Österreich

Jede fünfte Frau von Gewalt durch Mann betroffen

24.11.2006

Jede fünfte Frau in Österreich ist laut Schätzungen von Gewalt durch einen männlichen Angehörigen betroffen.

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© APA/HANS KLAUS TECHT
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Im Vorjahr wurden von der Polizei in ganz Österreich insgesamt 5.618 Betretungsverbote und Wegweisungen ausgesprochen. Zusätzlich haben die Beamten im häuslichen Bereich 6.171 Streitschlichtungen durchgeführt, so die Statistik des Innenministeriums.

In Wien wurden insgesamt 2.400 Betretungsverbote verhängt. Im Jahr 2006 hat es laut Polizei bisher 2.600 derartige Beschlüsse gegeben. Gewalt und Übergriffe gegen Frauen belegen auch die Stalking-Vorfälle seit In-Kraft-Treten des Stalking-Gesetzes im Juli 2006. Seither wurden im Bundeskriminalamt insgesamt 1.007 "beharrliche Verfolgungen" verzeichnet. Die meisten davon - 329 - fanden in Wien statt. Viele Stalking-Fälle gab es allerdings auch in Niederösterreich (149), Oberösterreich (136) und der Steiermark (122).

Auch Zwangsverheiratungen
Im Frauenministerium wurden von Jahresbeginn bis 21. November insgesamt sieben "Zwangsverheiratung" gemeldet. Die betroffenen Mädchen und Frauen - im Alter von 14, 15, 18, 25, 27, 34 und 35 Jahren - kamen aus Albanien, Bosnien Herzegowina, Afghanistan, Türkei, Serbien-Montenegro und Indien. Fünf der Betroffenen wurden verheiratet - bei zwei Frauen blieb es bei einer Drohung. Die Trauung fand in fast allen Fällen in Österreich statt. Eine der Mädchen wurde zur Vermählung nach Afghanistan gebracht.

Zu Ehrenmorden gibt es laut Frauenministerium keine Daten. Zuletzt wurde eine aus dem Libanon stammende 20-Jährige getötet. Die Frau lebte im Tiroler Zillertal und wurde im April 2004 von ihren 17-jährigen Bruder ermordet.

3.256 Frauen in Frauenhäuser
Insgesamt 3.256 Frauen und Kinder flüchteten im Vorjahr in Einrichtungen der autonomen österreichischen Frauenhäuser. 70 Prozent der "Gäste" waren zwischen 20 und 40 Jahre alt. Grund dafür sind laut Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AOEF) allerdings nicht häufigere Übergriffe. Vielmehr sei es mit zunehmendem Alter schwieriger, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Ökonomische Abhängigkeit und schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt würden bei dem Schritt, in ein Frauenhaus zu gehen, eine wesentliche Rolle spielen.

63 Prozent der in Frauenhäusern betreuten Frauen wurden von ihren geschiedenen Männern oder Gatten misshandelt. Jede vierte Betroffene erlebte Übergriffe durch ihren Lebensgefährten. Sechs Prozent flüchteten vor Gewalttaten ihrer Eltern bzw. Schwiegereltern. Bei 52 Prozent der Frauenhausbewohner handelte es sich um Österreicherinnen. 18 Prozent stammten aus Südosteuropa, acht Prozent der Betroffenen hatten eine türkische Staatsbürgerschaft.

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