Kampusch: Die offenen Fragen

12.04.2013

Bis heute gilt Wolfgang Priklopil als alleiniger Entführer von Natascha Kampusch. Dennoch begleiteten die Causa von Anfang an Fragen, die bisher nicht völlig geklärt werden konnten. Folgend eine Übersicht über die wichtigsten strittigen Punkten.

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Kampusch hat bei ihren Einvernahmen stets von einem Täter gesprochen. Dem entgegen steht eine Zeugenaussage einer im Jahr 1998 zwölf Jahre alten Schülerin, die gesehen haben will, dass Kampusch von zwei Person gekidnappt wurde: Während ein Mann Kampusch ins Auto zerrte, saß ein zweiter hinter dem Steuer.


Eine Beamtin hielt in einer Aktennotiz fest, Kampusch habe nach ihrer Selbstbefreiung auf die Frage nach Mittätern geantwortet, sie könne "keine Namen nennen".

Nach der Entführung fuhr Priklopil nicht unmittelbar zu seinem Haus mit dem Verlies, sondern zu einem Waldstück. Dort telefonierte er und erklärte Kampusch dann, dass "die anderen" nicht kommen würden.

Warum erfolgte die Entführung am 2. März 1998, obwohl zu diesem Zeitpunkt das "Verlies" noch nicht gänzlich fertiggestellt war?

Dubios ist auch die Rolle des ehemals besten Freund von Priklopil, Ernst H., der im Zuge der Ermittlungen seine Aussagen grundlegend geändert hat. Anfangs hatte er behauptet, nichts von der Entführung gewusst zu haben. Am Tage der Selbstbefreiung von Kampusch habe Priklopil ihn gebeten, ihn vom Donauzentrum in Wien abzuholen, da er in angetrunkenem Zustand einer Polizeikontrolle davon gerast sei. Als später die Polizei bei ihrer Suche nach Priklopil zu der Veranstaltungshalle von H. gekommen ist, hatte dieser auf die Frage, wo Priklopil sein könnte, mit dem bemerkenswerten Satz "Hat er se umgebracht?" geantwortet. Später änderte H. seine Aussage dahingehend, dass der Entführer im Auto eine umfassende Lebensbeichte abgelegt hatte, wodurch auch etwaiges Insiderwissen erklärbar wäre.

Fraglich war auch eine Geldüberweisung von 500.000 Schilling (rund 36.300 Euro) von H. an Priklopil rund um den Zeitpunkt der Entführung. Nachdem die ursprüngliche Version, dass H. seinem Freund das Geld für ein Auto geliehen hatte, nicht schlüssig war, hatte H. auch hier seine Version geändert. Es sei Schwarzgeld aus Wohnungsverkäufen gewesen, das er am Finanzamt vorbeischleusen wollte.

Im Zuge einer Pressekonferenz legte H. einen Zettel mit dem Wort "Mama" vor und behauptete, dies wäre eine Art Abschiedsbrief gewesen. Gutachten ergaben allerdings, dass die Schrift nicht mit jener von Priklopil übereinstimmte.

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