Chauffeur kollabiert

Lehrer retten 31 Schüler im Geiserbus

30.05.2009

Blitzschnell reagierten Lehrer bei einem Schulausflug: Nachdem der Lenker kollabiert war, konnten sie den führerlosen Bus mit 31 Kindern bremsen.

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© TZ Österreich Schwarzl
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„Man darf gar nicht nachdenken, was alles hätte passieren können.“ Der Schock sitzt Iris Fuchs (53), Lehrerin der Welser Privatschule „Da Vinci“, noch tief in den Knochen. „Wir sind einfach nur froh, dass es den Kindern gut geht.“ Der Zwischenfall selbst dürfte nur wenige Sekunden gedauert haben – doch für 31 Schüler zwischen sechs und vierzehn Jahren und ihre vier Betreuer war es die wohl schlimmste Fahrt des Lebens.

Epileptischer Anfall
Es sollte ein vergnüglicher Schulausflug zum Hangar 7 in Salzburg werden. Doch während sich die Kinder über die Exkursion freuen, erleidet Lenker Jiri S. (46) plötzlich einen epileptischen Anfall und verliert - auf voller Fahrt mit 100 Stundenkilometern - die Kontrolle über sein Fahrzeug. „Ich habe nur gesehen, wie Jiri auf einmal auf die Seite gekippt ist“, lässt Iris Fuchs den Augenblick nochmal Revue passieren. Dann der Krach - das Fahrzeug driftet nach links, touchiert die Mittelleitschiene. Iris Fuchs reagiert blitzschnell: Sie sprintet zum Fahrersitz, reißt das Lenkrad an sich. „Ich habe nur gedacht, dass der Bus in der Spur bleiben muss.“ Dann lösen zwei helfende Hände die Lehrerin vom Steuer ab. „Ich bin auf die Bremse gestiegen, weil Jiri mit Tempomat gefahren ist“, berichtet Klaus Forstner (40). Zusammen gelingt es den beiden Pädagogen, den Bus auf den Pannenstreifen der Westautobahn bei Thalgau zu lenken.

Schock
Während Chauffeur Jiri S. im Salzburger UKH untersucht wird - es war sein erster Anfall - besprechen die Lehrer den Zwischenfall mit den Schülern. Einer von ihnen wird zur Beobachtung ins Spital gebracht, kehrt aber bereits kurze Zeit später mit einer Halskrause zurück. „Sie können sich eigentlich nur an den Krach erinnern“, so Forstner. Bei der Rückkehr der Gruppe war „Da Vinci“-Direktorin Andrea Leindecker fassungslos, aber erleichtert: „Ich bin den beiden Lehrkräften so dankbar, dass sie so beherzt eingegriffen haben - damit haben sie Unglaubliches geleistet.“

Retterin Iris Fuchs im ÖSTERREICH-Interview

Für ihre Schüler ist Iris Fuchs eine Heldin. Sie selbst gibt sich bescheiden: „Wichtig ist, dass die Kinder unverletzt sind.“

ÖSTERREICH: Wann haben Sie gemerkt, dass der Bus führerlos fährt?

Iris Fuchs: Ich bin in der zweiten Reihe gesessen. Plötzlich ist unser Chauffeur Jiri zur Seite gekippt, ein paar Sekunden später ist der Bus schon an die Mittelleitschiene gefahren. Da bin ich dann nach vorne gestürmt und hab versucht, irgendwie die Spur zu halten. Dann hab ich auch nach meinem Kollegen gerufen, der ganz hinten im Bus war.

ÖSTERREICH: Zusammen haben Sie den Bus zum Stehen gebracht?

Fuchs: Der Tempomat war noch an, Klaus hat dann gebremst und zusammen haben wir den Bus am Pannenstreifen zum Stehen gebracht.

ÖSTERREICH: Wie haben Ihre Schüler den Zwischenfall erlebt?

Fuchs: Vom Anfall haben sie gar nichts gemerkt, das ist ja sehr schnell gegangen. Erschrocken sind sie dann erst, als es beim Touchieren ordentlich gekracht hat.

ÖSTERREICH: Was ist Ihnen in den Sekunden durch den Kopf gegangen?

Fuchs: Überhaupt nichts, das ging ja so schnell. Ich bin einfach nach vorne, hab mir das Steuer geschnappt. Auch jetzt darf man gar nicht darüber nachdenken, was alles hätte passieren können. Ich bin nur froh, dass den Kindern nichts Ernstes passiert ist.

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