Statt Inspektion

Neuer KZ-Gedenkort am Nordportal des Loibltunnels in Kärnten

23.01.2026

Das Ausstellungsgebäude wird ins Bewusstsein rufen, dass der Loibltunnel durch Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen aus ganz Europa entstanden ist. 

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Ktn. Am Nordportal des Loibltunnels an der Grenze zu Slowenien entsteht nun ein neuer Museumspavillon, der an das dortige Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg erinnert. Der Pavillon soll ganzjährig und ohne Betreuungspersonal besuchbar sein, war die Vorgabe eines Architektenwettbewerbs, aus dem die Büros Certov, Winkler + Ruck hervorgingen. Ihr Projekt wurde am Freitag im kärnten.museum präsentiert.

Mit diesem Memorial erfolge "der Lückenschluss einer Gedenkkultur in Kärnten, die spät begonnen hat", sagte Landeshauptmann und Kulturreferent Peter Kaiser (SPÖ) über das 800.000 Euro teure Projekt, das zu einem Großteil von der "100 Jahre Kelag-Privatstiftung" finanziert wird. Umgesetzt wird es vom Landesmuseum in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und dem Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska.

Erinnerung an zwei Tatorte

Auf einer Fläche von 870 Quadratmetern soll der Baukörper anstelle der ehemaligen Grenzpolizeiinspektion entstehen. Zum Architekturwettbewerb waren acht Teams eingeladen, darunter auch solche aus Frankreich, Polen und Slowenien, also jenen Ländern, aus denen die meisten KZ-Häftlinge am Loibl stammten. Die eingereichten Wettbewerbsprojekte werden im Atrium des kärnten.museum noch bis 1. Februar ausgestellt. "Zwischen den beiden wichtigsten Tatorten, dem Tunnel und dem Lager", so Museumsdirektor Wolfgang Muchitsch, werde das Ausstellungsgebäude ins Bewusstsein rufen, dass der Loibltunnel "durch Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen aus ganz Europa entstanden ist".

Architekt Roland Winkler betonte, dass das Memorial "auch aus den Augenwinkeln der Vorbeifahrenden funktionieren muss". Wie eine offene Baracke aus Beton, die gleichzeitig an einen Tunnel denken lässt und durch zwei Tore zu einem geschlossenen Raum verwandelt werden kann, soll dieser "Erinnerungskörper" aber "nie wie ein Klassenzimmer" wirken. Als "Reflexionsraum", der die einstige KZ-Außenstelle "vom Ort des Gedenkens zum Ort der Begegnung" machen könne, würdigte Manfred Morokutti vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska das Projekt, das im Herbst 2026 eröffnet werden soll.

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