Ärzte alarmiert

Immer mehr Fälle: Gefährliches Virus führt zu Lungen-Versagen

14.06.2019

Überträgt sich beim Aufwirbeln von Staub bei Reinigungsarbeiten.

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Das LKH Graz hat am Freitag vor einer Infektion mit dem Puumalavirus gewarnt: Von heuer bisher 97 Ansteckungen in Österreich wurden 86 in der Südoststeiermark gezählt. Das Virus verbreitet sich über den Kot und andere Ausscheidungen der Rötelmaus und wird durch Staubaufwirbelungen eingeatmet. Bei Keller- und Dachbodenreinigungen werden daher unbedingt Mundschutz und Handschuhe empfohlen.

Wird Staub aufgewirbelt, schleudert das auch den Virus herum und zwar sogar noch dann, wenn der Überträger, die Rötelmaus, längst "ausgezogen", tot oder gefangen ist. Das LKH Graz teilte am Freitag in einer Aussendung mit, dass wegen der Gefahr einer Übertragung besonders auch beim Reinigen von Wochenendhäusern, Schuppen oder Garagen Vorsicht geboten ist. Eine Infektion mit dem Virus kann bis zu Nieren- und Lungenversagen führen.

© Zentrum für Virologie der Med-Uni Wien

Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist das Besprühen von Oberflächen und Böden mit chlorhaltigen Lösungen, raten die Infektiologen. Von den bisher österreichweit verzeichneten Infektionen wurden 89 Prozent in der Steiermark gezählt. Allein in den vergangenen drei Wochen wurden an der Universitätsklinik für Innere Medizin des LKH Graz 16 Patienten behandelt, drei davon intensivmedizinisch. Grundsätzlich waren bisher 73 Prozent aller Erkrankten Männer, das Durchschnittsalter betrug 48 Jahre, wobei der jüngste Patient 24 Jahre und der älteste 86 Jahre alt gewesen ist.

Infektion beginnt grippeähnlich

"Eine Infektion beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost und führt in der Folge zu starken Bauch-, Flanken- oder Rückenschmerzen sowie Sehstörungen oder kleinen Hautblutungen. In schweren Fällen kann eine Puumalavirusinfektion ein Lungenversagen und ein akutes Nierenversagen auslösen, die sogar eine vorübergehende Beatmung und eine Dialyse notwendig machen", erklärte Robert Krause, Leiter der Sektion Infektiologie und Tropenmedizin. "Üblicherweise heilt die Erkrankung zwar ohne bleibende Schäden aus. Dennoch ist jede Infektion für den Patienten aufgrund des hohen Fiebers, der Muskel-und Kopfschmerzen sehr belastend und könnte mit einfachen Mitteln vermieden werden", so der Experte.

Warum die meisten Infektionen heuer gerade in der Südoststeiermark, in Kärnten und im Südburgenland verzeichnet wurden, ist nicht erklärbar, denn grundsätzlich ist die Rötelmaus in ganz Österreich beheimatet. Das Puumalavirus tragen allerdings nur einzelne Populationen in sich. Mit 97 Fällen verzeichnete man heuer bereits mehr Infektionen als in den Jahren 2004, 2007, 2014 und 2017 zusammen, in denen das Virus in Österreich gehäuft beim Menschen auftrat. Nur im Jahr 2012 waren mit 264 Fällen mehr Infektionen nachweisbar.
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