Das sagen Profis
Krypto-Schock: Einsteigen oder noch warten?
04.04.2026
Bitcoin hat seit seinem Hoch fast die Hälfte seines Wertes verloren. Erwartbare Korrektur oder mehr?
Als die Kurse für Bitcoin immer neue Rekorde markierten und im Oktober 2025 auf rund 125.000 Dollar stiegen, schien alles möglich.Wer damals einstieg, fühlte sich auf der sicheren Seite. Heute – ein halbes Jahr später – ist davon wenig übrig. Rund die Hälfte des Wertes ist verschwunden. Aus Euphorie wurde Nervosität. Plötzlich fragen viele: War alles nur ein Hype – wie geht es weiter?
Einbruch hat viele Ursachen
Der Bitcoin-Absturz kam nicht aus dem Nichts, sondern aus einer Mischung mehrerer Faktoren. Geopolitische Spannungen, steigende Zinsen und massive Kapitalbewegungen sorgten für Druck. Vor allem die Geldpolitik spielt eine größere Rolle als früher – Zinssenkungen blieben aus. Wenn Kapital knapper wird, gerät Bitcoin unter Druck. Institutionelle Investoren haben das Sentiment gedreht. Zuletzt kam es zu Abflüssen aus Bitcoin-ETFs.
»Korrektur ist Teil des Systems Bitcoin«
Was sagt der Profi dazu? Für Martin Beranek, Commercial Director Austria & Switzerland bei Bitpanda, ist das jedoch kein Bruch der Bitcoin- Story: „Solche Korrekturen sind im Kryptomarkt nicht ungewöhnlich und historisch eher die Regel als die Ausnahme. Vieles spricht für eine klassische Marktbereinigung nach einer starken Phase.“
Entscheidend sei: „An der strukturellen Story rund um Angebot, institutionelle Nachfrage und langfristige Adaption hat sich wenig verändert“, sagt Beranek. Tatsächlich zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Rückgänge von 30 bis 60 Prozent sind im Bitcoin-Zyklus keine Ausnahme, sondern fast Normalität.
Institutionelle Investoren bewegen Preis
Der klassische Vierjahres-Zyklus rund um das Halving galt lange als Kompass für Anleger. Doch diese Orientierung verschwimmt zunehmend. „Der Zyklus ist weiterhin relevant, aber nicht mehr der alleinige Treiber. Institutionelle Investoren, ETFs und makroökonomische Faktoren machen das Marktverhalten komplexer“, so Beranek. Das zeigt sich auch im aktuellen Verlauf. Die Phase nach dem jüngsten Halving verlief deutlich weniger dynamisch als in früheren Zyklen. Ein Teil der Nachfrage sei bereits vorweggenommen worden, erklärt der Bitpanda-Manager.
Große Banken bleiben vorsichtig optimistisch
Preisprognose. Die großen Häuser werden konkreter. Goldman Sachs erwartet eine Phase der Konsolidierung und sieht den Markt kurzfristig in einer Bandbreite zwischen etwa 60.000 und 75.000 Dollar. Danach sei eine Erholung im weiteren Jahresverlauf möglich. JPMorgan bleibt auf lange Sicht ausgesprochen bullish und hält Bewertungen von bis zu 240.000 Dollar für denkbar. Bitcoin sei im Vergleich zu Gold weiterhin unterbewertet. Bernstein-Analyst Gautam Chhugani sieht den Rückgang als reinen Stimmungswechsel. Das Tief könnte bereits erreicht sein, das Jahresendziel liege bei rund 150.000 Dollar. Morgan Stanley baut seine Krypto-Infrastruktur weiter aus und öffnet den Zugang für eine breitere Kundengruppe.
„Kurzfristig dominieren makroökonomische Faktoren wie Zinsen und Liquidität“, sagt Beranek. Und: „Gerade das begrenzte Angebot bleibt langfristig der zentrale Treiber für die Wertentwicklung.“ Für langfristig orientierte Investoren könnte jetzt ein Einstieg attraktiv sein – entscheidend ist, die Schwankungen auszuhalten. Pragmatisch ist ein gestaffelter Einstieg. Also nicht alles auf einmal zu investieren, sondern die Käufe über mehrere Monate hindurch aufzuteilen.