: Kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent vor genau einem Jahr noch um die 79 US-Dollar, so sind es aktuell 63,80 Dollar, das ist immerhin ein Rückgang um 20 Prozent. Weil der US-Dollar in dieser Zeit um gute 10 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet hat, ist die tatsächliche Ersparnis für europäische Käufer aber noch deutlich höher - zumindest wenn sie Großeinkäufer sind.
Für etliche andere Rohstoffe gilt eine ähnliche Entwicklung – aber nicht alle: Stahl und Aluminium sind im letzten Jahr kaum billiger oder sogar teurer geworden. Laut Marktbeobachtern zeigt sich alles in allem aber eine Beruhigung nach den Rohstoff-Preisturbulenzen beim Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Die Prognosen gehen nun von einer relativ ruhigen Preisentwicklung aus, aber wie Investmentprofis wissen: Sicher ist man bei Commodities nie. Auch große Rohstoff-ETFs wie iShares Diversified Commodity Swap UCITS oder UBS CMCI Composite bekamen das zu spüren: Nach zweistelligen Zugewinnen in der Vergangenheit lag die Performance 2025 bestenfalls im niedrigen einstelligen Bereich. Manche Rohstoff-Investments liegen auch deutlich im Minus. (gst)