Benutzt Werkzeug

Forscher staunen: Klügste Kuh der Welt ist Kärntnerin

20.01.2026

Eine Kuh, die gezielt Werkzeuge benutzt, galt lange als undenkbar. Im Kärntner Gailtal lebt nun ein Tier, das genau dieses Bild auf den Kopf stellt. 

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© VetMed-Uni Wien
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Die 13-jährige Braunvieh-Kuh Veronika sorgt mit ihrem Verhalten international für Aufsehen – und bringt die Wissenschaft ins Staunen.

Veronika gehört dem Biobauern Witgar Wiegele, der sie nicht zur Milch- oder Fleischproduktion hält. Für ihn ist sie vielmehr ein Haustier mit ausgeprägtem Eigenwillen. Schon vor Jahren fiel ihm auf, dass die Kuh kleine Äste vom Boden aufhob, um Fliegen zu vertreiben oder juckende Stellen zu kratzen. Mit der Zeit wurde Veronika immer geschickter – heute greift sie auch zu Rechen, Schrubbern und Besen.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur, dass die Kuh Werkzeuge nutzt, sondern wie sie es tut. Abhängig von der Körperstelle entscheidet Veronika, ob sie den Besenstiel oder die Borsten verwendet. Den Rücken bearbeitet sie mit großflächigen Schwungbewegungen, empfindlichere Zonen wie Bauch oder Euter mit vorsichtigen Stößen. Das Werkzeug richtet sie zuvor sogar mit der Zunge passend aus. Ein solch flexibler Einsatz eines Gegenstandes war bislang nur von Menschen und Schimpansen bekannt.

Forscher staunen

Auf die außergewöhnliche Kuh aufmerksam wurde auch die Kognitionsbiologin Alice Auersperg vom Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Ein Video von Veronikas Verhalten weckte ihr Interesse sofort. Gemeinsam mit einem Forschungsteam unter Leitung des Biologen Antonio Osuna-Mascaro reiste sie ins Gailtal, um den Werkzeuggebrauch vor Ort zu untersuchen.

Die Forscher rechneten mit Geduldproben – doch Veronika überraschte sie. Kaum lag ein Stock in ihrer Nähe, griff sie danach und begann sich zu kratzen. Die gezielte und spontane Handhabung sei „verblüffend“ gewesen, so Auersperg. In weiteren Experimenten testete das Team die Anpassungsfähigkeit der Kuh mit einem Schrubber, dessen Borsten zufällig ausgerichtet waren. Über Wochen hinweg zeigte sich: Veronika passte ihre Technik konsequent an und bevorzugte je nach Körperregion unterschiedliche Werkzeugenden.

"Einstein unter den Kühen"

Die Ergebnisse wurden mittlerweile im Fachjournal „Current Biology“ veröffentlicht. Für Auersperg ist Veronika möglicherweise so etwas wie ein „Einstein unter den Kühen“ – auch wenn sie vermutet, dass andere Rinder ähnliche Fähigkeiten entwickeln könnten, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen haben.

Die Entdeckung rückt Nutztiere in ein neues Licht. Kühe seien deutlich intelligenter, als ihr Ruf vermuten lasse, betont Auersperg. Zu lange habe sich die Forschung fast ausschließlich auf Leistung und Produktion konzentriert, nicht auf Verhalten und kognitive Fähigkeiten. Veronika liefert nun ein eindrucksvolles Gegenbeispiel – und widerlegt nachhaltig das Klischee von der „dummen Kuh“. 

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