Laut Alpinpolizei
Lawinen: Bisher schon 13 Tote in der heurigen Saison
18.01.202613 Menschen sind nach Angaben der Alpinpolizei bis Sonntag in der heurigen Saison bereits ums Leben gekommen.
Das sind deutlich mehr als in den Jahren davor, als drei, sieben und ein Lawinenopfer bis zu diesem Stichtag registriert wurden. Zuletzt gab es in der Saison 2018/19 mehr Opfer bis zum Stichtag 18. Jänner. Damals waren bis dahin 14 Wintersportler in Lawinen ums Leben gekommen, wie der Leiter der Alpinpolizei, Hans Ebner, am Sonntag im Gespräch mit der APA sagte.
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"Grundsätzlich ist jedes Opfer eines zu viel. Es gibt aber immer Lawinenzeiten, kann man sagen - nach Schneefall mit Wind, wenn der Schnee verfrachtet wird", erläuterte der Experte. Unter den 13 Opfern waren die meisten Tourengeher, dazu kamen zwei Variantenfahrer und ein Wanderer. Dieser hatte ein kleines Schneebrett ausgelöst und war dadurch selbst 350 Meter abgestürzt.
Gefahr auch für erfahrene Tourengeher schwer einzuschätzen
Mangelnde Ausrüstung dürfte bei den Lawinentoten vom Samstag nicht das Thema gewesen sein. "Das Problem ist, dass die Lawinengefahr schwer einzuschätzen ist. Es sind auch erfahrene Skitourengeher und Profis - Bergführer etwa - betroffen", betonte Ebner. Er bestätigte, dass sich die meisten Lawinenunglücke bei Stufe drei ereignen. Ebner nannte das eine "sehr kritische Situation", es könne wohl auch einen psychologischen Effekt bei den Wintersportlern geben, weil es genau die Mitte sei.
"Dass die Gefahr aber exponentiell ansteigt, hat der eine oder andere nicht so am Schirm", betonte der Leiter der Alpinpolizei. "Die Lawinenwarndienste haben grundsätzlich sehr gute und detaillierte Prognosen." Ebner weiter: "Letztlich geht es immer um die Steilheit des Geländes. Wenn man unter 30 Grad Anstieg bleibt, ist die Gefahr nicht so groß."
Nicht alleine unterwegs sein
Der Hauptgrundsatz für Skitourengeher ist, nicht alleine unterwegs zu sein, appellierte Ebner. "Einer der wichtigsten Aspekte ist die Kameradenrettung. Wenn eine Verschüttete oder ein Verschütteter innerhalb von 15 bis 20 Minuten herausgeholt wird, sind die Überlebenschancen eigentlich recht gut." Wenn Alleingänger verunglücken, erfolgt die Alarmierung oft erst zu spät - beispielsweise durch eine Vermisstenmeldung von Angehörigen. "Und wichtig ist auch die Zurückhaltung in kritischen Situationen."
Skitourengeherinnen und -geher sollten jedenfalls immer eine Notfallausrüstung dabei haben. Dazu zählen in erster Linie ein Handy, ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), eine Sonde und eine Schaufel. Letztere drei Geräte werden im Fachhandel oft als Set angeboten: "Ich würde sagen, ab etwa 350 Euro ist man dabei", betonte Ebner. "Aber man kauft das ja nicht für eine Tour, sondern zumindest für zwei bis drei Jahre." Die Schaufel und die Sonden würden in der Regel gar nicht kaputt gehen.
Notfallausrüstung ist nicht billig, aber erhöht die Überlebenschance
Insbesondere wer schärfere Skitouren in steilerem Gelände in Angriff nimmt, sollte sich auch die Anschaffung eines Lawinenrucksacks mit Airbag überlegen. Dieser soll helfen, an der Oberfläche zu bleiben, wenn die Schneemassen ins Tal schießen. Allerdings machte Ebner darauf aufmerksam, dass dies einerseits ein psychologischer Nachteil sein kann, weil man dadurch zu mehr Risiko verleitet werden kann. Andererseits geben die Airbags auch nur bedingt Schutz: Wenn die Lawine in einer Mulde liegen bleibt und von oben weitere Schneemassen nachkommen, können die Sportler nichtsdestotrotz tief verschüttet werden.
Die Lawinenrucksäcke mit Airbags sind auch nicht billig: "Ich würde sagen, die kosten ab rund 700 Euro aufwärts. Und klar ist auch, dass man sie warten muss", erläuterte Ebner. Dazu zählt, die Akkus geladen zu halten und die Kartuschen zu prüfen. Eine vollständige Notfallausrüstung gibt es somit sicher von 1.000 oder 1.200 Euro aufwärts.
Der Umgang mit Notfallgeräten muss geübt werden - in Kursen
Die Geräte anzuschaffen, hilft wenig, wenn die Sportlerin oder der Sportler nicht damit umzugehen weiß. In Kursen übt man dies, dazu kommen auch Hinweise zur Einschätzung des Geländes. Die Kurse bekommt man bei praktisch allen mit dem Thema befassten Organisationen: Alpenverein, Naturfreunde, Skischulen usw.
Ebner wies auch darauf hin, dass die meisten Tourengeherinnen und -geher auf durchaus stark genutzten Routen unterwegs sind, auf denen die Lawinengefahr bei weitem nicht so groß ist. Insgesamt ist die Zahl der Opfer im langjährigen Vergleich leicht zurückgegangen, auch wegen der verbesserten Ausrüstung, wie Ebner mutmaßte: "Bis zum Jahr 2000 hatten wir im Schnitt rund 25 Lawinenopfer pro Saison. In den letzten Jahren sind es eher 20. Aber das sind immer noch sehr viele."