JA Hirtenberg

Gefängnis-Insasse gestorben: Heftigste Gewalt-Vorwürfe gegen Beamte

27.01.2026

Neue Details im Fall rund um einen psychisch kranken Häftling sorgen für Empörung. 

Zur Vollversion des Artikels
© APA/HELMUT FOHRINGER
Zur Vollversion des Artikels

Es sind schwere Vorwürfe, die nun gegen mehrere Justizwachebeamte im Raum stehen. Ein psychisch kranker Insasse soll in der JA Hirtenberg vor einem Häftlingstransport misshandelt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt gegen zwölf Justizwachebeamte.

Schon vor zwei Wochen gab das Justizministerium bekannt, dass in der JA Hirtenberg ein Insasse gestorben sei und es Ermittlungen gebe. Einige Details blieben dabei aber offenbar außen vor, wie der "Falter" nun berichtet. Der Vorwurf gegen zwölf an dem Vorfall Beteiligte: Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung einer Amtsstellung. 

Schwere Verletzungen 

Das Justizministerium erklärte am Dienstag auf APA-Anfrage: "Der Ablauf der Ereignisse wird vollständig aufgeklärt und im Detail aufgearbeitet werden". Die Ergebnisse sollen in künftige Einsatzleitfäden sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen einfließen. 

Ein Obduktionsgutachten gibt es noch nicht. Laut "Falter" habe ein Gerichtsmediziner allerdings schwere Verletzungen, darunter auch Schädelbrüche, festgestellt. 

Betonbett entgegen ärztlicher Weisung  

Der Häftling war laut "Falter" im November 2025 in der Justizanstalt Stein ins Anstaltsspital und Anfang Dezember in die Justizanstalt Hirtenberg verlegt worden. Am 2. Dezember wurde er dem Bericht zufolge von einem Psychiater begutachtet und als "akut psychotisch, desorganisiert und nicht in der Lage, Gefahren für sich und andere einzuschätzen" beschrieben: "Wirkt akustisch halluzinierend, versteht Anforderungen nur teilweise, reagiert aggressiv und deutlich angespannt. Derzeit ist weiterhin akute Fremdgefährdung vorliegend", wurde aus dem Befund zitiert. Angeordnet wurde die sofortige Unterbringung in einem "besonders gesicherten Haftraum" sowie Videoüberwachung. In der Isolationszelle sollen sich laut "Falter" - entgegen der ärztlichen Weisung - ein Betonbett und ein Tisch befunden haben. Organisiert wurde auch ein Platz auf der Psychiatrie einer Krankenanstalt.

Schläge gegen Oberkörper, auch Schlagstock eingesetzt

Bei einer medizinischen Kontrolle am Morgen des 3. Dezember vor dem geplanten Transport soll der Häftling dem Bericht zufolge nicht auf Zurufe reagiert haben. Danach wurde via Überwachungskamera "massiv gesteigertes Antriebsverhalten" entdeckt. Der Insasse sei aufgefordert worden, vom Tisch zu steigen, andernfalls werde er "mittels unmittelbaren Zwangs aus dem Haftraum verbracht". Sechs Beamte mit Schildern, Helmen und Schutzwesten betraten die Zelle, laut Protokoll sei der Mann "aufgrund der nassen Bodenverhältnisse ausgerutscht und mit dem seitlichen Kopfbereich mit voller Wucht auf das Betonbett gefallen". In der Folge wurden die Beine des Insassen fixiert, wogegen er Widerstand leistete. Er erlitt den Angaben zufolge Fauststöße gegen den Oberkörper und Faustschläge auf den Unterschenkel. Auch ein Schlagstock sei eingesetzt worden.

Trotz schweren Verletzungen in Gefangenenbus verfrachtet

Nachdem dem Häftling laut "Falter" Fußfesseln angelegt wurden, sei er in der Dusche mit einem Schlauch abgespritzt worden, wobei er um sich geschlagen und Beamte gebissen und bespuckt habe. Der Mann sei "mit dem Kopf gegen Wand und Fliesenboden" gefallen. Anschließend sei ihm eine Spuckschutzhaube aufgesetzt worden. Er sei an Kopf, Oberkörper, Armen und Beinen und Hals fixiert worden, wobei auch eine Halsklammer eingesetzt worden sein dürfte. Anschließend sei er in einen Gefangenenbus verfrachtet worden. Kurz nach dem Losfahren hielt der Transport an, weil der Mann "mit dem Körper unter die eingebauten Sitze gerutscht ist". Weil der Insasse keine Reaktion zeigte, wurde die Rettung verständigt und der Häftling fast zwei Stunden lang reanimiert. In den Abendstunden starb er im Krankenhaus Eisenstadt.

Mutter nicht richtig informiert

Besonders erschütternd: Die Mutter des 30-jährigen Häftlings soll laut "Falter" von der JA Hirtenberg mitgeteilt bekommen haben, dass ihr Sohn ein "plötzliches" Multiorganversagen gehabt hätte und zudem ein "schwaches Herz". Auf der Parte des Verstorbenen stand demnach: Er starb "völlig unerwartet". 

Volksanwältin Schwarz: "Vorwürfe sind lückenlos aufzuklären"

Die Familie des Verstorbenen ging dem Bericht zufolge zunächst von einem natürlichen Tod aus. Die Eltern des Insassen wurden von der Leiterin des Sozialen Dienstes der JA Hirtenberg - die selbst ausgebildete Traumatherapeutin ist - auf Basis der ihr zu dem Zeitpunkt vorliegenden Informationen über das Ableben ihres Sohnes informiert, hielt das Justizministerium fest. Dabei habe sie auch angeboten, für weitere Fragen - auch später - zur Verfügung zu stehen. Ein Obduktionsergebnis liege noch nicht vor. Seitens des Justizministeriums wurde zudem festgehalten, dass die zuständige Generaldirektion die Erhebungen "seit Beginn vollumfänglich unterstützt". "Unabhängig vom Ermittlungsergebnis macht uns das Ableben des Insassen tief betroffen", hieß es.

"Die kolportierten Vorwürfe sind lückenlos aufzuklären", reagierte die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) auf Anfrage. "Entsprechende Schritte wurden unseres Wissens nach vonseiten des Justizministeriums und der Generaldirektion gemäß der Vorschriften eingeleitet", betonte Schwarz, die auch auf das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft verwies, das abzuwarten sei. Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Alma Zadić, nannte die Berichte über den Vorfall "schockierend". Die geschilderten Verletzungen würden auf immense Gewalteinwirkung hindeuten. "Die Vorwürfe, sollten sie stimmen, schaden dem Ansehen des Rechtsstaates", wurde Zadić zitiert. Sie hätte sich erwartet, "dass das Justizministerium in so einem Fall schnell, aufrichtig und offen kommuniziert. Es wirkt, als wollte man die Angelegenheit vertuschen und Kleinhalten."
 

Zur Vollversion des Artikels