Schnee-Katastrophe
Lawinen-Tote: Das sind die Opfer
18.01.2026Bei dem Lawinenabgang am Samstagnachmittag im Salzburger Pongau im Bereich Finsterkopf im Großarltal mit vier Toten hat es sich um eine geführte Gruppe des Alpenvereins gehandelt.
Großarl. Das teilte der Österreichische Alpenverein in einer Presseaussendung am Sonntag mit. Die Gruppe nahm im Rahmen eines "regulären Winterausbildungsprogramms" an der Tour teil, wie es hieß.
Laut Auskunft der Polizei gegenüber der APA sind bei dem Unglück im Großarltal Menschen aus mehreren Bundesländern gestorben: zwei Männer aus Tirol im Alter von 65 und 63 Jahren, eine 60-Jährige aus der Steiermark sowie ein 53-Jähriger aus Oberösterreich.
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Gruppe von Bergführerin geleitet
Laut Auskunft von Gerald Zagler, Sprecher des Alpenvereins, gegenüber der APA war der Kurs für erfahrene Tourengeher von einer Bergführerin geleitet worden. Die Prüfung zum Bergführer gilt in Alpinistenkreisen als der höchste und schwerste Ausbildungsgrad. Der Bergführer darf damit auch mit Privatpersonen in hochalpines Gelände, wie der Landesleiter der Salzburger Bergrettung, Richard Freicham, die Gesetzeslage der APA beschrieb. Die Frau hat das Unglück überlebt, wie Zagler bekannt gab.
"Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freundinnen und Freunden der Verstorbenen und Verletzten. Die alpine Gemeinschaft trauert mit den Angehörigen", teilte Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins, in der Aussendung mit. Die genauen Umstände des Lawinenabgangs würden vor Ort von Experten des Alpenvereins und von den zuständigen Behörden untersucht.
"Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein"
"In unseren Kursen stehen Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein an oberster Stelle", wird Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins, zitiert. Für die psychologische Betreuung wurde ein Kriseninterventionsteam aktiviert.
"Zu gefährlich" – Bergretter kritisiert Alpenverein
Freicham kritisierte dagegen im Gespräch mit der APA die Entscheidung, eine Tour zu den am Samstag herrschenden Bedingungen zu unternehmen. "Touren über der Waldgrenze an Hängen über 30 Grad sind zu gefährlich." Besonders in den Hohen und Niederen Tauern könne man bei Lawinenwarnstufe drei bei den herrschenden Schneebedingungen immer mit dem Schlimmsten rechnen. In jenen beiden Gebirgsregionen war es zu den fatalen Lawinenabgängen gekommen.
Bergretter mit Entscheidungen zwischen Leben und Tod
Was der Einsatz menschlich den Rettern abverlangte, schilderte Gerhard Kremser, Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, der APA am Sonntag eindrücklich. Kurz vor dem Schneebrett im Großarl war es zu einem Lawinenabgang auf der Schmugglerscharte in Bad Hofgastein gekommen, bei der eine 58-Jährige aus Niederösterreich ums Leben kam. Durch das Schneebrett im nahe gelegenen Großarltal waren innerhalb kurzer Zeit Helfer vor Ort. "Der Einsatz war für die ersten Helfer eine enorme psychische Belastung", erklärte Kremser. Er habe mit einem langjährigen Bergretter gesprochen, der ein Opfer ausgrub, während der Lawinenpips schon den nächsten Menschen unter den Schneemassen anzeigte. "Da musste er sich fragen: Fange ich hier mit der Reanimation an, oder grabe ich den nächsten aus?"
Die Opfer waren alle in mindestens einem Meter Tiefe verschüttet. Die Rufe des Einsatzleiters mit "Graben, graben!" waren an der Unglücksstelle immer wieder hörbar. Nach rund 15 Minuten sinkt die Überlebenschance rapide, erklärte Kremser im APA-Gespräch.